Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 18 (16.12.1930)
- Date
- 1930-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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218 Bankcommandile Siegmund Weil tfintftir* »UUIt. I» ■ ff.Mul / TeL M344/4S HECHINGEN z TÜBINGEN / SIGMARINGEN inu. ansL Wertpapiere /Einlagen zu cfinst Zinssätzen / Industrie-Kredite z Hypotheken immerhin deutlich unterscheidet. und dal? seine einzige Rettung in dieser Xi elt darin Ix steht den Unterschied öffentlich anzuerkennen." ..Mit anderen Worten: Weit starker als irgend!n anderer Einfluß unserer /eit dient der Antisemitismus ila/n. in da« Iler/ feines jeden Juden ■Ti» aktiv,- Bew nlitsein seines Judentums und die l.tehe /n seinen jüdischen Brüdern einzugraben." .. \ ntisemitismns wird es geben. solange die Juden Juden bleiben. denn die l rsuchen dieses \ntisemitismns können nie Iveseitigt werden. Dir Juden werden stet' anders sein als ihre Imneit sjc werden stets an der Spit/e menschinher lütigkeit niarsthieren. und sie werden stets in der Minderheit sein. Es ist daher un- '■ imeidlnh. dal? man sj<- stets hassen wird." ..Dabei i't der \ntisemitismns eine solch bc- - > m, Xngelegenlieit’ I s ist so einfacli. un- L.iedit* l nteisdieidnn^en /n machen. wenn I iitei s(heidunj.n n ilherhaupt notwendig sind. ein Beispiel: Wenn eine Iniversitat iibeii itii i~t. ist es ilann nicht Bequem, .die Juden ■ :.sihliidhm y Warum also 'olltc’die menschi >h ( •ese||s(h.ifr etwa» so Bequeme» alischaffen' Besonders, wenn es von ihrem Standpunkt aus einen plausiblen Grund für solche Unterscheidungen gibt?“ ..Eines Tages wird es vielleicht eine Rasse von Uebermenschen auf der Welt geben, denen Neid. Haß. Bosheit und Verachtung etwas Fremdes ist. Bis alter diese Zeit kommt, ist der Jude den Stacheln und Pfeilen des Antisemitismus ausgesetzt.“' ..Die Antisemiten hoffen, uns durch ihren Haß und; ihre Verachtung zu vernichten. In Wirklichkeit aber erreichen sie. daß wir gedeihen, denn nie sind wir Juden uns unseres Judentums mehr liewußt. als wenn wir sehen, daß man uns haßt." ' Soweit Schnitzler. Gewiß, es wäre verfehlt, nun jüdischen Aktivismus als Reflexbewegung auf den Antisemitismus auf/itfassen. Er ist es nicht — oder nur zum kleinen Teil. Aber hören wir endlich damit auf. ..die andern“ davon überzeugen zu wollen, daß wir im Grunde doch ganz nette Leute sind, sondern leben wir unser [.eben, unser jüdisches Leben so. wie wir es vor uns. unserer Lehre, unserer Tradition — und unserer Umwelt verantworten können, und seien wir überzeugt, daß wir uns und der Menschheit keinen größeren Dienst erweisen, als wenn wir unseren Platz da ausfüllen, wo er uns gewiesen ist als bewußte Juden. sen abzuhelfen. Sie bestehen darin. daS entweder die gnädigste Herrschaft die Gnade für uns hat, die weiter nötigen Wohnungen erbauen zu lassen, uns aber bedingen, einen den Aufwand entschädigenden Hauszins zu zahlen, oder aber, daß uns gnädigst gestattet wird, auf unsere Kosten Wohnungen erbauen zu dürfen, oder daß wir wenigstens die gnädigste Erlaubnis erhalten, uns bei anderen von Höchstdero Untertanen in Hausmiete begeben zu dürfen. Zu der Erwählung eines oder des anderen Mittels zu unserer Rettung spricht das von uns geschilderte Elend hinlänglich das Wort, und sollte eines oder das andre Hindernis noch eintreten, dessen Wegräumung in gegenwärtiger Vorstellung