Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4904101-5441863-5443137--2673-4906639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 Dresdner Bank Stuttgart Cannstatt Heilbronn,Ulm/6 Sparbücher, Wertpapiere, Kredite Bubikopf Schnitt, Dauerwellen, Schönheitspflege Sepor. Kabinen für Damen und Herren F. DAUTEL feinet, neuzeitlicher Damenu. Herren-Frisiersalon im Posthoehhaus, Bahnhofnähe - Tel. 21466 Meine Damen! Wenn Sie als vornehmes Geschenk für den Herrn einen echten MOfltblsnC ■ Füll” hsHer oder einen anderen Montblanc- Wertgegenstand wählen, dann machen Sie dem Beschenkten wirklich Freude. Während des ganzen Jahres sehen Sie in meinem Geschäft eine Spezial-Auslage in Montblanc - Artikeln. iücäiec (Keeznuuuv- Fachgeschäft für Füllhalter. FOIIstifte und Zubehör Stuttgart - Königstraße 40!Btumen= ☆ KORF-HOFFMANN BLUMENBINDEREI, KUNSTGEWERBE FÜRSTENSTRASSE 5, RUF Nr. 232 05 Dr. iur. et rer. pol. FRANZ FISCHER STUTTGART, KÖNIGSTR. 5 Telephon 28991 Beratung in Wirtschafts- und Steuerfragen » Durchführung von Vergleichen Revisionen » Gutachten Meinen lieben GSsten sowie allen verehrt. Interessenten gebe idi hiemtt bekannt, dpß mein altrenom., in modern. Stil erbautes Hotel in all, Zimmern m. fließ. Wasser, Dampf heixg. sow. Stgnalliditanlage versah, o. vollst&nd. neu renov., wieder in Beirieb genomm. ist. Ritualbddet u. Mtnjen im Hause. Vorxtlgl. erstkL Restaurant, für die Vorsaison Monat Juni bedeutend ermäßigte Preise (Pension Mk. <9.— bis 9.-) Hotelauto an der Bahn Göttlich Lcitncr / Marienbad HotmlGoldflHmSMo6.HoialCtaUamgrSMSnnaJ PtrUmI l/eiw Kauft bei unseren Inserenten I GOTTLOB MÜLLER Hoch- und Tiefbau / Stuttgart Ingenieurbüro Ludwigstr. 104 / Telefon-Anschluß 640 48 49 Ausführung von Hoch- und Tief bauarbeiten / Elsenbetonarbeiten / Heusentwässerungsanlagen ✓ Umbauten / Reparaturen Schafft jüd. Arbeitsnadi weise! Von Dr. Max Kreutzberger-Berlin. I-' Nr. 4 der ..(.rmrinclezeitung für die i-raeliti-du'ii Gemeinden \\ iirttenibrrgs“ i-t ein Artikel < --ihii-nrn über die Notwendigkeit der Begrün- ■ iuug einer jüdischen Arbeitsnakhweiszentrale in I i-.'iit-thland. Dieses Thema ist tiefgründig, kenntnisreich umfassend Ix handelt. Der Verfa—>er entwirft Pläne für eine Arbeit, die vom deut-chrii Judentum baldmüglüh unter allen l lii-iiinden in Angriff genommen werden sollte. I Plan einer Begründung einer jüdischen \:: :..:diwei-/entrale i-t nicht ne», die Argumente. die für ihn -preihen. sind schon des <>!> rn behandelt worden. Im Jahre 1926 ist eine - Idi-, \rl>eit-nüihweiszentrale mit dem Sit/ in!!> Jin bestündet worden. Sie machte es sieh zur \ufgabe. die Ix--teilenden Arbeit-nadiw> i-e zu- ».iiiitnenziifa—en. an widttigen jüdisdten Zent"e» \rbeit-nadiweise zu errichteneinen Aiist.:u»«h e in Angi bot und Naihfrage herlx-i/.ufühci: '■teilen zu werben und dauernd auf die? -! itirlig wadi-ende jüdische Arbeitslosigkeit und Xi-boit-imt liiii/uw-‘isen. Die Erfolge dieser Zentrale waren keine geringen, kn Breslau. Köln nid 1.' rttiiiind »ind neue jüdische Arbeitsnachw.i-e gegriindit worden, weitere Arlieitsnaehwi*ise in I.eip/ig und in Hamburg sind im Entstehen. Der interterritoriale Stellenausgleich ist in die Wege geleitet worden, propagandistische .Sdiriften in großer Zahl sind verbreitet, aufklärende Aertrüge gehalten worden. Leider hat der Erfolg der Zentrale nicht jenen Umfang gehabt, wie er der Bedeutung und der Wichtigkeit des Problems entspricht. Leber die Gründe muß einmal in aller Offenheit gesprochen werden. 1. Die verantwortlichen Körperschaften des deutschen Judentums, die Landesverbände und Gemeinden, haben immer noch nicht erkannt, um welche entscheidenden Dinge es hier geht. Das Ausmaß der jüdischen Arbeitslosigkeit in Deutschland ist so ungeheuer groß, daß jede verantwortliche jüdische Körperschaft sich der Bedeutung dieser Aufgabe bewußt sein müßte. Es maß aber festgestellt werden, daß die bestehenden Anfänge daran kranken, daß sie im verborgenen blühen. Finanzielle Unterstützung durch die Gemeinden ist kaum zu erreichen. Man nehme z. B. einen Arbeitsnachweis von der Bedeutung Frankfurts a. M. Man müßte meinen, daß bei dem Arbeits- und Wirkungskreis, der einem solchen Arbeitsnachweis zur Verfügung stehen und bei der Bedeutung, die ein solcher Arbeitsnachweis für die soziale Arbeit einer Gemeinde