Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 6 (16.6.1928)
- Date
- 1928-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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Ehelosigkeit zu bekämpfen, den Willen zur Ehe zu stärken, dadurch die 'Zahl der jüdischen Ehen zu vermehren und zugleich die der Mischehen zu vermindern. ' Es ist eine Tatsache, daß tausende jüdische junge Männer und Mädchen, die durchaus zur Ehe geeignet sind, unverheiratet bleiben. Tie Ursachen sind teils innerer, teils äußerer Natur. Es tragen zur Abnahme der Eheschließungen in erster Linie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei vor allem die Verarmung des Mittelstandes, welche die Gründung eines eigenen Hausstandes erschweren oder unmöglich machen. Dazu kommt das außerordentlich zerstreute Wohnen der deut schen Juden liOOOOO Juden wohnen kn mehr als 1500 Orten wodurch die Anbahnung einer Ehe erschwert wird. Auch die zunehmende Land' flucht ist von erheblichem Einfluß, derzufolge vor allem die jüdischen Männer in die Städte einwandern, die jüdischen Mädchen aber vielfach zurückbleiben. Für letztere wird infolgedessen die Auswahl unter geeigneten Ehepartnern stark ein geengt, sodaß, wenn nicht die Heiratsanzeige zu einer Eheschließung geführt hat, ihnen, wollen sie nicht ehelos bleiben, als letzter Ausweg nur die Berwandtenheirat oder die Mischehe übrig bleibt. Den zahlreichen jüdischen Mädchen, die in den Städten als Angestellte tätig sind, steht niemand zur Seite, der ihnen bei der Eheanbahnung unterstützend an die Hand geht. Bielen tüchtigen jüdischen Mädchen ist es unmöglich zur Eheschließung zu gelangen, weil sie vermögenslos sind. So ist es heute mehr oder minder dem Zufall überlassen, ob die jüdischen jungen Leute zur Verehelichung, die sie ersehnen, gelangen oder nicht. Neben den äußeren sind es innere Gründe, welche die Eheschließungen erschweren: Es sind dies die zu hohen Ansprüche, die vielfach sowohl von Männern wie von Frauen a» den Standard der Lebenshaltung gestellt werden, welche der zu schließenden Ehe zugrunde gelegt werden soll. Demgegenüber hat die geplante gemeinnützige jüdische Ehevermittlungsstelle eine dreifache Aus gäbe zu erfüllen: 1. Soll sie eine sich über ganz Deutschland er* streckende Organisation der Eheanbahnung dar stellen, um all die Hindernisse zu beseitigen, welche jetzt der Eheschließung entgegenstehen. 2. Soll eine Kasse gegründet werden zur Ausstattung unbemittelter jüdischer Mädchen, um diesen die Eheschließung zu ermöglichen. Diese wäre aus den Ueberschüssen des laufenden Betriebes, Geschenken, Stiftungen usw. zu speise». 3. Soll es in ideeller Hinsicht Aufgabe der gemeinnützige» jüdischen Eheoermittlungsstelle sein, gesündere und vernünftige Anschauungen über die Ehe unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten. Es soll mit dem Vorurteil aufge räumt werden, daß das Glück in der Ehe nur durch den materiellen Besitz bedingt ist; die viel fach in dieser Richtung sich bewegenden über triebenen Anforderungen müssen herabgesetzt wer den. Es soll eine Umstimmung dahin erstrebt tverden, daß vielmehr in erster Linie die Tüch t i g k e i t der Ehepartner entscheide, und eine einfache und bescheidenere Lebensführung soll zugrunde gelegt werden. Die Organisatisn der gemeinnützigen Ehevermittlung soll in Form eines Vereine; erfolgen, der sich über ganz Deutschland erstreckt. Ta die Ehevermiktlung natürlich zentralisiert sein muß, so kann die Stelle nur an eine m Ort errichtet werden. Dagegen sollen in den einzelnen Städten und Bezirken ehrenamtlich tätige Vertrauensper soncn eingesetzt werden. Tie laufenden Betriebskosten werden zunächst auf ca. 5000 Mark jährlich geschätzt, die für Anstellung einer geeigneten Kraft, für Miete eines Lokals usw. erforderlich sind. Tie Summe erscheint nicht hoch gegenüber den großen Aufgaben, 'die zu erfüllen sind, und da die