Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-08-01 · 9 (1.8.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
9 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4904101-5441863-5443145--2717-4906679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

104 QtM H* Dfatt M 3uUtUUmS Das demokratische Deutschland trauert um Ludwig Haas. D.i» iiiii sonndlirrnl. >1» II 2. August. umhin ittags. in kailMiihi' erfolgte Ableben des deutschen demokr;iti»chen Führer» Ludwig llaav Mitglied d<» lieiih»tm:'. luil die lepiiblik.uii'cheii Kreise I )<-iiT-<iiI.tn<Iin Trauer »er»et/l. Seil der Jahreswende l.ip Ludwin ll.i.isihw. rkrank darnieder. Seine politische Tätigkeit .d» lleichstagsabgeurdnetei lind \ ri: »it/euder der I >einokrati»chen F rnk- ,de» üeiih'lauhalle -eitdeni geruht. Doch »t,md ei bi- /ulei/t mit der I eitiiug der i)eut- . »dien I >1 imiktaii'ihen P.ntei brieflich in I iihbmg. I , halle dem l’arleiw>r»it/eiiden Koch- \\ I ». 1 luileeleill. chiß »ein < ,e»uililheit»/ii'land ihm eine ern»te Spit/enk.illdidalur in »einem \\ ahlkrei»e lliii ringen niihl gestatte. er hatte sich aller erklärt, auf der l!eiihs|i»te /n kanilidieien. Der ..I leimikr.ili'die Zeitniig-dic'ii't" schreit»! /um I ■ >d. V Ul I udwig I laa»: ..lleich»t.igs;ibgeordneler Di I ndw ig II.ia>. der -t-it <len Neuwahlen l<»js den \or»i’z der deimikrali»dien Reich'tiigsfr.iktn.n •fuhrt halte, war infolge der großen sir.!| i/. ii. die er auf »ith hatte nehmen mii»»en. A lila ie IU»I1 zu»um meiigebrocheii: iushesoudere hallen ihn die »<hw ie« men \ erlumdluugen. die »nli au» der uiigüii'Cigrii politischen l.ajre in ih r /weilen Hälfte de- Jahie» 192'i erhalten, körperlich und »eeli»di außerordentlich in Au-prntji gein'ii uien. Bei allen Anhängern der Deutschen .si.|at»|ia i U i hat da» plötzliche I liii'iheiden will Di . I laa» die größte Be»türzung und Trauer her ><»rrerUlfen. Dr. Ludwig Ibi.i» wurde am Ib. April >**" in 1 reiluirg gehören. hat al»u ein \lter tun >1 Jahren erreicht. I r war einer der angesehensten lieilit»,i nw alte in karl»ruhe. », it |>>|2 gehörte er dem Reichst,ige an. Bei krieg»ausbruch ging er ul» Freiwilligen inf ehl und erwarb an der I; .n t »ehr bald da» hi-er ne kreuz. II. und I. kla»»e. In den letzten Kriegsjahren war er . ine /eitl.ing heiter <le* jüdischen Dezernats bei der ileut'ihen /i\il\ erwaltung in Polen. 101 s war er in der b.idi-ehen ..vorläufigen Volksregierung“ Minister de» Iintern und Staatsrat. 1919 wurde ei in du \ erfd'»uiiggebcndu Deutsche Nutionaleei-umnilung. »pater w ieder in den Reidistag gewählt. hr wurde einer der aktiv »ten Führer des l!eidi»baniier» Schw ur/-Rnt-Gold. F> gehörte dem Haupt vnr-tund fies C’entral-V ereins fleutsdter 'staai'lui rg'er jüdischen Glaubens an und stritt bei jeder »idi bietenden (Gelegenheit für jüdische I Ine und jiidi'die Bürgerrechte. Am Grabe von Ludwig Haas. t nter massenhafter Beteiligung aller kreise ikts öffentlichen hebenin Baden und der jüdischen Gemeinde von Karlsruhe fand am Dienstag. den I. August, die Bestattung des Reichstagsabgeordneten Dr. Lifdwip Haas statt. Die l.hrenwache stellte das Reichsbanner Schwarz- Kot-Gold. Im Aufträge der Reichsregierung sprach Reich-Innenminister Dr. J o s e p b \V i r t h Worte eh- Gedenkens, hr würdigte die Verdienste des Verstorbenen um das deutsche Volk und um -eine engere Heimat Baden und nannte Haueinen grollen deutschen Patrioten und hervorragenden Staat-mann. Im Namen der Demokratischen Partei nahm Reichsfinanzminister Dr. D i e t r i ch von dein verstorbenen F ührer Abschied. der nicht nur al- Politiker, sondern auch ul- Soldat im Kriege sein Bestes und .Letztes dem Vaterland gegeben hat. Staatspräsident Schmidt iTahin als \ertreter der Badischen Regierung an der Be-tattuiig teil. Siemens-Werke und Nationalsozialismus. Graf Fnist zu Reventlow ändert sich in der von der Reich'tag'fraktion der Hitler-Partei In