Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 12 (18.9.1928)
- Date
- 1928-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 8)
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Hl«, 9. 9. 28. Solomon Hilö, Teilhaber der ftirma L. Hilb u. Lie, kann am 24. September in beglückender körperlicher und geistiger Frisch« seinen 80. «debürtötag begehen. Als Sohn eines Rabbiners wurde er in Haigcrloch (Hohenzollern) geboren. Seil 1866 ist er in Ulm: vier Jahre später hat er ge heiratet. In die Firma, welche sein »erstorbener Bru der Louis gründete, trat er als Mitinhaber ein. Möge ihm sein Humor noch recht lange erhalten bleiben. Möge er in Aemeinschast mit seiner Gattin noch viel Schönes an Bindern und »indeSkindern erleben! „Religion im Haufe." Referat von Lily H. Montag«« auf der liberalen Weltkonferenz. In der zweiten Lektion referierte Lily H. M o n t a g u e über das Thema „W i e k a n n d i e Lehre des liberalen Judentums durch das Haus zur Anwendung ge bracht werden?" Tie Botschaft des lcheralen Judentums, die wir in das häusliche Lcken bringen sollen, besteht darin, daß die Gottesidee in das Haus verpflanzt und in allem menschlichen «-teschkhen offenbart werden muß. Ties kann am besten mittels der Liebe geschehen, die Eltern und minder verbindet. Venn man Gott finden will, so muß man chn gemeinsam suchen. Tie Kinder müssen dabei mithelfen. Eltern können und sollen, selbst wenn sie es können, ihren Kindern keine fertige Religion übermitteln. Sie sollten sie nur spüren lassen,' was die Religion ihnen selbst bedeutet und wir sie in chrer großen Liebe die Kinder an dem Besten, was sie besitzen, teil nehmen lassen möchten. Teshalb müssen wir den Eltern als erste Pflicht auserlegen, das Judentum erst einmal für sich selbst zu entdecken. Wir müssen ihnen die alte Lehre von dem einen Gott nahebringen von der Einheit der Menschheit von der Kraft der Bereinigung zwischen Mensch und Gott von der Mission Israels von dem jüdischen Unsterblichkeitsglauben. Tanach müssen wir ihnon mit der ganzen Kraft unserer Seele sagen, daß sie sich dem Gon ihrer Väter wieder nähern müssen, dem Gott, der sich in all diesen Lehren offenbart hat, und der der Gott des Universums ist. Venn das Judentum eine Wahcheit für sie werden soll, so müssen sie chr Leben auS eigener Kraft dem göttlichen Sein einverleiben. Wenn Gort ist, eristieren Liebe, Gerechtigkeit, Schön heit und Wahrheit in höchster Pollendung, und es lohnt die Mühe, sie um ihrer selbst willen zu erreichen. Wenn Gon ist, können und müssen wir an etwas glauben, das schöner ist als das, was unser Geist beweisen, was unser Auge schauen kann, und wir und unsere Kinder müssen uns ausmachen, jenes Etwas zu.suchen. Wenn Gott ist, können wir uns chm nahen, indem wir seinen Geist erfassen, können wir das Wesentliche im Leben suchen und uns abwenden vom Niederen und Gemeinen. Wir können und müssen das Gute in unserm Nächsten geltend-lassen, die Möglichkeit des mensch lichen Heroismus, den Antrieb zu menschlicher Bollkommenheit anerkennen. Scht Ihr nun, wel chen Erziehungsfakror dieses Berbundensein mit dem Ewigen birgt? Und alles hängt davon ab, ob die Eltern durch die stärke ihres eigenen «Klaubens dieses Verbundensein vermitteln. Jetzt gehen Materialisten aus vielen sog. jüdischen Häusern hervor uab, wenn sie in die Reli¬ - 148 - gionsschule kommen, ist es zu spät, chren Standpunkt zu ändern. Wir müssen die Eheschließungen chealisieren, wenn wir das Heim wieder vergeistigen wollen. Das Gebet sollte in das jüdische Familienlckien einbezogen werden. Aber es ist von grundsätzlicher Bedeutung, daß das Gebet aufrichtig sei und das Bemühen des menschlichen Herzens zeige, mit dem unendlichen Geist der Liche in Kontakt zu kommen. Wenn wir den Eltern etwas über die Stellung und die Aufgabe der Zeremonien im häuslichen Leben sagen, müssen wir ihnen gleichzeitig klar machen, daß diese Zeremonien sinnlos sind, wenn sie nicht von Generation Generation den Forderungen des jeweiligen Lebens angepaßt werden. Tie häuslichen Bräuche sind nur so lange wertvoll, als sie eine weihevolle Atmosphäre im Hause schaffen, und das können sie nur, wenn die Eltern selber mithelfen, den Anpassungsprozeß zu vollziehen. Sie müssen stättdig bemüht sein, die Lchren, welche die Bräuche enchalten, aus chr häusliches Leben anzuwenden. Diese Verschmelzung des religiösen Ideals mit der Wirklichkeit ist wichtig, weil die Gleichgültigkeit, die wir Juden heutzutage so beklagen, zum Teil auf die Tatsache zurückzuführcn ist, daß das Judentum im Hause so oft als Aeußerlichkeit betrachtet wird. Ein richtig begangener Freitagabend, der den verschiedenen Familienmitgliedern Gelegenheit gibt zusammcnzukommen und