Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 10 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
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£rilfunb« füllten sein Tagwerk aus. Wie viele sind da mühselig und beladen zu dem freundlichen Mediziner gekommen, haben ihr Leid geklagt, ihre Leide» cnl yüll, und sind dann getröstet und geheilt wieder ge gangen! Es wird so viel von Verdienste» gesprochen. Seitdem man Titel und Orden abgeschasst hat. ist es damit gar schlimm geworden. Wenn heute aber von Verdiensten gesprochen wird, so sind das nicht Floskel», nicht leere Redensarten, vielmehr sind es hier Tate», die Zeugnis ablegen von der reichen Bcrusskcnntnis und der edlen Hilssbereitschast des Verblichenen. Bei ihm gab «S keine politischen oder konsesiioiiellen Scheidewände. Ter Tote war einer der Großen unserer Stadt. Nicht solcher Große», d.rcn Namen Programme bedeuten, aber einer jener stillen Großen, deren Wert darin besteht, daß ihre Taten wie Gold wiegen und ihre Werke ihnen Nachfolge». Joses Roscnfeld wurde in Mühringen geboren und ließ sich nach Absolvierung seiner Studien und Pro mokion vor einem halbe» Jahrhundert in Horb alS praktischer Arzt nieder. Bald hatte sich seine Praxis im * ganzen Bezirk ausgedehnt. Als Landarzt hielt er eigene Pferde und Wage» und Schlitten: seine Gr spanne waren überall bekannt und der srcundlichc Tostor genoß bald die Achtung aller Kreise. Im Jahre 1891 wurde er an das hiesige Spital als Spitalarzt berufen und übte außerdem die Tätigkeit des Arme» arztrs aus. Von Hause aus Israelit«, arbeitete er an dem, katholischen Institut mit vorbildlichem Eifer. Als der Weltkrieg ausbrach, kam hierher^ ein VercinSlaza reit, dessen Chefarzt Tr. Roienfeld wurde. All seine Arzskunst wandte er zur Heilung der Krieger aus und war außerdem noch in de» schwere» Zeilen sonst überall zur Stelle. Auch bei seinen Berufskollege» genoß er hohes Ansehen, er war Vorstand des Horber Aerztevercins bi» zum Jahre 1S2<>; nach seinem Rücktritt wurde er zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Als er damals auch aus der Hospitalverwaltung aussthied, wurden ihm die Beweise für die Anhänglichkeit an seine Person durch einen ehrenden Abschied zuteil. Auch innerhalb seiner ReligionSgemeinschast bc kleidete der Verstorbene manches Ehrenamt und sei» Rat'wurde gerne cingeholt. Für seine Verdienste wurde ihm; der Titel Sanitätsrat verliehen, de» er wirklich und! wahrhaftig verdient hat. Mit Horb und mir der Hosstitalverwaltung wird der Name Tr. Rosenseld im mer aus das engste verknüpft sein." Unter großer Anteilnahme wurde SanitätSrat Tr. Rosezrscld zu Grabe getragen. Rabbiner Tr. Schweizer enlwars in seiner Trauerrede nochmals ein Bi.S von der wahrhast großen und edle» Persönlichkeit des Per storbrnen. Er erinnerte an seine stete Hilfsbereitschaft und liebevolle Fürsorge und gedachte auch der Per dienstc, die sich der Verstorbene um die hiesige Ge meindr erworben hat. Ter Acrztevereiu, dem Santätsrat Tr. Rosenseld lange Jahxc als Mitglied ange hört«, ließ einen Kranz mit ehrende» Worte» niedcrlegen. Auch dieser Redner zeichnete de» dahingeschicdene» Kollegen als väterliche» Freund und edlen Helfer, dessen Andenken nie verlöschen wird. Lberrechnungckrat Maizz widmete dem Tote» eine» Nachruf für die OrtSkrantcnkasse und die Hospitalpslege, in dem ebensalle die große Wertschätzung zum Ausdruck kam, die man dem wackeren Manne überall entgcgenbrackitc. Tic israelitische Gemeinde Horb sowie die ganze Bevölkerung, wird das Andenken SanitätSrat» Tr. Rosenseld stets!i» Ehren halten. Mtkkelshei«. Unsere Mitbürgerin Fra» Sophie Strauß Wwe. feierte am 2. August bei bester Gesundheit ihren 8l. (Geburtstag. Mögen der würdige» Jubilarin noch viele glückliche Jahre beschieden