Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4904101-5441863-5443151--2748-4906707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

^Wer&eim Sport und wer 6eimftfandem Kaiser-Borax-Puder wäfift, Brauefit nurdiesen-feeinen ändern, Veil ihn nie mehr Wundsefn quält. lichkeit. alle diese jetzt teils brachliegenden, teils -.ich verzettelnden Kräfte zweckmäßig und nutzhringend sich entfalten zu lassen. Die ersten Ansätze zum genossenschaftlichen Zusammenschluß >ind ja auch bereits in Deutschland vorhanden. Sie haben ihren Niederschlag in den beiden Berliner Genossenschaftsbanken gefunden. Aber erst dann, wenn der Gedanke der •Selbsthilfe Allgemeingut geworden ist. wenn jeder Jude sein Geld, das heute in jüdischem Sinne brachliegt, den Genossenschaftsbanken zur Verfügung stellt, erst dann wird es möglich sein, in großem Muße und vorausblickend produktive Wirtschaftshilfe in dem Umfang zu leisten, wie sie in der heutigen Notlage erforderlich ist. \ ergossen wir nicht, daß die Kreise, die heute dazu beitragen, den großen Finanzinstituten die Kassen zu füllen, keinerlei Aussicht haben, dort jemals wirtschaftliche Unterstützung und Förderung durch Krediteinräumung zu erhalten. 1 >enken wir daran, daß der wirtschaftliche Antisemitismus seine beste Bekämpfung darin findet. Ein Rechtsstreit mit Gott. Der Kaiser hatte eine grausame Verordnung erlassen, welche die Juden seines Landes völlig entrechtete. Rabbi Flimelech von Lisensk betete für die Fntrechteten: sein Beten ward nicht erhört. W, inend saß er nachts vor den heiligen Büchern. Da stürmte ein Fremder-in das Zimmer des Rabbi: ..Herr, ich habe einen Rechtsstreit mit Gott." Der Rabbi blickte von den Büchern auf und sprach: ..In der Nacht wird kein Gericht gehalten, komme am Morgen wieder!" Am Morgen saß der Rabbi mit den beiden Richtern zu Gericht. Der Fremde trat ein und sprach zu den Richtern: ..Wie kann Gott solches Unrecht dulden? Fr hat doch in der Thora gesagt: Nur meine Knechte sind die Kinder Israels!" Der Rabbi antwortete: ..Die Antwort Gottes auf deine Anklage steht in der Fluch rede unseres Lehrers Mo'f. Aber nach heiliger Vorschrift will ich das Recht hier sprechen. Verlasse das Zimmer der Richter, damit die Richter das Ansehen der Person nicht achten. .Dich aber. Herr der Welt, können wir nicht hinausschicken, denn Deine Herrlichkeit erfüllt die Welt.“ Dann saßen die drei Richter schweigend beieinander. Schließlich riefen sie den Fremden herein und verkündeten ihm das Urteil: ..Das Recht ist bei dir.“ In derselben Stunde unterschrieb der Kaiser das Dekiet. das die harten Bestimmungen gegen die Juden von jetzt an aufgehoben sein sollten. Das seltsame Sabbathlied. Fine irrend»- Seele kam um Mitternacht in die Kammer de- Israel von Kosnitz und klagte: .Erbarme dich meine r, cleim. i<h bin heimatlos. Nur du kannst mich erlösen. Da fragte ihn der NJpggid: ..Was bist du Im Leben gewesen und warum kommst du gerade zu mir?