Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 4 (16.5.1929)
- Date
- 1929-05-16
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
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Tichter durch Fräulein Hilde Fischer erregte viel Beifall. Im Mittelpunkt de» Abend» stand «in »ach Form und Inhalt gleich ausgezeichneter Vortrag von Fräulein Hannah Karminrki über „Erziehungsfragen der jüdischen weiblichen Jugend". Bo» allgemeine», sür alle sonseisioncn geltenden Gesichtspunkten ausgehend, zig:e die ersahrene Rednerin die besonderen Schwierigkeiten der jüdischen weiblichen Jugend aus, der noch immer viele Tore verschlossen sind/ In der Ermöglichung de» srü Heu Eheschlusjc» durch bewußte Einsachheil nnd An spruchslosigkeit, durch eine vorsichtige und kluge Be russrvahl, durch Vorausbildung jeder Frau in der Hau» rvirtl'chast glaubt die Redncri» die sicherste Gewähr sür ei» erfüllte» Fraucnlcben zu finden. Sie fand wun dervolle Worte für die Jugcndbervcgung, sür die Frei zeir der jungen Menschen. Ter Weg zur Harmonie sührt oft durch viel Kamps hindurch, aber da» Ziel ist de» Kampfes rverl. Tie jüdische» Fraucri dürfen mit Stolz aus. diese Tagung zurültschaucn. Wir kommen aus die Tagung i» nächster Rümmer »och näher zurück. Stuttgart. Ai» 2<V April veranstaltete der B e r l bald Auerbach Verein im Holet Wcslheimcr einen stimmuugsvollc» S c d e r A b e » d, an dem -Ri Personen teiinahmcn. Lberlchrcr Leo Adler trug de» Hagadah Text vor und kommentierte einzelne Stellen anschaulich und inleresiant. Rach dem Abendessen ivurde» die schöne» Sedcrivciicn von cinzeliie» Anwesende» avivechselnd gesungen nnd so ei» Bild von der Man nigsalligkeit unserer Festgejängc vermiuell. E» ist ein wirkliche» Verdienst des B. A.B., nicht nur das idco logische Wisse» vom Judentum, sondern auch die er hebende Wirklichkeit eine» jüdischen Feste» seinen älteren nnd jugendliche» Mitglieder» zu biclc». Wie im letzt.'» Jahre hatte auch diesmal der älteste Gast an de- Leder Tafel, Lamnel Gugg-nhcimer, das „Benschen" übernommen. Stuttgart. B c I l h o l d A u c r b a ch Verein Ten ersten össentlichen Vortrag in seinem neuen Wirkungc. kreise hielt Rabbiner Tr. A l> e r b » ch am 7. April ini V. A V. Ter Redner sprach über „Tie Schicksalsi d c c" und behandelte sei» Thema inhaltlich und sormal in ausgczeichnclcc Weise. Tie zahlreiche» An ivesenden folgten den interessanten Aussührungc» mit größter Aufmerksamkeit. Ta» Wcscnllichc de» Referats sei lurz ausgczeigti Ter Schicksalsglanbe, so sührle Tr. Auerbach au», ist im Lause der Jahrhunderte aus »niercin Geistesleben gcschtvundcn. Aber im Unterbeivußtsein der Menschen schlummert al» Erbgut ihrer Ahnenreihe immer noch der Glaube, daß kein Mensch seinem Schicksal entgehe» kan». Ter Glaube des griechischen Volkes z B. ist der Falalismus, das Bekenntnis zur Moira Schicksal» göllin der niemand entrinnen kann. Bei den Römern hielte» die 3 Parze» die Schicksale der Me» scheu i» Händen, und der Lebenslauf de» germanischen Mensche» wurde »ach allgermanischem Mythos durch die 3 Nornen bestimmt, die erhaben am Fuß der Wcltcschc über den Mensche» throne». Eine» besonde.c» Einfluß übte der Schicksalsglaube aus die arabischen Völker au«, die aus Grund ihrer salalistischen Einstel lung zwischen Heldcnmnl und Gleichgültigkeit schwankten. Ta» Judcnlum nun hat, wie da» Chiistcnlum, mit saialigische» Glaubcnsvorstc'.lungc.r garnicht» gemein. Tie dcbräil'che Sprache hat kein Wort sür „Schicksal". Ta» rFiDngel&Ulmer STUTTGART IWlIlllstnd 35, MM«striftc 40 FrMrMstnfti 60 Fachmännische Bedienung Billige Preise Ernst Brinkmann,Stuttgart Tapeziergeschäft Wohnung: Beethovenstraß« 7 Werkstatte: Immenhoferstr. 