sich miteinander zu freuen, ist eine Quelle wahren Glücks. Tie Symbole sind voll geistigen Gehalts. Tas traditionelle Gebet kann verkürzt und den Wünschen der Familie angepaßt werden. Kein Wort braucht gesprochen zu werden, das nicht mit modernen Gedanken in Einklang steht. So kann die Familie wenigstens einmal in der Woche zusammen beten und gemeinsam freudig den Sabvarh begrüßen. j Tie Treue zum Judentum wird in den Häusern gepflegt, in denen die Bräuche wegen ihrer Innerlichkeit gehalten werden. Aber mehr noch ist erforderlich. Tie Kinder müssen zu dem Ge fühl erzogen werden, daß chr jüdischer Beitrag zur geistigen Schatzkammer der Welt erforderlich ist. Und sie müssen vom jüdischen Standpunkt aus das jüdische Leben betrachten, wenn sie versuchen, die Probleme zu lösen, die die Welt bedrücken. Tie Welt ist immer noch für den Krieg. Die Juden predigen das Friedensideal, da sie an die Verbundenheit von Gott und Mensch glauben. Menschliche Wesen werden noch unterdrückt, der Armut, Unwissenheit und Sünde preisgegeben. Ter Jude hat die Heiligkeit der menschlichen Freiheit zu künden. Bei dem ruhmreichen Vormarsch der Temokratie ist der Einzelne oft in Gefahr, nicht beachtet zu werden. Ter Jude hat die Heiligkeit jedes menschlichen Wesens aufrecht zu erhalten. Tie Gefahr, daß soziale Reformen aus Aveckmäßigkeitsgründen unterbleiben, den Wunsch, Verbesserungspläne der Menschen eigennützig auszubeutrn, muß der Jude bekämpfen, da er an die Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden glaubt. R.-A. Stern folgt mit dem Korreferat, in dem er praktische Beispiele von religiösen Feiern des Hauses anführt. Er gcht die Anregung, einen Wegweiser zu schaffen, in dem alle Symbole für Sabbath und Feste zusammengestellt und erläutert werden sollen. An der Diskussion beteiligen sich Jeden Bficbenrannch erfüllt Ihnen die SCHWÄBISCHE BÜCHERSTUBE Schneider & TruckenmQller Charlottenstr. 1/ Telephon 25034 Frau Hamburger, Schiff, Hoffmann, Falkenberg und Dr. Schulman, Rewyork. Dieser fordert mit der ihm eigenen hinreißenden Beredsamkeit, daß die jungen Eltern, auch wenn sie zunächst noch Lernende sind, doch konsequent in ihrem Hause mit chren Kindern jüdisch leben sollen. Die Sabbath-, die Festabende dürfen durch keine noch so große Lockerung von außen (bedeutendes Konzert oder dergl.) anders als im Hause mit der Familie gefeiert werden. Er schließt sich der Forderung von Miß Montague und R.-A. Stern an, daß überall Arbeitsgemeinschaften für Erwachsene eingerichtet werden sollten, um hier den Suchenden, die jüdisches Wissen erwerben wollen, Gelegenheit dazu zu geben. -— Aus der Welt des Judentums.^ Dr. Baeck zuck Sachverständigen für jüd. Angelegenheiten beim preußischen Kul. tusministerium bestellt. Ter preußisch« Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrats Lilienthal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Baeck- Berlin bestellt. Negativer Ausgang der Rabbiner-Wahl der Frankfurter israelitischen Neligions» gesellschast. Ter am Sonntag, den 2. September, stattgefundene Wahlgang zur Wahl eines Rcckbiners der Frankfurter Jsraelftischen Religionsgesellschast, der führenden orchodoxen jüdischen Gemeinde Deutschlands, anstelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Salomon Breuer hatte ein negattves «Ergebnis, indem auf den zur Wahl gestellten Dr. Raphael Breuer, Asrhaffenburg, den Sohn Dr. Salomon Breuers, eine Minderheit von Stimmen, 290, entfielen, während die Mchrheit der Zettel, etwa 600 „weiße'" (ablehnende) abgegeben und 50 für ungültig erklärt wurden. Somit ist die Wahl Tr. Raphael Breuers als abgelehnt zu betrachten. Diese negattv ausgefallene Wahl hat eine bewegte Vorgeschichte. Ein Teil der Mitgliü>er der Religionsgesellschaft wünschte die Wahl des Rabbiners Dr. Klein-Nürnberg, ein anderer Teil trat für Rabbiner Dr. R. Breuer ein. In einem vom Dajan der Religionsgesellschast, Posen, seinerzeit erstatteten Gutachten wurde festgestellt, daß Dr. Raphael Breuer als der Sohn des verstorbenen Rabbiners die sogenannte „Chasokoh" (Erbsolgerecht) hat und daß chm ein Gegenkandidat nicht entgegengestellt werden dürfe, daß aber die Gemeinde das Recht auf Ablchnung habe. Jetzt, nachdem die Mehcheit der Gemeinde weiße Zettel abgegeben hat, ist eine freie Rabbinerwahl möglich geworden. (ITA.) Die schönste Vergnügungsstätte HavMon Excelfior Schloßstr. 40a Fernsprecher 3lr. 21639 FRANZ ERNST Jr. Kunstgärtnerei Blumen Obst Südfrüchte RotebUhlstr.44(*clie Sllberburgstr.) &afe am ^8ismarckplatz I sr »«Hole 3totrMI«l|lr. i » -«g *n. «Mio Cifcme «MOitMci 7Ntzr frische» Raffn-StM* MODE-SALON * GÖTZ L ERNST HERMANNSTRASSE Nr. 1« FERNSPRECHER Nr. 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