nicht enthalten ist, so lassen wir uns jede nur zu ertragende Bedingung gefallen, bei der wir wenigstens imstande sind, auf Gottes lieber Erde wie andere Menschen frei athmen und so unseres Lebens uns freuen zu können. Der zweite Punkt unserer untertänigsten Vorstellung geht dahin, daß der uns erteilte Schutz auch auf unsere Kinder dergestalt wirksam sein möge, daß wir dieselben bei erlangten .volljährigen Alter untereinander verheiraten dürften. So hart es uns ist. mit unserer ganzen Familie in ein paar Gemächer eingepropft zu sein, ebenso drückend und niederschlagend ist der Gedanke, auch nicht die geringste Hoffnung zu haben, dieser Familie loszuwerden. Daß die Erschwerung der Heiraten den nachteiligen Einfluß auf die Sittlichkeit habe, ist in der Erfahrung zu sehr gegründet, als daß wir solches zu entwickeln erst nötig haben. Wie glücklich würde uns die Erlaubnis machen, daß sich unsere Kinder. sofern keine Abhaltungsgründe dagegen wären, als untereinander und so auch die Wittfrauen ungehindert verheiraten dürfen. Einmal haben wir gezeigt, daß die Judenschaft in Dettensee weder gnädigster Herrschaft noch den übrigen Bürgern zum Nachteil sei, wie könnte dies durch die Ausbreitung derselben geschehen! Wo 25 Familien darum bestehen können, wo sie von auswärtigen Gewerbe leben, da können unter den nämlichen Verhältnissen auch 50 leben. Man wende nicht ein, daß die kleinen Familien wieder größer werden und sich so stärker multiplizieren, denn würde man nach diesem System bei Bevölkerungsberechnungen verfahren. so hätte man längstnicht nur die Juden, sondern die halbe Christenheit von den Traualtären zurückweisen müssen. Die Welt steht viele tausend Jahre, und immer hat die Menschheit auf ihr Platz. Diesen Platz wird sie in künftigen Jahrtausenden ebenso bequem noch finden, und immer wird gewiß in jedem Ort. in jedem Lande die Judenschaft mit der Christenheit im gleichen Verhältnis stehen. Was dem noch die allbekannte Großmut und Menschenliebe Ew. Hochw. Gnaden uns nicht versagen werden, dies wagen wir nun in aller Untertänigkeit zu bitten: daß nämlich sämtlich unsern Kindern und Wittfrauen unter den nötigen Bestimmungen das Heiraten gnädigst gestattet zu werden. Endlich möchten wir nicht umhip. auch dies noch anzuführen, daß es uns äußerst hart fällt, bei der Erlangung unseres Schutzes so ganz nicht auch nur für den kommenden Tag gesichert zu sein: indem unseren Schutzbriefen, und zwar erst in neuerer Zeit, die Klausel einverleibt. daß der einmal erteilte Schutz mit und ohne Ursache entzogen werden könne. Wir sind zwar von der erhabenen Gesinnungen Ew. Hochwürden Gnaden zu sehr überzeugt, als daß wir das Letzte befürchten sollten, doch können wir in tiefster Untertänigkeit den Wunsch nicht unterdrücken, daß um der Folgezeit willen, daß für das Vergangene und für die Zukunft gedachte Klausel, die bisher wahrscheinlich nur als Formel angesehen wurde, hochgeneigtest erlassen Jüdisches Wohnungselend vor ISO Jahren. Von Gustav Spier. Haigerloch. \L'-s i»t »chi.li einmal dagevve*eii". »agt Ben Akib in Gutzkows ..l'riel \rosta". und vor ihm ■ 1 i— König Salomo gesagt. 