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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-01-01 · 19 (1.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
19 (1.1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
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253 - nb musikalische» Darbietungen, welch letztere von Döch lern der BereinSinitglieder geboten wurden. Die Na men alle zu nennen, würde zu weit führen; r« sei ihnen aber an dieser Stile nochmal« der Tank aller Anwesenden ausgesprochen. Al«. Eine beachtenswerte Einrichtung des Jsr. Frauenvereins ist die schon mehrere Jahre bestehende Nähstube. Bekleidungsstück« aller Art sür männliche und treiblichc Pe.sonen innen hier ab«i fcrt werden. Tan-en des Vereins kommen allwöchentlich an einem Nachmittage im Saale des Gemeinde Hauses zusammen, um in selbstloser Weise Wäsche und Kleider zu nähen. An läßlich Chanukka wurde eine gemütliche Kasseestundc veranstaltet, an der 30 Damen teilnahmiin. Die Ki» der von Frau Oberlehrer Adler und Erna Neuburger trugen Gedichte vor. Kurt Adler hatte die Chanukkakerzchen entzündet. Den heiteren Teil bestritt Frau A. Dreysuß durch den Bortrag von „Neuigkeiten" aus dem Leben der Gemeinde. Mit dem löblichen Bor haben, auch fernerhin für die Näbstube zu wirken und ju tverben, gingen die Teilnehmer an der schlichten Feier auseinander. Al«. Am l/i. Dezember fand ein in alle» seinen Teilen wohlgelungenes Chanukkasest sür »inder und Erwachsene statt. Tie Organisation lag in de» Händen von Rabbiner Dr. Cohn. Das Kinderfest begann mit einem von vier Jugendlichen klangschön und sehr sauber gespielten Musikstück (Fredl Moos, Flöte: Lotte Moos, Klavier; Walter Lebrecht, Geige: Theo Häusler, Cello.) Tann sprachen zwei Knaben (Heinz Moos, Herbert Strauß) Gedichte zu Chanukka, an die sich der gemeinsame Gesang von „Moaus zur seschuosi" anschloß. Hierauf wurde von Kleinen und Kleinsten das Märchenstück „ftänifl Hinzelmanns Brautwerbung" in ganz vorzüglicher Weise zur Aufführung gebracht. Tie Tänze und Reixen waren von Frau Paula Nrumann, Neu Ulm, einstudiert. In den Hauptrollen spielten: Otto Hilb als König der Heinzelmänner, den Haushofmeister Rum pumplius gab Walter Lebrecht, Ekerken, Berthold Straßs burgrr, die Elsenkönigin Wnndcrholde Elsbeth Wolf, die Hatzshofmeisterin Rosamunde Herta Wolf und den Tautrops Lotte Strauß. Reicher Beifall lohnte die vorzüglichen Leistungen der kleinen Künstler und Künstlerinnen. Bier zwölfjährige Schülerinnen (Erna Adler, Sophie Bach, Gertr. Gundelfinger, Elsb. Wolf) tanzten einen reizenden Puppentanz. Eine Kinderpolonaise, bei der jedes Kind eine Tüte mit süßem Inhalt erhielt, beschloß das schöne Fest, das noch lange in Erinnerung der Kinder bleiben wird. — Abends 8 Uhr begann das Gemeindefest, das ein reiches Programm auswies. Rabbiner Tr. Cohn sprach, einleitend sinnreiche Worte über die wahre Festesfreude in Verbindung mit der Wohltätigkeit. Es folgte ein Prolog von Redakteur Hans Sternheim, Stuttgart, der mit großer Wirkung von Louise Mayer rezitiert wurde. Besonderen Eindruck machte das Gedicht „Sturm" von Morris Rosenfeld. das als Melodram von Frl. Trude Hirsch unter ielbstkomponiertcr Klavierbegleitung des Organisten unserer Synagoge, Alfred Kern, vorgetragen wurde. Reichen Beifall ernteten wie immer die gesanglichen Darbietungen von Frl. Trudel Robert und Tr. med. Urh, während die Geschwister Levi, Märtel Tannhauser und Zilli Neumann mit ihrem sehr beifällig aufgenommenen Couplet zum heiteren Teil überleit« en. In der Pause nahm der Vorsitzende des Borsteheramtes, RcchtSanivalt Gump, Gelegenheit, seinen Tank der Leitung dieses Abends sowie iämtlichen Mitwirkenden ,zum Ausdruck zu bringen. Er freue sich, seststcllrn zu können, daß Rabbiner Dr. Coh» auch auf diesem Gebiete Vorbildliches leistet und wünschte seinem Wir ken in der Gemeinde ein herzliches Massel tos! Ten zweiten Teil des Programms eröffnete ein fröhliches Spiel von Kurt Götz, um das sich di« Damen H. Levinger, E. Silbermann, Tr. Liebermann und die Herren Mayer und Polatschek als Darsteller verdient machten. Wenn sich ihre Leistungen .weit über das Niveau von Dilettanten erhoben, so war das nicht zuletzt der Regie von Frau Dr. med. Glück zu verdanken. Ten Schluß des Programms bildete ein von Frl. Märtel Dannhauser und Frl. Lola Pick virtuos vorgesührter moderner Tanz, der zum allgemeinen Tanz überleitete. Ul«. Unter einem besonders glücklichen Stern be suchten am Sabbath, den 22. Dez. mit doppelter Freud« und doppeltem Danke gegen den Allgütigen die deren Kinder Julius und Bertel Kahn die Synagoge. An Ehegatte» Leopold Esfinger und Frau und die, Aussegnung der jüngsten Tochter anläßlich der itze burt eir.es Sohnes