Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 1 (1.4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
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§ Sowjetkommissare vor Gericht. Ejine Reihe Sowjetkommissare in der Krim wgke in den Anldagezustsnd versetzt, nachdem offenbar geworden war, daB diese Kommissare min allen Mitteln des Terrors die jüdischen Kolonisten des Rayons Dzankoj gezwungen haben, sicn zn Kollektiven zusammenznsdiliefien. Die angbklagten Kommissare haben schwere Strafen zn gewärtigen. Es wurde festgestellt, daff auch in den! Rayons Krivoirog und Kalinindorf die jüd. Kolonisten durch Zwang sich zn Kollektiven zusammenschlossen. Die jüd. Kolonisten wurden zusanunengerufen, dann wurde die Tür zugeschlossen, und keiner durfte den Saal verlassen, bis er nicht seine Unterschrift unter das Kollektivabkommen gesetzt hatte. Kolonisten, die sich weigerten zn unterschreiben, wurde schwere Gefängnisstrafen angedroht. Anderen Kolonisten die sidi weigerten, sich den Kollektiven anzuliedern, wurde ihr ganzes Hab und Gut, sogar ie Federbetten, weggenommen. Die Kommissare geben zu, daff sie anderste Zwangsmittel angewandt haben, nm die jüdischen Kolonisten in die Kollektiven zn treiben. Der durch die erzwungene Kollektivisierung angerichtete Schaden wird nicht sobald gut gemacht werden können. Die Sowjetbehörden haben Maffnahmen zur Besserung der Lage der Kolonisten ergriffen. Jedem Kolonisten wurde freigestellt, im Kollektivem» zu verbleiben oder es zn verlassen. Eine groffe Zahl jüdischer Kolonisten ist bereits aus den Kollektiven ausgetreten und zu Individualwirtschaft zurückgekehrt. Diese Kolonisten erhielten ihr Vieh und ihr totes Inventar von den Kollektiven zurückerstattet. Die Regierung der Krim hat an^eordnet. nicht nur die kollektivisierten Kolonien, sondern auch die individuellen Landwirtschaften mit Saatgut für die kommende Frühjahrskampagne zu versehen. Infolge der Zwangskollektivisierung sind die jüdischen Kolonisten in eine sehr schwere Lage geraten. Mehrere von ihnen verfügen nicht über das notwendige Futter für das Milchvieh und die Pferde, so daff sie mit der Arbeit auf den Feldern nicht beginnen können. Im Rayon Cherson, wo man die jüdischen Kolonisten gezwungen hat, das gesamte Getreide den Regierungsagenten zu übergeben, fehlt es den Kolonisten am täglichen Brot. Agrojoint hat in diesen Rayon ein größeres Quantum Mehl geschickt. Das Budget der Wiener Isr. Kultusi, gemeinde für 1930. ln! einer Vollsitzung des Vorstands der Wiener Israelitischen Knltusgemeinde wurde in die Debatte über das Gemeinde-Budget für 1930, für welches bisher bloß ein dreimonatiges Provisorium bestand, eingetreten. Der Voranschlag weist 6 20? 890 Schillinge an Ansgaben und 8 984 281 Schillinge an Einnahmen auf; das Gebarungsdefizit beträgt demnach 221 609 Schillinge. Redner sämtlicher Parteien begründeten die zum Budget gestellten Forderungen. Dabei wurden auch Wahlreformfragen erörtert. Die Zionisten und die beiden sozialistischen Gruppen „Poale Zion“ und „Werktätige Juden“ verlangten die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes; die Vertreter der über die Mehrheit im Vorstand verfügenden „Union österreichischer Juden“ lehnten diese Forderung ans verschiedenen Gründen ab und führten namentlich ins Treffen, daß die Gemeindeverwaltung nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes zu einem parteipolitischen Kampfobjekt herabgewürdigt werden könnte. Zionisten und Sozialisten forderten auch ein energischeres Auftreten gegenüber der Regierung, die die seit Jahren versprochenen staatlichen Subventionen für den jüdischen Kultus noch immer nicht realisiert hat, obwohl sie, wie der Sprecher der Zionisten, Dr. Desider Friedmann, nacfadrücklichst hervorhob, laut Verfassung und Staatsverträgen hierzu verpflichtet