Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 21 (1.2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
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- £62 - Zu unseren Bildern: l»iM I /riirt d«n (reiper Jehudi Menu hin, dajüdische Wunderkind .111- \merika. welches des kunstverständige Publikum der europäischen (•k’ob-tadt«* durch -eine unbegreiflichen Leistungen in Erstaunen gesetzt Hild II gibt anläßlich des Puriinfestes veranstaltete Reigentänze f '.i-tinm-i-eher Kinder wieder. — Auf Bild III stellt sich der Postbote d|*r jüdi-cb palästinensischen Kolonie Nahalal unseren l.esern \or. r. B. k. rv Das Judentum im „Dritten Reich". >. -tierische Berater der Nationalri. Gerhard I.. Binz. veröffentlicht im \ i- K ■•bachter" unter der Ueberschrift I:. - :! ii m i n <lc r n ii t io na I so / i u- . I! e di t s o r d n ti n g“ einen \uf- ’- ik -r die Jnclrngesetze des ..Dritten iivirrt. Kr sdiickt voraus. daß es eine ' i.!. ■■ i i"e für den Nationalsozialismus an 'ich;r _i!a. da in den Reihen der Nationalsozia- ■i ■ ' Gewißheit besteht über die Todes- •' ihr. die dem deutsdien Volke ..durch den Ein-! ile« i"estarken. alles überwuchernden, a tfr -ii.! n indischen \olkes droh|“. In den i, Jahren nach dem Weltkrieg1 wurden in i. ■ begreiflichen. aber von wenig Zielsidi ’lieii zeugenden Gefühlspolitik heraus Yorsch -ge laut, wie etwa jener von der gewaltsam'-. Verfrachtung aller Juden nach Palästina und 'mliihV gutgemeinte Phantastereien. Der N. -d'o/ialist hat 'ich längst daran gewöhnt, nach klureil Erkenntnissen /u suchen, um praktirdie Wege zur bestmöglichen I.ösung der Sonderfige zif bilden. \ ii'gang4|>imkt für jede nationalsozialistische Erörterung! des jüdischen komplexes, doziert Minz. i't /älter 4 des Parteiprogramms, wonach kein Judd Volksgenosse sein kann“. Die einw ndfrei, K liarakterisierung eines Menschen als J!• ' i't nach kurzer Prüfung möglich. Schwieriger erscheint die Bestimmung dort, wo jüdische Nolk'.-rt ln nichtjüdische Volkseleniente eing<-broihen i't und zu einer gewissen Yertarnnng d< - jiidi'then Rassebesandteils geführt hat. Hier müssen hrliebungen. etwa in der Form eines \nfgebotsverfahrens. der Prüfling der beideritigen Litern und GroReltern. ungestellt werden. Weiter zurückliegende Vermischungen uiüs-en dem natürlichen Aufsaugungsprozeß liberlassen bleiben in der’ Hoffnung, daß eben 'i<n fruher her vorhandenejüdische Restbestandteile allmählich absorbiert werden. Jeder, bei dem Mische Blutsbestandteile festzustellen sind, kann nicht \ olksgenosse sein. Zunächst muß dem w -itc-ren Einbruch des Judentums in den deutschen \ olkskürpor ein sofortiges Halt geboten werden. Mi enger Strafschutz gegen Rassenverinischiing. V c rlnst der staatsbürgerlichen Rechte auch für den beteiligten Volksgenossen werden ihre Wirkung tun. Der Einfluß des Judentums in der innere n und äuHeren Politik, in der Wirtschaft. im Kulturleben, in der Presse- und im Lehrkörper ist als tödlich erkannt lind fordert eine planmäßige Ausschaltung. Hier darf auch auf rückwirkende Maßnahmen nicht verzichtet werden. Die Gesamtheit aller festgestellt jüdischen Persönlichkeiten unterliegt als artfremder '■ olksteil den für völkische Minderheiten angemessenen .Sonderbestimmungen. Das F.ndziel ist gegeben im Programm der N.S.D.A.P.: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Wer nicht Staatsbürger ist. soll als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fretndenge setzgebung stehen.“ \ orzii'chlagen ist eine grundsätzliche Finte dmig aller Reichsangehörigen in deutsche Volksgenossen und in Reichsinsassen. Jeder Reichsallgehörige, ob Deutscher oder Jude, ist nach außen hin der Gewalt und dem Schutz des Reiches unterstellt, während im Innenvcrhältnis eine sichtbare Abstufung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Position Platz greift. Die Gleichstellung nach außen wird geeignet sein, den hauptsächlichsen Vorwand für mögliche Repressalien seitens der Weitjudenheit wenigstens formell auszuschalten. Die Erhebung des Juden zum Reichsinsassen hätte zunächst eine Besdiränkungder rein staatsbürgerlichen Rechte zur Folge. Insbesondere also das aktive und passive Wahlrecht zu den politischen Körperschaften würde in Wegfall kommen. An den allgemeinen Wohlfalirtseinrichtungeii würde die jüdische Minderheit teil nehmen, insoweit dies ohne Beeinträchtigung deutscher Volksgenossen möglich ist. Wehrdienste kämen für Reichsinsassen nicht in Frage, in der Kriegszeit könnten sie zum Arbeitsdienst