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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-09-01 · 11 (1.9.1929) · p. Seite 153

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
11 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 153 (sequence 11)
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- 153 - i rifljen jüdischen Ableugnungsversuche einer alljüdischen Weltpolitik durch diesen Kongreß selbst als bewußte Lügen gebrandmarkt worden sind. Mdn sucht noch einen letzten verhüllenden Schleier übfr die ganze Sache zu breiten, indem man erlläjrt. es handle sich um Palästinafragen, in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine zentral geleitete jüdische Weltpolitik, und es ist bezeichncstd. daß kein einziger Staat sich dieser Querverbindung durch alle Bölkerinteressen zu widersetzen wagt... Ter Kongreß zu Zürich 1929 betätigte die angefeindeten Protokolle der Weisey von Zion von 1897." (J.T.A.) Ab 1. September Gerson-Sanatorium! in Cassel. Tie Verhandlungen des Bielefelder Arztes Tr. Mar Aerson mit einem privaten Konsortium be«ressend Uebernahme des Sanatoriums It Großmann aus Wilhelmshöhe in Cassel sind zutn 9lbschluß gelangt. Tr. Gerson wird bereits ans 1. September die Leitung des Instituts übernehmen und das Sanatorium aus seine schnell in! der ganzen Welt berühmt gewordene Diät Therapie umstellen. Inzwischen hat sich eine außerordentlich große Zahl von Heilungsuchenden aus Teutschland, England, Frankreich, Rußland, Italien und aus anderen Ländern nach Cassel mit der Bitte gewandt, daß man sie in das Ger soit^Sanatorium ausnimmt. Arthur Höllischer 60 Jahre. Am Tonnerstag, den 22. August, ivurde der in Berlin lebende bekannte Schriftsteller und politische Kämpfer Arthur Holitscher 60 Jahre alt Holitscher entstammt einer wohlhabenden jü dischen Familie Budapests, zu der er frühzeitig in Gegensatz trat. Seine Selbstbiographien „Erinnerungen eines Rebellen" und „Mein Leben in dieser Zeit" schildern diese und spätere Kämpfe. Holitscher schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen. Immer wieder kehrt er zu jüdischen Stofsen zurück, so im Trama „Ter Golem", in der Novelle „Er ist da". Alle Schriften Holitschers sind von starkem Mitgesühl mit allen Unterdrückten erfüllt. Große Popularität erreichten seine Reisebücher „Amerika heute und morgen", „Drei Monate in Sowjetrußland", „Reise durch das jüdische Palästina". Das letzte Buch ist ein begeistertes Bekenntnis zum Wert dclr jüdischen Arbeiterschaft; er sieht in der palästinensischen Arbeiterbewegung eine Verwirklichung kommunistischer Le.ensideale. : Deutsche katholische Jugend gegen Autisemititmus und Rassenhaß. Bei Anwesenheit der höchsten katholischen Geistlichkeit wurde in Danzig eine Tagung der deutschkatholischen Jugendvereine des Freistaates Danzig und Ostdeutschlands abgehalten. Es wurde u. a. beschlossen, Antisemitismus und Rassenhaß zij bekämpfen und für Völkerverständigung zu wirken. Protest an der Klagemauer. Wie alljährlich am neunten Ab, veranstaltete die Jerusalemer traditionstreue Judenheit auch ist diesem Jahre einen Zug zur Klagemauer. Im Hinblick auf die unter der Judenheit herrschende Erbitterung wegen der Verletzung ihrer Rechte und der wiederholten Störung der Andacht an dtr Klagemauer gestaltete sich der diesjährige Zug zu einer machtvollen, wenn auch stummen, Protestaktion. Etwa 10000 Juden schritten im Züge. Tie Ordnung war mustergültig, so daß die Temonstration ohne jeden Zwischenfall verlief. Am Tage vorher hatte der Tistriktskommissär von Jerusalem, Major Keith-Roach, dem Oberrabbinev Kook mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit dem Pilgerzug Unruhen stattfinden könnten. Oberrabbiner Kook erwiderte, wenn nur die Polizei für Ordnung sorge, könne nichts passieren, da seitens der Judenschast eine Störung der Ordnung in keiner Weise zu erwarten ist. Ter Tistriktskommissar und der Polizeiinspektor von Jerusalem hatten sich persönlich an der Spitze eines Aufgebots von mehreren hundert Polizisten, darunter eines Trupps berittener Polizei, ip der Gegend der Klagemauer eingefunden» um die Ausrochterhaltung der Ordnung zu überwachen. In Tel Aviv formierte sich nach Abhaltung der Trauergebete ein großer Zug, der sich auf i das Stadthaus zu bewegte. Eine Abordnung der Temonstranten überreichte dem Stadtamte die Forderung der Judenschaft wegen Schutz ihrer Rechte an der Klagimauer. (J.T.A.) 900000 arbeitslose Juden in Rußland. Ter Führer der jüdischen Kommunisten und Vizepräsident von Komzet, A. Mereschin, nimmt in der Presse gegen Larjn Stellung, der einen für zehnjährige Tauer berechneten Plan der Zuführung der deklassierten Juden in Rußland zu Landwirtschaft unch Industrie ausgearbeitet hat, wobei 400000 jüdische Seelen der Produktion gewonnen werden sollen. Larin führt aus, daß wenn diese 400000 Teklassierten auch in fünf Jahren in der Wirtschaft untergebracht werden würden, immer noch 500000 Juden bleiben, deren Schicksal ungewiß bleibt, da man in den Ländern der Sowjetuninon 900000 Seelen arbeitsloser Familien zählt, davon 206 000 im Handwerk, 274 000 aus Familien früherer Kausleute, ferner 450 0Ö0 Seelen aus Familien ohne bestimmte Berufe. > Mereschin sieht einen Ausweg in einer Mchsensiedlung im Rayon Biro- )t Fabriken iu Rußland. den 18. August/ wuicke in Bo- Bidschan, das zu einem autonomen jüdischen Lande ausges^rltet werden soll. (J.T.A.) JSdiss Am Sonnta bruisk, Weißrußland, eine Textilfabrik eröffne^, die von 60 Juden, die als frühere Kaufleute keinerlei Bürgerrechte hatten, errichtet worden ist. Gemäß cknem Abkommen mit der Regierung werden nun diese Juden als Arbeiter anerkannt und jcrhalten alle bürgerlichen Rechte Tie Regierui g hat das Fabrikgebäude beigestellt, die Ges llschaft „ORT" hat die maschinelle Einrichtung i eliesert. Tie „Bobruisker Landsmannschaft" n Neuyork finanziert die Fabrik. Tas Kapital soll im Verlaus von fünf Jahren an „ORT" zr cückgezahlt werden^ damit neue jüdische industrielle Unternehmungen eingerichtet werden könnet. Tie Eröffnung der Fabrik war ein Freudent ig für die Juden von Bobruisk. Gegenwärtig wird eine Schuhfabrik auf der glei chen Grundlage gebaut, in der 150 Juden Be schästigung firden und damit die Gleichberechtigung erlanget werden. Tie Gesellschaft „ORT" ULM Pelzhaus Fritz Hilble Spezial-Werkstätte für feine Pelz-Bekleidung Aufbewahrung / Umarbeitung Anfertigung nach Maß ■** Kronhpolheke, Ulm a.D. »Dtteui HrtHlMHB 1^ MnentModtf. klatktMofcr. iffttitnriiadr lei m Mai tednak. 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