Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 8 (16.7.1930)
- Date
- 1930-07-16
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- [Seite] (sequence 10)
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(lall er he- -• i> in vierten Jabrlaii',-*i<l Vunserer /eil :.-.-iiii'inw ImI>\Ionischer kiinis-'it/ war. der ii' k'ilt'tnne de' MoinLnttc' weithin berühmt uew> -i n bald erfuhr man‘mehr: In der /eit de> K‘,ni^' Ilanmiurapi um 2100 wurden in dem Ur hen.n Iili.irien I.ur>a liabiri Hebräer) nachgewie- '■■ii < >, i,Recnrdfrom F r and I.arsa. 1919). Ven fand 'ognr dort eine liixbrifl. die den Nune; \I> irahain trug 'Höhl. Kanaanäer. S. 10"). Hatte in ei <- bi' dahin für ausgeschlossen gehalten.. •die ge-chichtlichr Umwelt Abrahani' kennen zu lernen, so war damitder Weg zu einer Einordnung Abrahams in die Geschichte seiner Zeit gew ie'cn. Kr trat gleichsam aus dem ni'thologischen Zwielicht in da» Sonnenlicht der Geschichtlichkeit. Bereit' vor mehreren Jahren drang die Künde nach Kuropa. daß ( . Leonard Woollcy im Auftrag des British Museum und der Universität von Pennsylvania auf dem Boden des alten Ur Ausgrabungen unternommen, die ein überraschendes I.icht über diese Kulturstätte verbreiten und zugleich einen Einblick in die Stadt zur Zeit Abrahams ermöglichen. Der glückliche Entdecker konnte die entdeckten Schätze. Kunstwerke von ungeahnter Schönheit und Pracht, den Teilnehmern des Orientalisteakongresses zu Oxford zeigen Sie bewiesen, daß Ur. eine Hauptstadt der Sumerer, bereits vor 5000 Jahren eine Heimstatt höchster Kultur gewesen ist. Es war lange vor dem Aufsteigen der Stadt Babylon eine Königsstadt. deren drei Dynastien über große Reiche herrschten. Verschiedene Kundberichte veröffentlichte Woolley selbst: ein umfassender Bericht in deutscher Sprache liegt seit diesem Jahre vor. Den Bibelleser interessiert natürlich besonders der Teil der Funde, der aus der Zeit stammt, in der Abraham in Ur seine Kindheit verlebt hat. Damals war das Sumerische Reich bereits unter dem Ansturm der Elamiten zusammengebrochen. Die Stadt besaß aber noch großartige Reste der einstigen Herrlichkeit. Eine .Mauer umschloß den heiligen Tempelbezirk, aus dem ein imposanter Stufenturni. umgeben von vielen Tempelgebäuden der sumerischen Götter und Göttinnen, hervorragte. Dieser heilige Bezirk lag im Westen der Stadt, und Abraham hat ihn in seiner Jugend stets vor Augen gehabt. Aber auch in dem Wohnteil der Stadt stand der Götzendienst in höchster Blüte. Die zweistöckigen Privathäuser enthielten durchschnittlich 12 bis 14 Räume, die alle um einen Lichthof gruppiert waren, da kein Haus Fenster zur Straße hatte. Die Häuser enthielten zu ebener Erde eine kleine Hauskapelle mit einem Altar aus Ziegelsteinen und einer tönernen Gottesfigur in einer Nische. Ein besonderer Raum war in jedem Hause das Gastzimmer. Im Raum hinter der'Eingangstür oder im Hofe stand ein \\ assergefäß. oft eine Wasserleitung, die den eintretenden Gast zur Waschung einlud. Unwillkürlich erinnert diese Einrichtung den Bibelleser an die Szene der Aufnahme der drei Wanderer in Abrahams Haus. Besonders eigenartig berührt es, daß das Wohnhaus zugleich die Begräbnisstätte der verstorbenen Hausbewohner enthielt, die sich unter dem Pilaster des einen der ebenerdigen Räume befand. Dieses unterirdische Ziegelsteingewölbe wurde geöffnet, so oft es einen verstorbenen Hausgenossen aufnehmen sollte. Sobald der Leichnam dort geborgen, wurde der Raum mit Erde gefüllt und das Pflaster wieder aufgelegt War der letzte Hausbewohner verstorben, wurde die Haustüre zugemauert — das Haus war zur Gräberstätte geworden. Das wirtschaftliche Leben in Ur entwickelte sich in städtischen Formen, wenn auch rings um die Stadt Ackerbau und Viehzucht blühten. Die Naturalwirtschaft war noch so weit in Geltung, daß man Waren mit Gerste ebenso wie mit Silbergeld bezahlen konnte. Die Bearbeitung der Wolle wurde in besonderen Werkstätten betrieben. Der Handel mit Rohstoffen, aber auch mit verarbeiteten Gegenständen, wie Statuen und Gelassen, war auf dem Euphrat stromaufwärts und stromabwärts und auf den Kanälen lebhaft und vielgestaltig. Das Ergebnis dieser Funde ist für die Lebensgeschichte Abrahams hoch zu bewerten. Sie beseitigen die Auffassung, daß Abraham ein kulturloser Nomade gewesen ist. Sie zeigen die bedeutende Kulturhöhe der Stadt, in der er seine Jugend verlebt hat, und erschließen die Möglichkeit eines Einblickes in seine geistige und wirtschaftliche Umwelt. Das Studium der Funde von Ur wird zu einer erneuten Nachprüfung der bisherigen Darstellungen des Lebens des ersten Patriarchen führen müssen.