25 - Telefon 724 65 Neuanfertigung und Aufrichtung sämtlicher Leder- und Stoffmöbel. sowie Matratzen und Bettroste Moderne Innendekorationen, Tapezieren und Linoleumlegen Blantta Schütter Büchsenstr. 10 Herrennnd Damenmoden Malerarbeiten geschmackvoll, gut u. preiswert SachseARothmann?:”: Stuttgart - Hegelstr. 25 - Tel. 22018 u. 20221 - 59 - Es ist in Ihrem Interesse L wenn Sie sich vor Kauf eines Radio-Apparates von mir beraten lassen / Katalog gratis RADIO-FRANK I Verlass«* Sie Katalog oder Vertrel . ROTEB0HLSTRASSE / TELEFON 63223, 642*3 40 Wort „Gsero" heißt Beschluß Beschluß Gölte« also — der durch die sittliche Ta! .de» Mensche» ausgehobe» werden kan». Tiefe Grundkehre de» Judentum» läßt sich im biblischen Schrifttum immer wieder nachwei scn. Heute dars der Schicksalsglaubc als erloschen be trachtet werde». Schickialhdramen von Schillers „Braut von Messina" au bi» ju: Ibsen» Bühnentverken konnten an dieser Tatsache nicht« ändern. Hieezu kommt noch der siegreiche Fortschritt der Naturwissenschaften, die da» Ursachengesetz in den Mittelpunkt aller Geschehnisse -stellten und so den Ablaus der Tinge aller Geheimnisse enlkleidete». Tie dichterisch veranlagten Naturen sehen zwar in de» B«rerb»ng»vorgängeii da» Wallen einer Schicksalsmacht^ In Wirklichkeit erblicken wir aber in der Konstilutihn de« Mensche» nicht« al« eine biologische Summe, die mit Schicksalhaften nicht« gemein hat und durch Konstitutionsthcrapie beeinflußt lvcrdeu kan». j Zwar sagt da« 2. ltzgbol, daß Gott die Schuld der Väter an den Kindern di» in viele Geschlechter rächt; aber schon Abraham ibß Esra deutet da« Gebot so, daß die Kinder, soscr» sie Gott liebe», sich der göttlichen Stiasc entziehe > öircn. hluch da» Kau a itätSgesez spricht gegen ein unabänderliches Schicksal. Zweifellos gibt cs Ereignisse, die sich! nicht vermeide» lassen. I» erster Linie kommt e» öder aus unsere Einstellung zu den Tinge» an, wenn wir hier beurteilen und Schlüsse ziehen wolle». Ausgqbe »er Erziehung ist e», Mensche» heranzubilden, die sich „nicht unterkriegen" lassen ivollc». Tie Scktrijicn de» Judentum«, die jedem sein Geschick in die eigenen Hände' lege», entsprechen ganz dem moderne» Zeitgeist, der Aktivität fordert. Tie jüdische Religion, als Brlennlni« zum Lplimismu», seht auch im irdischen Mißgeschick nur eine Station aus dem Wege zum Guten. Auch da» Toderrälsel, da» von bef Wissenschaft aus nicht geäst werden kann, muß vom Standpunkt menschlicher Lebensnotwendigkcit betrachtet werde». Te» Frommen braucht es nicht zu schrecken. So will die jüdische Religion Mensche» erziehe», die glücklich, frei und unabhängig vom Schicksal sind. Tr. Auerbach crnlele sür seinen gehaltvollen, durch Bibclzitierungen und Beispiele au» eigener Erfahrung besonder» eindrucksvollen Bortrag langanhaltenden Bei fall und beantwortete iy einem Schlußwort noch einige au» der Hörerschaft gestellte Fragen. E» ist zu wünschen, daß Tr. Auerbach sich recht bald wieder dem B.A.B. zur Verfügung stellt und so unserer jüdichrn Jugend wertvolle Anregung und Belehrung zrtri. werden läßt. H. St. Stuttgart. Zur „Cjrt" Aktion. Nicht weniger als rund kl Millionen Jude» sind durch Krieg, militärische Maßnahmen, Progrome, Bürgerkrieg und