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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-05-01 · 3 (1.5.1931) · p. Seite 35

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
3 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 35 (sequence 7)
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beleuchtet«- die Stellung der Judenheit auf de» Gebieten der Landwirtschaft, des Handwerks, der Industrie und des Handels und unterzog besonders die soziologischen Verhältnisse der Ostjtidenheil einer interessanten, zahlenmäßig belegten Untersuchung. Er bezeichnte die wirtschaftliche Umschichtung als das ernsteste Problem der Judenheit und zeigte insbesondere die soziale Stellung der Juden in den berufen auf. Sehr interessant waren auch die allerdings auf der Busis des Jahres 1905 gegebenen Zahlen zu den jüdischen Vermögens- und Einkommeiisverhültiiissen. Wenn auch die heutige Situation eine vollkommen andere ist. so steht die w irtschaftliche Lage der russischen und polnischen Judenheit zu ihr doch in krassem Gegensatz, trotz verschiedener organisatorischer Hilfsmaßnahmen. Mit der Feststellung, daß die soziologische Tendenz der Judenheit auf eine starke Berufsdifferenzierung hinauslutife. wenn auch heute noch große soziologische Unterschiede zwischen den Juden und ihrer Umwelt bestünden. schloß das sehr instruktive, mit lebhaften» Beifall aufgenommene Referat, für dessen Erstattung Adolf Kops dein Redner nochmals herzlich dankte. H.St. Stuttgart. Auf Veranlassung des Pforzheimer Jüd. Jugendbundes trafen sich die Jugendbünde P f o r z h e i in . R o t t w e i I und Stuttgart am Sonntag, den 12. April, in Calw, um eine gemeinsame Fahrt nach dem Zuvelstein-Teinudi und zurück nach Calw und Kloster Hirsau zu machen. Die Beteiligung an dieser Treffuhrt war recht gut. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dem Geist der Zusammengehörigkeit und nicht zuletzt den Anstrengungen des Alltages gerecht zu werden, so sind es diese Treff- und Wanderfahrten der jüdischen Jugendbiinde. Abgesehen von der gesunden, herrlichen Wanderung. wurde der Tug mit Diskussionen über allerlei Tugesfrugen. mit Fußball- und Handballspielen usvv. ausgefüllt. Es wurdeauch c’ler Vorschlag gemacht, bei derartigen Treffuhrten jeweils in einer I — I 'X.-stiindigen Arbeitsgemeinschaft ein vorher bestimmtes Thema zu behandeln. um dann die- Meinungen der verschiedenen Teilnehmer in einer Diskussion zu hören. Ziisummeiigefußt kann gesagt werden, daß der Tug ein voller Erfolg war. Allseits wurde der Wunsch geäußert, recht bald wieder so schöne und vergnügte- Stunden zusammen zu verbringen. S.W. Stuttgart, l and. med. dc-nt. Max Läufer sprach am U. April im Bc rt hold .\ uc-r ba ch- Verein über ..Ursachen und Ideeng e s ch i ch t e des A u t i s e in i t i s m u s‘\ Der Redner versuchte, den Judenhaß als sozialpsychologische Erscheinung - uufzuzeigen und seine Entstehung und Fortexistenz mittels gruppe »psychologischer Theorien zu erklären. Er zitierte in diesem Zusammenhang sehr geschickt Coudenhove. der in seinem bekannten Buche ..Das Wesen des Antisemitismus" den Nachweis führt, daß Antisemitismus kein natürlicher Rassc-instinkt. sondern eine meist in den Kiuderjuhreu erworbene- Antipathieist. und gub