gesamte deutsche Judenheit als Träger der Idee gedacht ist. Als jährlicher Mindestbeitrag ist zunächst 5 Mark vorgesehen. Sobald die finanzielle Basis gesichert ist, soll unverzüglich zur Gründung des Vereins, zur Wahl des Vorstandes und zur Errichtung der Vermittlungsstelle ge schritten werden. Der konstituierenden Generalversammlung wird alsdann die entgültige Festlegung der Organisa tion und des Aufgabenkreises obliegen. Die bis - 77 - dahin erfolgenden Schritte wollen nur als provisorische undvorbereitende betrachtet werden. Wer geneigt ist, an der Gründung der gemeinnützigen jüdi'chen Ehevermit.lnngsstelle mit zuhelfen, möge als Mitglied beitreten und seine Anmeldung an mich einsenden. Prof. L)r. Hanauer, Frankfurt a.M. Im Trutz 27 Neue Bücher. Der medizinische Schwanengesang des Maimonides (Fi Bajan al Arad „lieber die Erklä rung der Zufälle") zum ersten Male im Urtext herausgegeben von Rabbiner Tr. K r o n c r in Oberdors-Bopfingen (Württemberg) 1328. Selbst Verlag. Mose den Maimon aus Cordova in Spanien, der große jüdische Denker und Theologe (1135 1201) war lange Zeit der Leibarzt des Sul tans Saladin zu Fostat in Aegypten. I» dieser Eigenschaft hat er auch eine Reihe von mrdizini schen Schriften verfaßt. Ein größeres Sendschrei be» richtete er an den Sultan von Rikka (Kroner spricht die interessante Vermutung aus, daß -bic - ses Rikka das alte Tiberias mit seinen berühm ten Heilquellen sein könnte), Al Afdal, de» Sohn Saladins, das dem an Melancholie lci'enden Fürsten eine Anleitung zur Hebung seines Gesund heitszustandes geben sollte Diese Anleitung „Fi Tadbir As Sihhat, von Kroner im Jahre li>25 zum erste» Male herausgegeben, gab diesem Ge lehrten nun willkommenen Anlaß, die neue Ab ]|1|a hier besprochenen DffHfeAi» ÄUG liefert Buchhandlung Dlllllläl J. HESS & Co. / STUTTGART SchlofestrafeelO (nebendemUfapalasi) / Telephon 2S65J ¥ Handlung „Ueber die Erklärung der Zufäll den „Schwanengesang des medizinischen M imonideS", herauszugeben. Durch die Unterstützt! lg der beiden Gelehrten, Professor Dr. Marx, Ne v- York, und des Chacham Dr. Gastcr in London, kam Kroner in den Besitz der beiden Codices der Bodleiana, eines vollständigen, arabisch geschrie benen und eines arabisch hebräisch geschriebenen Fragmentes. Kroner hat damit auch die in der Berliner Staatsbibliothek vorhandene hebräische Uebersetzung verglichen und den arabischen Urtext ins deutsche übertragen, mit gelehrten Anmer kungcn versehen und kritisch erläutert. Diese neueste Edition Kroners ist dadurch hochinteressant, daß darin Maimonibes, vom Fürsten auf ' gesordert, ein sehr eingehendes a u t o r i t a t i ves Gutachten über die Urteile seiüer H o s ä r z t e abgibt. Hier wird also der Rambam als die große ärztliche Autorität angesehen und angerufen, die ein Urteil über die medizinischen Verordnungen seiner Kollegen abgeben soll. Maimonides kommt diesem Aufträge nach mit der tiefen Ergebenheit gegen den Fürsten, aber auch gegen den Allgütigen, der ihm das Wissen und Können dazu verliehe». Er ist,in der Beurteilung der Verordnungen seiner Kollegen im allgemei nen recht anerkennend, doch auch hie und da mit ULM oOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOOBOOOOo ° MOHREN-APOTHEKE °< AUGUST HEISS ALLOPATHIE UND HOMÖOPATHIE GROSSES SPEZIALITÄTEN-LAGER . FERNSPRECHER Nr. 29S , ©0000000000000000000000000000000000000° Blum«filad«vi Hermann Uietzen Ulm / FrauanstraB« 21 noben d. Stadtpo«t (Trambahn-HoItestoll«) empfiehlt BhjfftCFt für jede Gelegenheit passend — Bitte beaditea Sie die IdiaaleBster Münster * Drogerie Apoih. L. FEES Hirsdutrafte 26 Sämtliche Artikel z. Körperpflege, Verbandsstoffe, Drogen und Chemikalien in nur bester Qualität bei fachmännischer Bedienung Pf aff - Nähmaschinenhaus Inhaber: Otto Pabst Fernsprecher 464 Ulm R. D^tfnchstraBeNr.6 l. M. Bernheimer ULM a. D. 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