Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 8 (16.7.1930)
- Date
- 1930-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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- 91 i Hochmütige Frömmigkeit Sechs Jahre lanr hatte der Jünger die große Selbstpein sich «uferlert und von Sabbath zu I Sabbath gefastet und sich Leid aufgelastet Aber Ldie Wirkung, die erwartete Heiligung blieb aus. IDa legte er noch einmal die Selbstpein sich auf, 'Hoch härter und noch strenger als in den veri gangenen Jahren. Sein Leib war geschwächt daß ler dem Tode nahe war. aber die Heiligung, die fer ersehnte, kam nicht über ihn. Da fuhr er zu Rabbi Elimeledi von Lisensk, daß er ihm helfe 'zur Heiligung. Am Freitagabend traten die Jünger vor den Meister, der allen die Hand reichte, nur ihm nicht. Der Jünger war tief gedemtitigt Als der Sabbath zu Ende, trat er selbst an den Meister heran und bot ihm die Hand zum Gruße. Rabbi Elemelech aber sah nicht auf die Hand und ging an ihm vorüber. Da weinte der Jünger die ganze Nacht und beschloß, am Morgen heimzufahren. Bevor er die Heimfahrt antrat stellte er sich unter das Fenster des großen Rabbi. Da hörte er ihn sprechen: „Da gibt es Menschen, die fasten und martern sich. Aber eins fehlt ihnen, die Demut vor Gott. Sie dienen und sind hochmütig im Glauben an ihren Dienst“ Da kam ein heiliger Schrecken über den Jünger. Schluchzend stand er unter dem Fenster. Rabbi Elimeledi aber öffnete die Tür, ging auf den Schluchzenden zu, umarmte ihn und grüßte ihn, als ob er eben erst gekommen. Der Jünger aber spürte, daß mit der Demut die Heiligkeit auf ihn gekommen, daß er ein anderer, ein neuer Mensch geworden war. | JJleatec und JCunst. Württ. Landestheater. Trotz drückender Hitze bewährte Karl Zuckmayer seine Zugkraft. Das Schauspiel .Schinderhannes' zeigt alle Vorzüge der früheren Werke des Verfassers, die ihm so rasch einen ersten Platz unter den zeitgenössischen Autoren sicherten. Prächtig gemeißelt sind die einzelnen Gestalten, von den Darstellern mit bestem Einleben verkörpert. Vor allem Herr Kavßlcr in der Titelrolle und Frl. K o p p als Julchen boten Hervorragendes: aber auch allen anderen Mitwirkendcn. insbesondere der Spielleitung (Herr Elwenspoek) kann rückhaltloses Lob gespendet werden. 7Zeue O&üchec. Rudolf Schay: Juden in der deutschen Politik. Mit 16 Einzelbildnissen. Ganzleinen 7 Mk.. Weltverlag-Berlin. Im Rahmen der gesamtpolitisdien Entwicklung Deutschlands von den Freiheitskriegen bis heute werden die prägnantesten jüdischen Politiker gezeichnet, die Größe, aber auch die Grenzen ihres Einflusses Umrissen. Aufgezeigt wird, wie sich das allgemeinpolitische Streben jüdischer Führerpersönlichkeiten mit dem Streben nach der Gleichstellung der Juden verband, wie aus der Sonderstellung der Juden die Eigenart und das Temperament Form gewannen und nach Gestaltung drängten. Und ferner: wie in dieser Sonderstellung das meist tragische Geschick des jüdischen Politikers begründet lag. Marx, Lassalle, Bernstein, Eisner, Rosa Luxemburg und andere Sozialisten, die Führer der bürgerlichen Bewegung: Rießer, Jacobv, Lasker, Bamberger, Preuß, Theodor Wolff, Georg Bernhard, Rathenau erstehen in voller Lebendigkeit. Auch dem Gründer der deutschen Adelspartei, Stahl, ist ein Abschnitt gewidmet. Daneben werden in den sechzehn