sein! Ul«. Tie philosophische Fakultät der Universität Erlangen verlieh dem hier in größter Zurückgezogenheit lebenden Privatgelchrten Paul Moor, dessen Arbeiten in der wissenschastlichen Welt hohe Anerkennung gesunden habe», die Würde eines Ehrendoktors Ul«. Am I. August konnte Frl. Lina Einstein, eine nahe Verwandte des bekannten Proscssors Albert Einstein, ihr Süjährigcr Jubiläum als kaufmännische Angestellte bei den Wieland-Werke» AG. begehen. In Anerkennung ihrer muslerhasten Tätigkeit wurde Frl. Einstein sowohl von der Firma alS auch von ihre» Kollegen und Kolleginnen reich geehrt. Ebenso ließ es sich ihr großer Freundeskreis nicht nehmen, die Jubilarin durch zahlreiche Angebinde zu crsreuen. OlM f** W*U M Der erste weibliche Magtstratsrat. Tie Leiterin der Bezirksfürsorge Berlin-Char lottenburg. Clara Israel, ist zum Magistratsrat befördert worden und ist damit der erste weibliche Magistratsrat in Berlin geworden. Ihre Tätigkeit in der Jugendgerichtshilfe und ihre Organisation der Bezirksfürsorge haben in Fach kreisen weit über Berlin große Beachtung ge funden. (J.T.A.) | — 139 — Die Ritualmordlegende von Damaskus. Tie Ritualmordligende von Tamaskus, die der Iudenschast dieser jStobt schwere Sorgen bereitet hat. hat schnell ihre Aufklärung gefunden. Ter Jude Schalom Chattah, der unter der Be schuldigung des Ritualmordverfuches an einem Mädchen verhaftet worden war, ist freigelassen worden; dagegen wurden die beiden Frauen, die ihn des Ritualmordcs bezichtigen, zu je >4 Tagen Gefängnis und je 100 Syrischen Pfund Geldstrafe verurteilt. Cine der beiden Frauen ist die Mutter des Mädchens, das an geblich Chattah in einem Sack forttragcn wollte, u>n an ihm einen Ritualmord zu begehen. Ter Reiseberichterstatter der Warschauer Tages zcitung „Aajer Hajjnt", der soeben aus Tamas kus in Jerusalem ieingetrofsen ist, schilderte die Cinzelheitcn der Assaire Chattah in folgender Weise: Chattah, Färber von Beruf, überbrachte der Mutter des angeblich zum Ritualmord ausersehenen Mädckenf einen Sack mit Kleidern, die er von ihr zum Färben entgegengenoiiiinc» hatte. Ter Mutter gefiel die Arbeit nicht und sie verweigert^ die Zahlung des geforderten Betrages. Chattah bestand aber aus Zahlung, wo rauf die Frau zu rufen begann/ Chattah hält« versucht, ihr fünfjähriges Töchterchen zu raube» und in den Sack zu stecken. Sofort hatte sich der Pöbel der lfmgebung angesammelt, der über Chattah Hersiel und ihn fürchterlich mißhan delte. Herbeigieilte Polizei ließ die Angreifer »n geschoren, verhaftete dagegen den erheblich ver letzten Chattah. Sofort machten sich Agitatoren an die Arbeft, streiften durch die christliche» Stadtviertel ünd hetzten die Bevölkerung gegen die Juden osuf. Eine Menge von mehr als 1000 Christen blockierte das Gefängnistor und forderte die Auslieferung Chattahs, um ihn öf fentlich zu ltnchen. Tie Behörde veranstalrere eine öffentlich« Verhandlung des Falles, die oin zweideutig der bösen Willen der Mutter des Mädchens uni ► einer ihrer Freundinnen ergab. Taraufhin w irden die beiden Frauen zu den erwähnten S rasen verurteilt, während Chat tah sofort auj freien Fuß gesetzt wurde. Gegen 12 der Agita oren, die versuchten, die Menge - — jjlsüi —iijj- ". , ULM 'IJLT’ESHALB PHOTOGRAPHIEREN I ™ SIE NOCH NICHT? SEE KNIPSEN - ICH MiiLCHE ALLES WEITERE! ULMER-PHOTOHAUS n0oooooooooeoeeo^oooeoeooooooooeoooeooo0 " MOHREN-APOTHEKE ° AUGUST HEISS ALLOPATHIE UND HOMÖOPATHIE GROSSES SPE^IALITÄTEN-LAGER FERNSPRECHER Nr. 2298 , °Ooooooooooooooooioeooooeoeooeooooee««ooo0 Blumanladan Hermann Uietzen Ulm / Frauanstraßa 21 nohsn d. StBdtpost (Trambahn-Hai teste Ile) empfiehlt für jede Gelegenheit passend . Bitte beachten Sie die Schaufenster . Hans Sdaler/Ulm a. 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