ohne Waffe herangezogen werden. Von Fall zu Fall müßten durch einfaches Reichsgesetz für bestimmte Kategorien von Reichsinsassen, also auch für die Juden, die Freizügigkeit. die Gewerbefreiheit, die Vereins- und Versammlungsfreiheit, das Recht zum Bestich von nicht aus eigenen Mitteln unterhaltenen Schulen oder zur Herausgabe, Leitung oder Herstellung von periodischen, in deutscher Sprache vervielfältigten Zeitschriften, ebenso das Recht ziim Erwerb von Grundstücken, bestimmten Einschränkungen unterworfen werden. Aus xtecVlelt des Judentums. Rathenau und Friedrich Ebert. Anläßlich des 60. Geburtstages des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert am 4 Februar weist die Presse auf die folgende Erinnerung aus dem Werke ..Friedrich Ebert und seine Zeit“ hin: Der Reichspräsident war in Begleitung seines Freundes Karl Hildenbrand in Freudenstadt. Auf einem Spaziergang im Wald kam der Wachtmeister der Geheimpolizei und übergab ein Telegramm: Walther Rathenau war auf der fahrt nach seinem Ministerium ermordet worden. Fliert sprach kein Wort, steckte das Telegramm ein und trat den Rückweg nach dem Gasthof an. Ablenkungsversuche durch Gespräche blieben erfolglos. Ebert sprach kein Wort. Er aß kaum und ging dann auf sein Zimmer, um allein zu arbeiten. Bei dem kurzen Abendessen wieder keine Silbe. Die Zone des Schweigens wurde den Freunden unheimlich. Leber welche stoische Kraft muß ein Mensch verfügen. um solch einen Sturm im Innern zu bändigen! Denn, daß Ebert es als einen der wenigen Mißerfolge seiner Regiernngszeit ansah. daß Männer wie Erzberger und Rathenau überhaupt ermordet werden konnten, darüber ist kein Zweifel. Aber der _ bezwungene Sturm blieb nicht ohne Folgen. Um zwölf Uhr nachts läutete der Reichspräsident. Er lag in schweren Gallenkrämpfen. De r Arzt wurdegerufen. Am anderen Morgen befahl der Reichspräsident, schwer krank, den Aufbruch nach Berlin. Der Arzt riet dringend ab. Er gestattete die Reise schließlich nur unter ' ärztlicher Ueberwachung. Unter Schmerzen, die nur notdürftig betäubt wurden, fuhr Ebert nach Berlin und hielt Walther Rathenau vor dein aufgebahrten Sarg im Reichstag dir Gedächtnisrede. Sic ist aus zweitägigem Schweigen geboren. Die Wiener jüdische Bevölkerung int Jahre 1930. Aus den vom Matrikelamte der Israel. Kultusgemeinde Wien vorgelegten statistischen Ausweisen über die- Bevölkerungsbewegung im ilahre 1950 ergeben sich die folgenden Ziffern »zw. Gegenüberstellungen: 1920 1929 1930 1. Sterbefülle! 2886 2709 2597 2. Geburten: 2744 1344 1214 5. Trauungen: 2955 1246 1244 4. Austritte: 1271 893 742 5. Eintritte bzw. Rücktritte: 576 305 286 Zu I. Von den 2597 Sterbefällen des Jahres 1930 entfallen 54 auf Totgeburten, 1356 auf männliche und 1187 auf weibliche Personen. Zu 2. Die Zahl der männlichen und weiblichen Geborenen war im Jahre 1930 gleich hoch (607). Zu 5. Gegenüber den 1244 Trauungen, die im Jahre 1950 im Wirkungsbereiche der Israel, Kultusgemeinde Wien vorgenommen wurden, verzeichnet die Statistik 524 in diesem Jahre vor dem Rabbinate vollzogene rituelle Ehetrennungen. Von diesen sind 117 im sechsten bis zehnten Jahre der Ehe erfolgt, zwei nach mehr als 40jähriger Ehe. Zu 4. Von den 742 im Jahre 1930 Ausgetretenen waren 369 männlichen und 373 weiblichen Geschlechtes, 449 waren ledigen Standes. Die Höchstzahl der Austritte verzeichnet die Altersgruppe zwischen dem 30. und 40. Lebensjahre mit 202. Zu 5. Unter den 286 im Jahre 1930 ins Judentum eingetretenen Personen haben 127 bereits früher dem Judentum angehört, sind also rückgetreten. Von den Eingetretenen waren 94 männlichen und 192 weiblichen Geschlechtes. Hohe Auszeichnung eines jüdischen Ethnologen. Dem berühmten Chirurgen und Professor der Ethnologie an der Londoner Universität Charles Gabriel Sei i g m a n n wurde die Annandale-Erinnerungsmedaille für anthropologische Forschungen in Asien verliehen. Professor Seligmann steht im 58. Lebensjahr. Er war früher Präsident der Königlichen Gesellschaft für Anthropologie und hat an mehreren anthropologischen Expeditionen in Asien und Afrika teilgenoininen. _ Auch im jüdischen Leben Englands spielt Prof. Seligmann einehervorragende Rolle. Unter anderem ist er Vizepräsident der jüdischen Gesellschaft für Gesundheitswesen in Großbritannien. . (Fortsetzung Seite 200). BiOXr ULTRA -ZAHNPAS TA äle richtig«, eie macht dl« ZAbaa blsndesd weit «. beseitigt Mmdgarvch, spritzt eicht. Ist hochkonzentriert, daher se sparsam. Klataa Tab« SO Ffg. Max Elb A.-0 Dreadee für Sie