1 in:- der schwersten soziale» Nöte unserer 1 c-e «t die Wohnungsnot. Hunderttausend«- -■liiert vergebens ausreichende Wohnungen: : ■ uniL-iIt.iii'ende »ind in unzulängliche Be . oi'ungen einge/wangt. Aehnliche Not halx-n ■her die S ih u r / j u d e n gewisser Gegenden gleicher oder »chvvererer Weise schon vor! n hunderten erlebt, als ihr Wohnrecht auf ein : ,e» Ghetto oder auf wenige ..herrschaftliche" i,-ei beschränkt war. I in anschauliche» Bild solchen Wohnungselend'! i. t. . uns die \kten der jüdischen Gemeinde!>■ ' ' n » e c. Die dortigen Schut/juden waren _■ -vi n.-i-a n. in drei der Herrschaft gehörigen!isi-ni /e wohnen. Schon I7f>4 hatten »je auf . .! Mangel an Nebengela—eil hingevv iesen. tTHI p. :~;>nli<h an ihren Sihut/herrn. den Fiirsttu roldu» /u Muri, gewandt. Sie mußten ihre iie i-,!l und 170» wiederholen. Die ganze ' ■(?<• lue» W olinungseleuds und andrer Notel T udiesen Bittschriften hervor. Die Ein- , ■, ui |-')s hat folgenden Wortlaut: Dem llochvc iirdigon Fürsten und Herrn. Hei in Geroldu». Fürsten zu Muri pp. 1L <hu iirdiger Beich'fiirst! Gnädigster Fürst und Herr’ I ». i i 'iiifuisil. Gnaden wollen »ich gnä- ■;ig'st zu erinnern geruhen, daß unsere Juden schafl in drei llerr'chaftsgebäuden zu»anilen/ulelien angewiesen ist. So wie dies nun hu ehemalige./eiten un» ausreichend war. so i»l die» jei/t für nun Ix'stehenden 25 starke I atnilien kaum möglich: denn nun reicht bei’ mehreren Familien der Platz kaum zur Lagers statt für die Nacht hin. Wir wollen nicht davon reden, wie traurig es ist. wenn eine große Haushaltung in zwei kleinen Gemächern (mehr hat keines von uns) ihr Leben das ganze Jahr hindurch zubringen soll. Wir schweigen davon, welchen Nachteil diese Lebensweise für die Gesundheit haben muß und führen nur dies an. daß in kleinen Wohnungen bereits zwei Familien eingepropft sind, daß in all unsern Wohnungen Vater. Mutter. Kinder und Gesinde meist auf einem Haufen schlafen, daß diese durch die Notwendigkeit gedrungen sind, alle Sittlichkeit zu vergessen und sich ohne Unterschied des Geschlechts vor- oder nebeneinander anzukleiden. Treffen solche Gemächer dann noch Krankheiten oder Wochenbetten so ist das Elend noch größer und gewiß oft namenlos. Könnte der edle Menschenfreund, der das Elend seiner Brüder aufsucht. um es zu erleichtern, in einem solchen Zustand öfters in unseren Wohnungen sein, gewiß, das Mitleiden würde ihm Tränen lösen, wenn er sehen müßte, daß viele von uns eingekerkerte Menschen, die um ihrer Verbrechen willen in Gefängnissen schmachten. um ihren Zustand zu beneiden haben. Sollten Ew. Hochfürstl. Gnaden an der Wahrheit, dieser Erzählung zweifeln, so lassen Sich Ilöchstdieselben durch gnädigste Anordnung eines Augenscheins huldreichst zu dem Elend der leidenden Menschheit herab, und Ew. Hochfürstl. Gnaden werden Gewißheit erhalten. daß unser Zustand so traurig ist. als er weit und breit nicht angetroffen wird. So groß dies Elend ist. so leicht sind Mittel, die- Dr. Theodor Schmitt, siniukas Tel 22316 - Stuttgart - Alleenstr. 22 Büro für Stenerberatnng Biiuz-usdifsse Sanierungen Vergleiche Füllhalter? nur im SpezialgesehAft Walter Haarmann Königstraße 40 s A. Krauß-Hettenbach UHREN-SPEZIALHAUS und Reparatur- Werkrtdttt STUTTGART - EBERHARDSTR. 63 Ausführung simtllehar Glaseru. Schreinerarbeiten niofeM *. 5Mi5 / man: Mataoo H Setirt iu (Kagraiß) Eingang Matzgaratffla (natoan LAwonbrfufcaJIer) Ihren Bedarf In Photo* Radio* ■ad Schallplatte« decken Sie am besten Im Spezialhaus a%Xwlaa«a / Stuttgart Wllhalas IrOl lila f MMttrstr.32 Das Haus der guten Bedienung und Beratung. 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