r.ni'gegebenen ...Nationalsozialistischen Pressekorrespontlen/“ gegen die Abbau-»allnahmen der Siemens-Betriebe und spricht in diesem Zusammenhang von dem ..Demokraten Carl Friedrich von Siemens". Dazu bemerkt die ..Yossische Zeitung": ( arl Friedrich von Siemens ist nach der Revolution der Demokratischen Partei beigetreten. F.s hat -ich aber bald gezeigt, daß dieser Sohn eine» grollen und freiheitlichen Vaters kein Verständnis für die Aufgaben einer Partei i>esaß. die -ich bemühte. Brücken der Verständigung zwischen Arlx-itgebern und Arbeitnehmern zu 'chlugem Sein vor sechs Jahren erfolgter Austritt aus der Partei war nur die äußere Bestätigung eine» längst vollzogenen Bruchs. In den Siemen»-Werken werden wie von den verschiedensten Seiten behauptet wird, die rechtsradikalen Krei'igeflissentlich gefördert. Insbesondere werden die Parteigenossen des Grafen Reventlow bei Fünstelluugen und Beförderungen bevorzugt. Die komm artistische Presse behauptet »ögar. daß da- Mitgliedsbuch der Hitler-Partei sozusagen obligatorisch sei. wenn man eine Anstellung finden wolle. Von anderer Seite wird berichtet, daß iin Machtbereich der Siemens- \\ erke Bücher und Zeitungen fortschrittlichen Gepräges ausgeschlossen Seien." Zum Tode Siegfried Wagners. Der Jüdischen Telegraphen-Agentiir wird geschrieben: ..Siegfried Wagner, der Sohn seines großem \ aters Richard, ist mitten in den Bayreuther Festspielen, die in diesem Jahr zum erstenmal nach dem Kriege besonders glanzvoll verliefen, gestorben. Die in Bayreuth im Jahre 1924 veranstalteten Festspiele- . hatten ganz unter nationalistischem Fünfluli gestanden und dadurch den Protest insbesondere jüdischer Krc-ise Deutschlands hervorgerufen. Siegfried Wagner hat dann nach langen Verhandlungen fm Februar >92? in einem an Dr. Bruno Weil gerichteten Briefe seine völlige \ oru rtc-ilslosigkeit unterstrichen und erklärt, daß jeder, welchen Glaubens und welcher Abstammung er auch sei. in Buvreuth willkommen sein werde. Fr versprach damals, dafür zu sorgen, daß die Festspiele von jedem parteipolitischen F.i'nflull gelöst würden. Dieses Versprechen hat er auch gehalten und sich persönlich durch die ganzen Jahre hindurch bemüht, in versöhnlichem und vorurteilslosem Sinne zu wirken. Die in der amerikanischen Presse gegen Bayreuth periodisch auftauchenden Angriffe haben ihn immer erneut zu lebhaften Protesten, insbesondere gegenüber se inem Freunde Dr. Weil, veranlaßt. Die Darstellungen der amerikanischen Pressewaren berechtigt, soweit es sich um die Stadt Bayreuth selbst handelt, in der die.Nationalsozialisten unter Hitler einen großen Einfluß gewonnen haben. Auf dem Festspielhaus selbst hat mau in diesem Jahre*, um dein Widerstreit der Meinungen zwischen der alten und der republikanischen deutschen Fahne zu entgehen, eine eigene, für das Haus Wagner geschaffene Hausflagge aufgezogen. Einer seiner letzten Briefe an Dr. Weil ist eine bewegliche Klage darüber gewesen, daß in der londoner ..Jewish Chronicle" er als Hitlcrianer dargestellt wurde. Hoffentlich werden sich seine Frben nach dem so frühen Heimgang Siegfried Wagners — Iveiuiihc-n. die Festspiele im Sinne der konfessionellen Vorurteilslosigkeit weiterzuführen und Bayreuth damit seine alte Anziehungskraft auf die zahlreichen Zuhörer aus allen Ländern, die gewohnt sind, zu den Festspielen zu pilgern, erhalten." Jungdo und Judentum. Der Hochmeister des Jungdeutscheii Ordens, Artur Mahrauu. Begründer der ..Volksnationalen Rcichsvereiniguug". die sich mit der Deutschen Demokratischen Partei zur Deutschen Staatspartei vereinigt hat. veröffentlicht in seinem Organ ..Der Jungdeutsche" einen Artikel. ..Meine Stellung zum Judentum", dem die folgenden Stellen entnommen sind: „Verschiedene Zeitungen veröffentlichen einen Brie f, in dem ich einem besorgten Freunde die Versiche rung abgab. daß sich die Volksnationale Reichsverc-inigiing selbstverständlich energisch