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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-10-01 · 13 (1.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
13 (1.10.1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
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hincingczogen. Der Wohlstand der arabischen Bevölkerung stieg; durch die Bodcnkäufc, durch den Wirtschaftsaustausch flössen ihr bedeutende Beträge des jüdischen Kapitalimports zu. Arabische Dörfer, die sich in der Nachbarschaft der jüdischen Kolonien befinden, lernten bei diesen moderne Methoden der Landwirtschaft kennen, und schon den Augen des oberflächlichen Betrachters zeigt sich der Unterschied zwischen den von Juden besiedelten Landstrichen und den in diesen Bezirken befindlichen arabischen Siedlungen gegenüber den abseits des jüdischen Kolonisationsgebiets liegenden, in ihren primitiven Wirt Schaftsverhältnissen verbliebenen arabischen Dörfern. Das Bild der gesamten Landeswirtschaft veränderte sich, die Bevölkerung wurde dichter, die Produktion stieg, neue Wirtschafts- und Gewerbezweige wurden eingeführt, das Sanitätswesen verbessert, die Einfuhr- und Ausfuhrziffern haben sich wesentlich geändert. Der Strukturwandel der Palästinawirtschaft spiegelt sich auch im Regierungsbudget wider. Die Steuer- und Zolleinnahmen stiegen, grolle öffentliche Arbeiten konnten durchgeführt, eine Staatsanleihe konnte auf genommen werden, ja. das Regierungsbudget hat im Laufe der Jahre wesentliche Leberschüsse erbracht, die im Interesse des Landes angelegt werden konnten. Die August-U nruhen des Jahres 1929 haben zunächst zu einer Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen von Juden und Arabern in manche» Teilen des Landes geführt. Ks ist jedoch unmöglich, die enge» wirtschaftliche*» Bindungen, die* zw ischen den Einwohnern eines Territoriums von dein Umfange des heutigen Palästina bestehen, in der Tat zu löse». Sc» mußte der Boykott, der von arabischen Kaufleuten gegen den Handel mit jüdischen Produkten organisiert worden war. im Eriihjahr zusainnienbrechen. Es hat sich gezeigt, daß die Unruhen ein politischer Zwischenfall waren, dessen weitere Wirkungen wohl für die Gestaltung der politischen Verhältnisse in Palästina von besonderer Bedeutung sind, der aber die* Wirtschaftsentwicklung des Landes nicht stören konnte*. Die Monate nach den Unruhen waren Monate zunehmender jüdischer Immigration. Die Anlage neuer Pflanzungen, die schon cor den Unruhen eingesetzt hatte, konnte fortgesetzt werden, die Nachfrage nach Arbeitern stieg, die Marktverhältnisse im Innern blieben stabil, die Auslandsmärkte konnten der Ausfuhr palästinensischer Produkte weiter geöffnet werden. Das Wirtschaftsleben des Landes ist gefestigt. Im Nachstehenden soll an Hand einiger Ziffern die wirtschaftliche Entwicklung aufgezeigt werden. die das Land in den letzten zehn Jahren unter dem Einfluß der jüdischen Einwanderung durch gemacht hat . Im Juli 1919 wurde die Bevölkerung Palästinas geschätzt auf 590 000, davon 57 000 Juden (9.67%) und 55Z OOO Nichtjuflen (rund 500 000 Araber). Im Juli 1929 betrug die Bevölkerung des Landes 955 200, davon 168 200 Juden (18.1 %) und 765 000 Nichtjuden (720 000 Araber). Die jüdische Bevölkerung hat sich demnach durch den Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung (75 595) und den Geburtenüberschuß (25 757) in diesen zehn Jahren um 97 550, also um 170% vermehrt, und die gesamte Bevölkerung Palästinas hat sich beinahe verdoppelt. * Die erste Folge dieser jüdischen Einwanderung waren erhebliche Bodcntrunsaktioucn. Große Flächen unbebauten Landes wurden von Großgrundbesitzern verkauft; sie bildeten die Grundlage des jüdischen Kolonisationswerkes. Auch die Bauernbevölkerung gab gewisse* überschüssige Bodenflächen ab; sie erhielt so zum erstenmal größere Geldmittel zur eigenen Ver- Cxuuistdtt Die kluge Hausfrau reinigt ihre Familienu. Farbwäacbe in der ktiuuL WAxfecrd BROSS BMBfr.42.TCI.SlM2 Augengläser ihI jefir Iran. VntMai teroh SH2lil-Ia|M-0pninr Ernst Jordan Cannstatt, Karlstr.20a Elgeae Fabrikat! aa 147 - füguug und konnte diese dazu verwenden, um sich von der drückenden Schuldenlast gegenüber den großen arabischen Grundeigentümern zu befreien und