“ Da sprach die irrende Seele: „Ich war ein Dorfmusikant. - 132 - daß wir uns wirtschaftlich solidarisch erklären und daß wir uns die Finanzinstrumente schaffen, die unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit gewährleisten. . Der Aufgabenkreis der j ü d i s ch e n Genossenschaftsbanken ist groß und kann das gesamte jüdische Wirtschaftsleben entscheidend beeinflussen. Von ihnen können Kredite an diejenigen Kreise gewährt werden, deren Unternehmen gesund sind, deren Substanz aber nicht ausreichend ist, um sich ohne Kredithilfe zu erhalten. Von ihnen kann die Entstehung von Einkaufs- und Produktivgenossenschaften gefordert werden in solchen Erwerbszweigen, bei denen die Voraussetzungen hierfür günstig sind, sie können die zur Berufsumschichtung erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, so wie sie dazu beitragen können, jüdische Landwirte anzusiedeln und jüdische Techniker auszubilden, sie können dem Akademiker die Mittel zum Aufbau seiner Praxis geben, kurzum auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens befruchtend, stützend und fördernd eingreifen. Ihr ganzer Gedankenkreis richtet sich darauf, wirtschaftlich produktive Arbeit zu fördern und zu leisten. Wer. wie der Verfasser, täglich und stündlich Gelegenheit hat. zu erfahren, wie leicht es wäre, produktiv helfend einzugreifen und Existenzen zu retten, und wie bitter es ist. aus Mangel an den notwendigen Mitteln nicht helfen zu können, kann nur hoffen, daß diese Zeilen ein Anstoß zu einer allgemeinen Bewegung sein werden, deren Ziel die Zusammenfassung der im jüdischen Mittelstand vorhandenen materiellen Kräfte in den jüdischen Genossenschaftsbanken ist, wo sie in organischer, produktiver Arbeit im jüdischen Interesse Verwendung finden werden. Ich habe einst auf des Rabbi Hochzeit gespielt, und ihr lobtet midi und wolltet mehr von meiner Kunst hören.“ „Kennst du noch das Lied, das du damals spieltest, als man mich unter den Trauhimmel führte?“ fragte der Rabbi. Da sang die Seele die Melodie, und der Maggid ward noch einmal jung beim Klange des alten Liedes und er lächelte in der Glückseligkeit des Erinnerns. Und da die Stimme verstummt, sprach der Rabbi: „Am Sabbath soll dir Erlösung werden!“ Am Freitagabend stand der Rabbi vor Gott. Er sang das Lied Lccho daudi in der Melodie, die ihn die irrende Seele gelehrt. Und da er sie lächelnd sang in der Glückseligkeit des Erinnerns. fühlte er. daß die irrende Seele erlöst war. Mein Onkel Mosdie Wolf. Von Max Osterberg. Ich habe schon früher gesagt, mein Onkel Mosche Wolf war kein Gelehrter, aber sein Wissen war groß, kein Weiser, aber seine Aussprüche waren voll Weisheit. Er war auch kein Dichter, aber er dichtete doch. Solch eine Dichtung von ihm sei hier wiedergegeben: 8s war einmal ein braver, schlichter Jude, der sich und die Seinen redlich ernährte, aber nicht dazu kam. Gelder anzuhäufen. Was er verdiente, reichte gerade, um anständig zu leben, und seine Kinder — er hatte unbesthrieen deren zwölf — etwas Gediegenes lernen zu lassen. Dennoch sprach er immer davon, er hinterlasse ihnen einen großen Schatz. Die Kinder lächelten über des Vaters Versprechen, das sie für einen guten Witz hielten. Der Vater starb. Seine Hinterlassenschaft bestand außer der bescheidenen Einrichtung seiner Wohnung in nichts als einem Brief, auf dessen Hülle stand: „Dieses mein Vermächtnis mögen meine Kinder bewahren als ihren kostbarsten Schatz. Es ist das große Erbe Israels.“ In dem Briefe aber stand: „Ich hinterlasse Euch kein Vermögen, liebe Kinder. Und wenn es mir auch gelungen wäre, ein paar Tausend Gulden zu sparen, was hätte es Euch geholfen. Es wäre in zwölf Teile gegangen und für keinen von Euch wäre viel geblieben. Was ich aber Euch vermache, bekommt jeder ganz, und doch wird keines dadurch verkürzt. Es ist das große Erbe Israels: Haltet treu zueinander, pflegt das Familienleben, laßt Euch die Freitag-Abende nicht nehmen. Dieses heilige Gut bewahret treu und vererbt es einst Euren Kindern.