haben könnte, diesem Arbeitsnachweis in ausreichendem Maße Mittel zur Verfügung stehen. Es muß aber festgestellt "werden, daß der Arbeitsnachweis in Frankfurt noch nicht einmal über die nötigen Mittel verfügt, um Propaganda zu machen, um einigermaßen ausgebildetes Personal anzustellen, ja. daß oft das Porto fehlt, um Werbebriefe hinausgehen zu lassen. Der Etat dieses Arbeitsnachweises ist so klein, daß jede Wirkungsmöglichkeit von vornherein sehr gering bleiben muß. Und so wie in Frankfurt ist es überall. Man hat in der jüdischen sozialen Arbeit noch nicht erkannt, daß die alte Form der Wohlfahrtspflege heute unwirksam bleiben muß. daß die Betonung auf produktiver Fürsorge liegt, daß jeder Versuch unternommen werden muß. Menschen wieder in den Arbeitsprozeß einzureihen. Eine Zentrale, wie sie gedacht war und sich immer wieder e rneut als Notwendigkeit herausstellt. kann nur dann wirken, wenn ihr gutarbeitende Arbeitsnachweise an den wichtigsten Zentren des Reiches zur Verfügung stehen. Das Angebot von Arbeitskräften ist heute überall im Reich so groß, daß die jüdische Arbeitsvermittlung schlagkräftig arbeiten muß. Kein Arbeitgeber wartet heute wochenlang, bis etwa ein für ihn in Frage kommender Arbeitnehmer nachzuweisen ist. Aus diesem Grunde ist "auch eine Veröffentlichung von freien Stellen durch einen Listennachweis unmöglich, solange nicht Arbeitsnachweise in ständigem Arbeitskontakt miteinander für den Austausch und für die Vermittlung Sorge tragen. Alle Bemühungen einer Zentrale werden-deshalb solange zum Scheitern verurteilt bleiben, bis sich die wichtigsten Gemeinden entschließen. Arbeitsnachweise ins Leben zu rufen. 2. Neben diesem Desinteresse der Gemeinden und verantwortlichen Körperschaften an der wichtigsten jüdischen sozialen Arbeit der Gegenwart muß in diesem Zusammenhang immer wieder erneut auf Erscheinungen hingewiesen werden, die ebenfalls, nur von einem straff zentralisierten jüdischen Arbeitsnachweiswesen in ganz Deutschland bekämpft werden können. Es gibt in Deutschland eine spezifisch jüdische Wirtschaftnot. Der jüdische Arbeitnehmer kämpft nicht nur um Arbeitsbedingungen, er kämpft auch um den Arbeitsplatz. Er wird durch eine naturnotwendige wirtschaftliche Entwicklung aus ganzen Zweigen der Wirtschaft ausgeschlossen. er wird durch bestimmte Wirtschaftsformen des anonymen Kapitals von seinem Arbeitsplatz verdrängt, er wird darüber hinaus in seiner Eigenschaft als Jude immer mehr von der Konkurrenz von dem Arbeitsplatz nicht nur vom nichtjüdischen, sondern auch vom jüdischen Unternehmer ausgeschlossen. Große Unternehmungen. die in jüdischen Händen sind, haben antisemitische Personalchefs, die Juden systematisch von der Arbeitsaufnahme ausschließen. Diese Tatsachen sind bekannt, ohne daß sie dazu geführt hätten, daß das deutsche Judentum sich zu einem entscheidenden Wirtschaftsabwehrkampf aufrafft. 3. Der Entwicklung eines arbeitsfähigen jüdischen Arbeitsnachweisorganismus stehen aber auch gesetzliche Hemmungen im Wege. Das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927 hat eine zentrale Verstaatlichung des Arbeitsnachweiswesens gebracht und hat gleichzeitig die weitere Entwicklung charitativer Arbeitsnachweise unterbunden. Es werden in Zukunft nur noch Neugründungen charitativer Arbeitsnachweise zugelassen, wenn ..nach Eigenart des Berufs oder den Ansprüchen der Beteiligten an die Arbeitsvermittlung oder Berufsberatung diesem — zumindest für einen nennenswerten Teil der Beteiligten — auf absehbare Zeit besser durch solche Einrichtungen als durch die Reichsanstalt ausgeübt wird.“ Die zuständigen Landesarbeitsämter haben sich bisher der Tatsache verschlossen, daß für die Juden eine besondere Situation gegeben ist, die die Errichtung von jüdischen Arbeitsnachweisen an wichtigen Plätzen Deutschlands notwendig macht. Wir haben die Verpflichtung, den zuständigen Reichsbehörden klar zu machen, daß hier für das deutsche Judentum eine Lebensnotwendigkeit vorliegt, und wir sind sicher, daß unsere Anstrengungen auf diesem Gebiete schließlich von Erfolg begleitet sein müssen. Zusammenfassend darf gesagt werden: Die wirtschaftliche Not des deutschen Judentums ist groß, die jüdische Arbeitslosigkeit wächst von Tag zu Tag. Es gibt nur einen Ausweg: Schafft jüdische Arbeitsnachweise in ganz Deutschland t ,_r,.. .