Unterbindung von Handel wird Handwirk ruiniert worden, »nd zivar i» einem Umfange, der ihre Wicderausrich Hing mittel» der bisher geübte» Philantropic völlig erbemd unmöglich macht. Tiesc» Millionen ist nur durch wirtschastlich produktive Maßnahme» zu -helfe». Tic breiten. Schichten d» jüdischen Bevölkerung, die sich bi» her vom Gelcgcnhritshandel ernährten, werden durch die gegenwärtigen j Zustände in Rußland, Polen, Li -lauen und de» anderen Ländern de» östlichen Europas gezwungen, sich netzen Erwerbsauelirn zuzuwendcn. Ein Trang nach Betätigung in Handiverk, in Landwirtschaft und in verwandtem Berufen hat eingesetzt und ist durch die Einschränkung per Einwanderung in die Bereinigten Staaten von Amerika noch erheblich gesteigert lvorden. Diesem Bedürsnid nach iverktätiger Arbeit entgegen zukomme», ist dringende» Gebot der Stunde. Hier einzugreise», ist, eine der wichtigsten und unabweisbaren Ausgaben de» Wicderausbauwerke» im östliche» Europa. Ter „Verband der Gesellschaften zur Förde rung de« Handwtzrk« und der Landwirtschaft unter den Juden", „L 3Ä T", stellt e« sich zur Ausgabe, dem Streben jener Makscn nach Gesundung cntgegcnzukom men und ihre Betzelendung zu verhindern. Tic deutschen ^Juden haben nicht nur ein ideelle», sondern auch cin^Tnalcricllc» Interesse an der Gesurr düng de« wirtschaftlichen Leben» der jüdische» Massen in de» an Teutlchland angrenzenden Länder». Wir empfehlen nachdrücklich, den Verband „LRT" in seinem im besten Sinne de» Worte» ausbauenden Tätigkcit»- ivi len zu unterstützen. Ueber die Miltes und Wege, sowie über die Leistun gen der Gesellschalt „LRT" unterrichtet ein Bonrag, der am TonnerSta», 30. d. Ml«., von Tr. Michael Tr a u b, Berlin,'über da« Thema „Pom Luftmcnschen tum zu produktiven Winschastssormen" mil Lichtbildern gehalten wird. (Silhe Inserat S. 54.; Stuttgart. K n n sl Hans Schalter. Juni l02'.i. Professor L»car Schlemmer, Tcjiau, Vincent Weber, Berlin. Franziska ISarwey, Stultgarl. Französische Gra phik der Gegenwart. Caanstatt. Am 14. Mai waren -10 Jahre vergangen, seildem Religionstzbcrlehrer E m a n u e I Adler als Vorsänger bcamier ist, am 1. April waren 2» Jahre vergangen, jcitdcni er in Cannstatt da» heilige Amt eine» Bordeler« Und Rt.igio.islehrer» angctretcn. Am kommenden Sam-rag, den 10. Mai, wird die Gemeinde diese» d» ipelte Jubiläum zum festlichen Anlaß nehmen, um ihrem bewährte» Führer ihre Tankvarkeii und Wer schätzung zu bezeuge». Ter Jubilar hat c« wie wenizc verstanden, sich überall liebevolle Verehrung zu erringen, und dars al»-einer der würdigsten Vertreter sei re» Stande» in unserem Lande b« zeichnet werden. > Seine taktvolle Vornehmheit, seine große Zuvorkoinn «»heil, sei» unermüdlicher Eiser in seinem heiligen T ienste sind weit und breit b.'rühmt und anerkannt. 4 >eit über den Krei» seiner Gemeinde genießt er auch unter den nichtjüdischen Mitbürgern liebevolle Achlun |. E» ist also vollauf berechtigt, Gemeinde ihre» würdigen Borbcter daß di.' danlbari Diese Freude! rr.***r, haben auch Sie Ober die Reinheit u. schonende Behandlung Ihrer Wasche. Geben Sie Ihre nächste Familienwäsche in die Vetter Dampf wasdi an statt Brennerstraße40, beiderOlgastr., SA. 27928 5?. &rank - Triedrichsbau Stuttgart <Jnk. 5t. frank <& <Jul. ZHarxtr Qtgtündtl 1894 Spe^ialgeschäfi feinster Glonbons und Schokoladen HeUfon 21202 Nauxattlloht« Tapeten Stoffe / Teppiche Lienhardt Stüttfart. 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