“ Und Onkel Mosche Wolf fügte seiner Erzählung noch bei: Die Kinder verstanden des Vaters Mahnung, hielten seinen letzten Willen in Ehren und es ist ihnen immer gut gegangen auf Erden. Sie machten es nicht wie viele, die unsere heilige Tradition als veraltet betrachten. Wohl möge sie einst wertvoll gewesen sein, denken sie, heute aber sei sie bedeutungslos wie alte Möbel. „Wie alte Möbel!“ wiederholte der Greis. „Ich will Euch sagen, Kinder, wie es oft mit alten Möbeln geht. Man stellt das Gerümpel auf den Boden, | beachtet es nicht, findet es abscheulich. Nach Jahrzehnten kommt ein Kenner und bietet Tausende dafür. Sie sind Mode geworden. Da stellt ihr das „kostbare“ Gerümpel wieder in die gute Stube und seid gar stolz darauf. Aber behaglich fühlt ihr euch nicht unter den altmodischen Sachen, zu schätzen vermag sie nur, wer ihren Wert erkannt, wer sie nie auf den Boden gestellt hat.“ So wird auch das alte jüdische Familienleben wieder in Mode kommen! Glücklich dann alle, die diese hohen Güter, das Erbe Israels, treu bewahrt und unbeirrt an ihnen festgehalten haben, auch in Zeiten, wo man sich leichtfertig lossagte von allem, was unsere Vorfahren uns überlieferten. 0U*6 Stuttgart. Am 28. August hatte der „Württ e m b e r g i s di e Landesausschuß des Central -Vereins“ die Vertreter der württembergischen Presse zu einem Pressetee in den Hindenburgbau eingeladen. Ein großer Teil der württembergischen Zeitungen hatte Vertreter entsandt die mit großem Interesse den Ausführungen von Direktor Dr. Ludwig Holländer über „Der Nationalsozialismus in Theorie und Praxis“ folgten. Eine sich anschließende rege Aussprache zeugte von dem Eindruck, den Dr. Holländers Vortrag gemacht hatte. Am Abend fand ebenfalls im Hindenburgbau eine von der Ortsgruppe Stuttgart des Central-Vereins einberufene Mitglieder-,, Versammlung statt in deren Mittelpunkt ein Referat von Dr. Ludwig Holländer stand. Der Redner beleuchtete die einzelnen politischen Parteien von allgemein-politischen und jüdischen Gesichtspunkten. Seine Rede gipfelte in dem Appell, nur den Parteien Stimme zu geben, die in der antinationalsozialistischen Front stehen. Das Referat weckte stürmischen Beifall. Eine Aussprache schloß sich an. Stuttgart Das offizielle Programm des Berthold Anerbach -Vereins beginnt am 16. September d. Js. mit einem Ausspracheabend über das Thema hDie Reichstagswählen“. Die beiden kommenden Veranstaltungen — in einem zweiten Ausspracheabend wird Dipl-Ing. Julius F reund über „Die Mechamsierungdes Berufs“ und Amtsrichter Dr. Fritz Bauer in einem Vortragsabend über „Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ sprechen — fallen in die Gruppe „Wirtschaftsfragen“ des B.A.V.-Programms und beanspruchen besonders heute großes Interesse. Wir empfehlen unseren Lesern, die Arbeit des Berthold Auerbach-Vereins auch durch regen Besuch seiner Veranstaltungen zu fördern. (Siehe Inserat Seite 128.) Aus Jüdischem Geist... »Vlon »II ng rasshoff Indien Man verlange Preisliste Otto Grasshoff, Tee-Importhaus, eigene Teepackerei — K afiee-Import-Groß rfisterei — Stuttgart, Friedrlchstr. 58 — Telefon 22516 und 27620

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.