schloß sich die Einsegnung de« Jubelpaare« geschmückt mit dem goldenen HochzeitSkranz. In einem tiefempfundenen Gebete gedachte der Rabbiner Dr. Cohn der Jubilar«. Das Fest erhielt durch die von aufrichtiger Wertschätzung zeugende Teilnahme weitester Kreise besonderen Glanz. Al«. Die PUnarversammlung des I s r a e l i t. Lese« verein» wieS zahlreichen Besuch auf. Der Bibliothekar Rechtsanwalt Gump berichtete über den Stand der Bibliothek, die im lausenden Jahre eine wesentliche Vermehrung erfahren hat. Er verband damit die Aufforderung zu einer stärkeren Benützung der Vücher, deren sorgfältige AuSivahl allen Ansprüchen genügen dürste. Durch einstimmige» Jnrnf wurde der bisherig« Vorstand und Ausschuh iviedergewählt. Eine fruchtbare Aussprächt über ein'zusührendc künstterischc Unterhaltungsabende wird dem Ausschuß Veranlassung geben, demnächst zu dieser Anregung Stellung zu nehmen. Das Äudenproblem in Sowjet» Rußland. Im Spätsommer dieses Jahres hat Tr. Jsmar Freund, der bekannte jüdische Gelehrte, mehrere Wochen in Rußland geweilt. Er widmete sich dort dem Studium des Gesamtproblems der Juden im Sowjetreich; seine besondere Aufmerksamkeit galt dem neuen jüdischen Kolonisationswerk. Nach seiner Rückkchr auS Rußland hat er ltzf jüdischen Politikern ein Bild der Verhältnisse^ der Judenheit im heutigen Rußland gezeichnet. Seine Darstellung und Schlußfolgerung stießen aus Widerspruch und waren Gegenstand einer Polemik in der jüdischen Presse Deutschlands und des Auslandes. Tr. Freund hat nun die Ergebnisse seiner Studien in einer Reihe von Aussätzen niedergelegt, die im Gemeinde blatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu erscheinen beginnen. In dem ersten dieser Aufsätze führt der Verfasser aus: TaS Schicksal der Juden in Sowjetrußland ist von einer besonderen Tragik. Auf der einen Seite hat es vielleicht noch nie eine Revolution gegeben, die für die Juden eine solche Umwälzung zum Guten gebracht hätte, wie die russi sche. Gegenüber dem Helotentum, in dem sie sich unter dem zaristischen Regime befunden chatten, hat diese Revolution nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis damit ernst ge inacht, chnen die absolute politische, wirtschaftliche und soziale Gleichberechtigung zu geben. Die Tragik liegt nun darin, daß dieselbe Revolution wie rin Sturmtvind über die Juden Rußlands hingesegt ist, wie es vielleicht die ganze neuere .Judengeschichte nicht ein einziges Mal aufweist. Die Ideologie des Sowjetismus, in die Tat umgesetzt, hat sich eben anders gegen die Juden und anders gegen die übrigen-Russen geltend gemacht. Die russische Revolution war eine antikapitalistische und eine Agrarrevolution Ihre Nutznießer waren die Arbeiter und Bauern. Un. ter beiden Bemfsschichten befanden sich die Juden nur ausnahmsweise. Tie gehörten vielmehr in hervorragendem Maße zu den Kreisen der freien Wirtschaft, die die Revolution im 'Kern getroffen hat. Aus dieser Situation ergibt sich eines der wichtigsten Hauptproblenie der russi schen Judenfrage. Rußland steht vor der nngc heitren Ausgabe, durch eine vollkommene Um schichtung der Berufe Millionen von existenzlos Gewordenen wieder existenzfähig zu machen. Auch nach Abtrennung der Randstaaten zählt Towje!- rußland noch 2 600000 Juden Um das Schick sal dieser Millionen geht es. Es handelt sich um eine Aufgabe, der wir nicht aus der Bogrlxer spektive zuschauen können, sondern hier gilt das Wort: „Tua res agitur"; es handelt sich um unsere ureigensten Angelegenheiten. Nicht nur, daß für keinen Juden der Welt das Schicksal dieser Millionen gleichgültig sein kann; für uns deutsche Juden bedeutet dieses russische Judentum doch etwas anderes. Wenn der,nicht nur zahlen mäßige Niedergang des deutschen Judentums in den letzten Jahrzehnten pessimistisch stimmte, dann richteten wir die Augen nach dem Osten und dachten an daS unerschöpflick>e Reservoir, das mit immer neuem Zustrom unseren Bestand zu verbürgen schien Unter diesen Umständen wird die Frage, was wird aus diesen rund drei Mil lioneu russischen Juden, besonders ernst. An eine Lösung des Problems durch Massenausivandcrung HEILBRONN Eugen Kaiser, Heilbronn » LADEN SOLMERSTKAME I. TELEFON S07 nd 8X0 Efoktr. Bolauchhmgibttrpor Koch« und Hoizapparato, Staubsaugar und Bohnar Rundfunk-Biupfanpsgarita b JULIUS NÄGELE 'SCHOKOLADENHAUS I HEILBRONN a. N. KaUeritr. XX, Telefon 1AM Kaffee / Tee und Kakao CHOLL NACHF. SCHELLENOASSE 1 Wasch- und Puftzmifttel Sldierer’sdie Apofheke LUDWIG SÜNDER flcilbronn a. N. flrzneimltlel / Verbandstoffe ✓ Spezialitäten HtrumpfWarcn Haadsehahe Trikotaicea Striekwarea Herren-Artlkel Sframpfhaiis Albert Skbler, 9M» Elnean, apartar Manhattan. 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