sei. Auch die Frage weiterer Subventionen der Gemeinde für das Aufbauwerk in Palästina steht zur Debatte. Die Redner der „Union“ kommen erst in der nächsten Sitzung zu Worte. rUVrvw dvrVIlwir J. Opatoschu: Der Aufstand. Aus dem jiddischen von Siegfried Schmitz. Ganzleinen 5 Mk. (Welt-Verlag Berlin). Das vorliegende Neuwerk Opatoschus stellt die Fortsetzung seines an dieser Stelle schon besprochenen Romans „D e r 1 e t z t e Waldjude“ dar.. Schauplatz ist Paris, die glänzende Hauptstadt des kaiserlichen Frankreichs, der Mittelpunkt zugleich all jener Elemente, die um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts als politische Flüchtlinge an der Revolutionierung der bestehenden Staats- und Wirtschaftssysteme arbeiteten. In der „Kommune“, dem. Hause eines polnischen Grafen, hat „ganz Europa“ ein Asyl; nier finden wir sie alle, deren Gedanken unserer Zeit ihr politisches Gepräge gegeben haben: Moses Heß. Bakunin, Sozialisten. Kommunisten, Anarchisten — die radikalen Vertreter aller europäischen Länder. Mit ihnen erleben wir die ganze Trostlosigkeit des Emigrantendaseins. das seelische und körperliche 'Elend der Verbannten und werden von der meisterhaften Darstellung Opatoschus aufs -stärkste gefesselt. Mordechai und sein christlicher - 15 - Gcnosse Wirzbicki eilen nach Polen, um sich an den Befreiungskämpfen des Jahres 1863 zu beteiligen. Aus der internationalen Atmosphäre der „Kommune“ tritt der junge jüdische Revolutionär wieder in die Enge seiner Heimat. Die Juden dort sind dieselben geblieben: die schachernden. im Handelsgetriebe aufgehenden Kreaturen, die aber groß und bedeutend werden, wenn sic von ihren chassidisdicn Vorfahren sprechen. — Der so verheißungsvoll begonnene Aufstand, unterstützt von Freischärlern aus ganz Europa, scheitert an der russischen Uebermacht, letztendig aber an der Unfähigkeit seiner Initiatoren. Bei Groschowiski wird die kleine Armee der Aufständischen zermalmt. Mordechais schwer verwundeter Freund Kahane lehnte seinen Kopf Kopf an Mordechais Schulter und schluchzte leise Und „alles war still wie zuvor“. — Auch dieser abschließende Roman Opatoschus kündet den großen Gestalter und feinsinnigen Kenner H UT*H AAS Das Haus für Hüte HEILBRQNN SUImerstr. 48/50 der jüdischen Psyche. Jede einzelne Figur wird mit sicheren' Strichen gezeichnet, der Geist des rebellierenden Europas um 1860 wird lebendig. Ein literarisch wie kulturhistorisch gleich bedeutsames. Werk! II. St. D. Paul Fifi stehung. sein derer Berückst lieutcstamentl HEILBRON Eugen Kaiser, Heilbronn a.n. LADEN SÜLMERSTR. 1 TEL. *07 und S30 Klektr. Beleuchtungskörper Koch- und Heizapparat« Staubsauger uad Bohner Buadfuak-Kaipfaagsgerate Adolf Hörgcr KMmatr.il - Telefon320 Sanitäre Anlagen Flaschncrei big: Der Talmud, seine Ent Wesen, sein Inhalt unter besonchtigung seiner Bedeutung für die che Wissenschaft. Eduard Pfeiffer NI KURZWAKEN u MAX Strümpfe, sm» TrlkafWAMhe Wanwarca chcadcr «. tum t«l h« B RXUNLING KalserstraB« 21, Tel. 162 Das Hains f. schöne Blumen Wilhelm Bauer Parfümerie Toilette - Artikel Kalserstr. 27 Telephon S10 C. Brenner-Sdiilling FLEIN ERSTRASSE 35/37 Sämlüdie Tennis-Artikel ln großer Auswahl LJ R eformhaus Holwein Allee 9 Zweiggeschäft Turmstraße Nr. 14/6 Spezial.Gescbäft für gesunde Ernährung u. moderne Körperpflege •< )tt. Jooss, Kaiferftr. 54 orscIct-Spczialmaßgescbftft ■betten! tecHaauueat istfeewihrl itr stark« asasea .. 8 uv uviMU’ ui S!*< 8 /g. Grundsatz». eteg., bequem. Höft* fqrmer, Bruetbalter, Leibbinden, elegante idsdmhe. * Dauentrflmpfe, hygienische Sache und Unterkleidung (maschenfeste de), Wollwarcn. BadeaTtlk- Kinderwaren Liederkranzhaus, Heilbronn Erstklassij e Küche - Münchner und Heilbronner Biere - Regie-Weine - Saal für Featlichke ten - Schöner Wirtschaftsgarten A. 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