Aufsätzen, sowie in der instruktiven Einleitung und der {.Bilanz“ so ziemlich alle Personen irgendwie behandelt, die als Marksteine der Entwicklung anzusehen sind: Bismarck. Hegel, Feuerbach, Friedrich Wilhelm IV.. Bebel, Liebknecht, Heine, Treitschke, Wilhelm II. usw. Ein äußerst wertvolles und instruktives Buch. Armand Lnnel: ,Nicolo-Peccavi oder We'ltgeschiditelin Carpentras. Roman. Aus dem Französischen von Lina Frender. Ganzleinen 6 Mk. Weltverlag-Berlin. Da lebte vor der großen Revolution ein jüdischer Strolch, eine Künstlernatur, der Komödie spielt, auf Märkten als Astrologe auftritt und der seiner Gemeinschaft zum Trotz katholisch wird. Sein Sohn gründet ein Herrenkjleiderhaus, das die vornlehme Gesellschaft beliefert. Die Familie ist so gut katholisch gesinnt, daß es Augustin Nicolo-Peccavi ist, der Urenkel, der im Dreyfuskrieg die klerikal-antisemitische Front kommandiert. Ein Zwiespältiger, der die Stimme des jüdischen Blutes hört. Im Herzen hält er es mit den Juden und den Dreyfusards. Doch zu schwach, versucht er es mit einem Doppelleben, an dem er zugrundegeht. Das komische Element bringt der Gegenspieler hinein, der Jude Abranet, Tuchhändler und Kunstsammler, temperamentvoll, Spaßvogel, der zur Not die Faust ballt. Ein kurioser Typus ist auch sein Freund, der Chevalier de la Roche Alric, der Geliebte von Nicolo-Peccavis jungem Weibchen. Und um diese Hauptfiguren gruppieren sich: Juden und Christen, Männer und Frauen, Bischöfe und Rabbiner, eine jakobinische i Zeitungsverkäuferin, ein arabischer Hausdiener, lein verliebter Knabe und eine groteske Gesell- |sdiaft älterer jüdischer Damen, die eine Huldigungsfahrt zu dem „Hauptmann“ unternimmt. I Eine bunte Gesellschaft in einem sonnigen Land, von einem schalkhaften Künstler gestaltet, der den weltgeschichtlichen Hintergrund seiner Befebenheiten mit sparsamen aber kräftigen triehen zu zeichnen versteht. Die Drevfuszeit hat ihren Dichter gefunden. Ernst Cohn-Wiener: DiejüdisdieKunst. Ihre Geschieh IG von den Anfängen bis zur Gegenwart. Martin Wasservogel Verlag, Berlin. Wiederum din ernstes jüdisches Gelehrtenbuch, das versuch! den inneren Rhythmus jüdischen Seins aufzuneigen an seiner künstlerischen Produktion, düs: nachweist wie Israel in allen Stilarten der Jidirhänderte geschaffen und dennoch eine gesinnnngsmäßig jüdische Kunst hervorbrachte. Der Weg dieses künstlerischen Schaffens ULM O o o o » o MOHAEN-APOTHEKE AUGUST HEISS ALLOPATHIE UND HOMÖOPATHIE GROSSES SPEZIALITÄTEN.LAGER o ____ o % FERNSPRECHER Nr. 229S S Dia modarnata u. raichhaltigsta Auswahl in Theater^mdjöjugengläser tlnd.n 31. In dts Verkaufsräumen dar Firma Emil Vogel, Ulm, C. SOndarhaufs Nacht. Sattlargaua 7, Farnspracher Nr. 2428 $$ | Willi. Kölle lall.: Ed. Herdegen Dia* n Mit» r N eutoratr. 21, Tel, 2823 Brennstoffe nur erster Qualitäten Condltovef und Cafü <^lruLe£e., ^Ufra a. 0). Inb.i T. Detter. taugest». 28 empfiehlt (Ich einem geehrten Publikum Sgnlalkaa MMrUtemm UlaUta* Uafl. IMaMMr AUQ. STEIN SUädMifrMM S / Tahta *7N Brot- und Feinbfrkerel II i. Hess TcL s.a. S2S3 Inh.: Georg Schlumberger i uizgus* 17 ♦ empfiehlt: tlglich frisches Reifeen. T :egebäck diverse Rechen Spezialität: Roggenbrot, Berchee P im» Das Ideale Mittel zur Erlangung wohlgestalteter KnOdii Iu. 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