gegen alle diejenigen Juden zur Wehr setzen werde, welche an den Grundsätzen unserer christlichen und deutschen Kultur rütteln wollen. Andere Zeitungen bezeichnen das Vorhandensein des sogenannten Arierparagraphen, der eine der Grundlagen des Jungdeutscheii Ordens ist, als Antisemitismus. Der Jungdeutsche Orden läßt an dieser Grundlage seiner Mitgliedschaft nicht rütteln. Er erkennt im staatsbürgerlichen Leben, wie viele seiner Verlautbarungen seit Jahren beweisen, den jüdischen Staatsbürgern die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu. Wir geben aber keinem das Recht, in Wesen und Form unserer jungdeutschen Gemeinschaftsbildung hineinzureden. Wir erkennen genau so. wie wir für uns das Recht der Gemeinschaftsbildung nach unseren Gesetzen fordern: auch jedem anderen Vflas gleiche Recht zu. Ebenst» wie wir in der Billklung von jüdischen Vereinigungen hündischer, politischer oder kultureller Natur keinerlei Angriff auf uns sehen, so verlangen wir auch, daß das Judentum in unseren völkischen Grundlagen keinen Angriff auf sich sieht. Die gegen mich gerichteten Angriffe begrüße ich. weil sich auf diese Weise die Gelegenheit ergibt, einmal in aller Oeffentlichkeit die Frage zu klären, ob das deutsche Judentum ein Recht hat. deutsche Gemeinschaften, welche sich nach rassischen Vorbedingungen zusammengefunden haben, und die über diese eigene Einstellung hinweg gemeinsam mit allen deutschen Staatsbürgern ohne jede rassische Vorbedingung positiv in der Politik Zusammenarbeiten wollen, als antisemitisch zu bezeichnen. Unbeschadet unserer völkischen Gesinnung bekämpfen wir schon aus Gründen der nationalen Einheit und Befriedung des deutschen Volkes den demagogischen Antisemitismus unserer Zeit. Mussolini bezeichnete den Antisemitismus als eine Barbarei. Er nannte deji Faschismus erhaben über den Antisemitismus, weil der Faschismus die höchste Stufe der Kultur sei. Unser Kampf für den deutschen Volksstaat erstrebt die Vollendung der deutschen Volkseinheit und die Bereinigung aller Gegensätzlichkeiten, welche das deutsche Volk mit Haß und Zwietracht erfüllen. ln dem .Antisemitismus, wie er sich heute in Deutschland darstellt, sehe ich ebenso ein Minderwertigkeitsgefühl, wie ich dasselbe in einem gewissen Antigermanismus gewisser jüdischer Kreise erblicke. Ich bin fest überzeugt, daß nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung eine staatsbürgerliche Bereinigung erfolgen kann, und bin der Ansicht, daß angesehene Juden zu dieser Auffassung Stellung nehmen müssen.“ Sigmund Freud erhält den Goethe-Preis. Der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt wurde diesmal Professor Sigmund Freud, dem weltberühmten Wiener Gelehrten und Schöpfer der Psychoanalyse, verliehen. Der Goethe-Preis, der größte wissenschaftliche und literarische Preis Deutschlands, wird dem Ausgezeichneten am 28. August, dem Geburtstage Goethes, im Rahmen einer großen Feierlichkeit in Frankfurt a. M. überreicht werden. Die Preis-Summe beträgt 10000 Mark. ' Cannstatt lernain Olridi MarlenstraBe 6 Telephon 51577 W azserleitungz - GMdilft Josef Wölfle Cannstatt Badstraßeil Telephon Nr. St 4 SO HamBapathlsdie Zentralapotheke Holrat ü. mayer Cannstatt, We Ibl tn ger<tr. 7, Baztge reiß hanDopathisdie Rpotheki (Miltenbergs Drsterie t Wedele, KOnldstr. 46 Für die heißen Sommertage: Badezusätze / Hautfunktionsöle Sämti. Artikel zur Körperpflege Mineralwässer / Fruchtsäfte Diplom-Optiker Widmaier Bahnhofstrasse 11 Ulodeme Optik! Hobeaztaafenztrazze 3 / Telefon 3S413 Polstermöbel / Dekoration z Eisenbettstellen ✓ complette Betten Ansfflhrnng »Sinti. Tapezlerarbeltea, Llnolenmbeleg T apeziermelster IWr Uefem preiswert und gut r Korbmöbel, Korbwaren, Elnflecbten von Robrztlhlen. Spez. i SdiwanwaadikOrbe Abholung u. Zustellung kostenlos WICHERNHAUS AUTO CANNSTATT Telephon Nr. 50482 Reparaturen GROSSE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.