um die eigenen Wirtschaftsbetriebe zu modernisieren und zu intensivieren. Insgesamt befinden sich in jüdischen Händen etwa I 200 000 Dunam (— 120 000 Hektar) von der rund 20 000 000 Dunam (— 2 000 000 Hektar) betragenden nutzbaren Bodenfläche Palästinas. Die kultivierte Bodenfläche hat sich in diesen zehn Jahren von 5 400 000 Dunam (=540 000 Hektar) auf mehr als 7 000 000‘Dunam (= 700 000 Hektar) erhöht. Die Anbaufläche für O r a n g e n p f ha n - Zungen allein hat sich von 52 00« DunhWauf 125 000 Dunum und die für Tafeltraubpfi von 20 000 Dunum auf 50 000 Dunum erhöht Etwa hundert neue S i e d I u n g s p u u kcJTP wurden angelegt: die* jüdische Bevölkerung auf den, Lande beträgt 50 00«. Die Bevölkerung der Stadt Te I - A w i w . die in, Jahre 1919 5txx> zählte*, beträgt heute 40 000. und um die Städte Jerusalem. Haifa und Tiberius ist ein Kran/ moderner jüdischer Vorstädte entstanden. Bemerkenswert ist der i n d u s t ji e I I e Aufschwung, den das Land infolge der jüdischen Einwanderung genommen hat. \on den 5505 industriellen Betrieben, die die Industrie-Zahlung der Regierung in, Jultre 1928 verzeichnet, sind 2969 in diesen zehn Jahren errichtet worden. Das in der Industrie investierte Kapital beläuft sich auf 5 500«00 PfcL Sterling: hiervon kommen 2000(XX) Phi. Sterling auf die jüdischen Unternehmungen. Die Einwanderung der Juden und dieschnelle Entwicklung der Städte führtezu einem nie gekannten Aufschwung der Baubewegnug in, Lande. Allein im Laufe der letzten vier Jahre sind nahezu 5(XXI000 Pfel. Sterling /in Bauten (Wohnhäusern, gewerblichen Gebäuden! Hotel», gemeinnützigen Institutionen iisw.) angelegt worden. Die Hauptsumme der Gelder wurdein den Städten mit starker jüdischer Baabe«ugung investiert. Es entfielen nämlich auf: Tel-Awiw . . . 2 218 000 Pfd. Sterling Jerusalem ... I 556 000 Pfd. Sterling Jaffa. 480 000 Pfd. Sterling Haifa. 412 (XX) Pfd. Sterling Andere Städte . 470 000 Pfd. Sterling Gerade Baubewegung und Stadtanlagen zeigen deutlich, wie sich das allgemeine Lebensniveau gehoben hut: Kanalisation und Straßenbeleuchtung wurdet, eingeführt, moderne Häuser mit hygienischen Einrichtungen errichtet. Trotz der starken eigenen Baubewegung zahlen Juden noch heute jährlich etwa 200 000 Pfund Mietsgelder an arabische* Hausbesitzer. War schon in den vergangenen Jahren die Anlage der Ruthenbergschen Kraftstation in Tel- Awiw. Haifa und Tiberias eine der wesentlichsten Voraussetzungen für den bisherigen Auf- Prof. Simon Dubnow, der große (jüdische Historiker, wurde 70 Jahre alt. mm schwung dieser Steifte, so ist für die industrielle Entwicklung im besonderen, aber auch-für die gesamte übrige W irtschaft des Landes zukünftig die Arbeit des Joijdunkruftwerks der Ruthenbergschen PulestineJEIec tric-C orporation von ausschlaggebender Recleiitung. Die \ eruc-ndung des 50 Meter hohen Jordangefälles unweit des Austritts des Jordans aus dein Tiberiassc-e und der durch cleii Zusammenfluß von JaVmtik und Jordan gesammelten Wassern,enge befähigen das Elektrizitätswerk zunächst 40 (XX) PS zu liefern. Dieses Werk wird über d|e Grenze des heutige» Pulä- 'tinas hinaus diel Wirtschuftsentwicklung beschleunigen: bereits heute* hut das Ruthenberg- Unternehmen eine jvou/ession in Transjordanieu. I)ic- Gründung des ( nternehmens. das heute über ein Gesellschaftskapital von 650(XX) Pfd. Sterling urch die initiatorischc* Beteilajessotl mit der Summe von verfügt, geschah c ligung des Keren l(X)(XX) l’ftl. Sterlii Mau hat das mögen Summe /wischen schätzt, wobei al •alü'ti musische Nationale er- »c-i Beend gong des Krieges auf eine und to Millionen Pfund gcrtlings zu berücksichtigen ist. aß dieses \ermiigc-n /um größten Teil aus Böden, die noch ni<ht zur Hälfte kultiv iert waren. bestand. Diese /i halten, um zu he für die Wirtschuft Ter muß man sich vor Augen rreifen. welche Bedeutung es des Uandes haben mußte*, daß die Juden in denjzehn .Nachkriegsjahren Kapi- Caiuistaü ww Photo -Apparate Phoiohtus SUfJk*louAo*%€fc. Kinigstr. 40. OTTO STAHL - CANNSTATT vormals WILHELM KRAUSS Telephoa Nr. 524 54 - Sdunldener Straße 50 Flasdinerei, Gasu. Wasserleitung« geschält Sanitäre Anlagen Ausführung sämtlicher Flaschnerp. 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