dann einen instruktiven Abriß der jüdischen Geschichte seit Esru unter gleichzeitiger Darstellung der jeweiligen antisemitischen Situation. So_ führte der Redner seine aufmerksamen Reifer durch alle* historischen Phasen des religiösen, ökonomischen und kulturellen Judenhasses lind deckte auch die tieferen Gründe und Zusammenhänge dieser antisemitischen Anfeindungen auf. Damit hatte Max Läufer mit dem Antisemitismus in allen seinen Erscheinungen. Wandlungen und V crflechtungen bekannt gemacht und die Grundlagen zu einer kurzen Debatte gegeben. In seinem Schlußwort suchte der Redner, dessen Ausführungen sehr beifällig aufgenommen wurden. dem Antisemitismus die Prognose zu stellen. Stuttgart. Wie verschieden der Nationalsozialisismus. seine- Führer, seine- Bedeutung und seine Zukunftsmüglichkeiten beurteilt werden, das ging aus einem Vortragsabend hervor, den der Bert h o I d A u e r b a ch - V e r c* i » am 21. April verunstaltete-. Alfred l.evy. hatte sich dem Verein mit einem Vortrug über den Nationalsozialismus" zur . Verfügung gestellt. Der Redner schilderte zuerst die Persönlichkeit Adolf Hitlers, seinen Werdegung und schließlich seine nationalen und sozialistischen Ziele. Er hielt sich dabei eng an Hitlers Selbstbiographie „Mein Kampf" und zeigtedann, wie das Programm der N.S.D.A.P. in der Hauptsache auf die Errichtung eines judenreinen Staates ab- - zielt, in fast allen entscheidenden Punkten aber — vör allem in den wirtschaftlichen Fragen — einer sachlichen Prüfung nicht standhält. Der sehr interessante Vortrag klang in einem Appell an die Anwesende-» aus, clurch charaktervollepersönliche Haltung und mutiges Bekenntnis zur eigenen Art erfolgreiche Abwehrarbeit zu leisten. In der anschließenden. Diskussion kamen die verschiedensten Richtungen zum Wort. Wer da- AMI BIM, üdlferau a.N. MALIRMIISTIR RiiliIHsntnRi 41 a / WerhelHa Kerletraae »a - 35 - lx-i war. durfte von sich sagen, daß er c-iht-n ebenso interessanten wie temperamentvollen Diskussionsabcnd erlebt hatte. Stuttgart. B e r t h o I d Auer h u ch - V e r e i n. In de r ersten Muihülftcveranstaltet der B V V. 'zwei interessante V n s s p r u ch e a b e n d e. Am 5. Mai wird Dr. Paul B o u e in einen Ausspracheabend über „D i e V u s w i r k ii n ge » d c-s j U d i s ch e n N u t i o n u I i s in ii s“ leiten, w ährend Rabbiner Dr. Tänzer- Göppingen am 12. Mai sich für einen Ausspracheabend über ..Jugend und Familie“ zur Verfügung gestellt hat. Audi auf die um 15. Mai stuttfinclende Freitugabend-Fei er (Leitung: Rabbiner Dr. Auerbach) machen wir besonders aufmerksam. — Der Verein kündigt weiter eine P f i n g s t w u n d e r ii n g nach dem Bode nsee au. Die Organisation derselben hat Sigbert W e r t h e i m c-r übernommen, au den auch die Anmeldungen zu richten sind. (Siehe- Inserat Seite 50.) Stuttgart. Der „V e r e i n zur F ö r d e r u n g des llu n d w e r k s u ii d d c* s Gurt e n h u u s unter den Israelit e n in VV ü r I t e in - b e r g“ hielt um 29. April seine- 52. Mitgliederversammlung ab. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt Stadtrabbiner Dr. Rieger einen Vortrug über „VV e r t ii n d VV ii r d i g u n g d e s H Ii ii el w e r k s in Bi b e I u n d Tal m u d“. Wir werden auf diese Veranstaltung nochmals in nächster Nummer ziirückkoinmeii. Stuttgart. Der von Dr. Kurl Lieblich vor einigen Monaten gegründete ..Bund für neues J ucl e n I ii in“ trat am 25. April zum erstenmal an die- Oeffentlichkc-it.. Der kleine- Saal des „Hauses des Deutschtums" war dicht besetzt, als Siegfried Kraut köpf die Verunstaltung erüffnete und zum Ausdruck brachte, daß dieselbe, genau wie dievon verschiedenen jüdischen Gemeinden des Rheinlands ins Leben gerufe nen Aufklürungsversummliiugcii. dem S i ch k e u - ii e n I e r n e n u n cl der Verständig u n g It pro- Vrbeit dem dienen solle. Er gab dann voll einigen miiienten Synijmthiecrklärungeu für die und Ziele des Bundes Kenntnis und ertei Redner des Abends das Wort. Dr. Karl I. i e b I i ch sprach über „VV u s dc-r Bund für ii cu cs J u cl e n t u in? rhetorisch wieder hervorragenden Ausführ stellten im wesentlichen eine Ziisummenft seiner ehemals im B V V. gehaltenen und schon kritisch gewürdigten Vortrüge dar dürfen c*s uns deshalb ersparen, auf das R nochmals im einzelnen einziigehen und heiner ken nur noch, daß im liuupttcil desselhe^i will Seine illlgfii SSUIIg hier Wir ferut eine ausführliche Begründung und Kommentierung der Buncles-Grundsätze versucht wurde. Auch diesmal hatten die orthodoxen und libe ralen Juden wiedie Centrul-V ereinler und Zionisten ihren ..schwarzen Tag“. Uraltes jüdische« Trnditionsgut. Weltanschauungen, die man siel nicht von heute auf morgen, sehr oft aber mite Verlust von Gut und Blut erwirbt, wurdc-i von Lieblich kühn über Bord geworfen. - Der Redner enttäuschte aber sein Publikum in höchstem Maße, als der Versammlungsleiter erklärte. man sei lediglich bereit, auf schriftlich ge stellte Fragen, nicht aber auf eine- Diskussion einzugehen. Einerseits hätten wir niemals geglaubt, daß Dr. Karl Lieblich ein so schlechter Psychologeist: andererseits muß es aber Als im höchsten Grade befremdend bezeichnet wyrdc-n. daß der „Bund für neues Judentum" sich clurch diese Stellungsnahine zu Methoden bekunn :e. die wir sonst nur unseren erbittertsten politische» Gegnern vorwerfen müssen. Die Entrüste ng in der Hörerschaft war denn auch so ullgemeii. daß wir den Bestrebungen des Bundes fürs erste nicht die beste Prognose stellen können. Immerhin scheint Dr. Lieblich seinegemachten Fehler insofern einztisehen. als er uns mitteilen läßt, daß demnächst ein Dis küss io usubeuld und ein Vortrag von Amtsrichter B e r n h u r cl |B a di über „Der russebewußte- Deutsche und der]Bund für neues Judentum" stattfinden werden. H. St. QteilAamn Ü 3876 SA JA SS“«?- 3ftk}&fthanrocLer SrR* 3NH-EUÖEN ZIEQLE« JUWELIER PlBliMntrJS Silber-Bestecke CTOTZ ▼ PlBliMntrJS Möbelfabrik Strienz &. 4»i«el Bauschioase rei / Eisenkonstruktion Saffraf«rAnt( Kassetten, Transporte, Reparaturen R «MS Speiseaufzüge w» IfflUe M Vollkomaiaae Corulwnit Hygienisch. Wasche, Unterkleidung / Morgenkjeider. Kleidsame Sportmoden Elegante Handschi EUGEN SCHWEIZER das Fadigeidilft für gute Uhr«n FlalaeratraS« lr.44 £ Telephea Ir. 1727 JUpina* SCHIRME iiimiiiJiiimMiiiimiiiiiiiiifiiiHiiiii JOHANNA GRESS Fabrikreste in Seide für kaiserstrasse sa ... , , _ „ .... . TELEFON NR. 1684 Kleider, Futter u. Wüsche MAX B RXUNLING KslRsratrsls 21« Tal. 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