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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-04-01 · 1 (1.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
1 (1.4.1928)
Date
1928-04-01
Page
[Seite] (sequence 15)
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/ dank der guten Arbeit seines Torwarts Pfeffer, gegen den Bar Kochba einen Sieg von 3 :1 herausholen. Das dann folgende Hallentennis litt unter schlechter Beleuchtung. ' Den Schluß des Abends bildeten die beiden spannenden zehnmal % Rundenstafseln für Frauen und Mädchen sowie für Männer und Jugend. In der ersten siegte Bar Kochbai nach wechselvoller Führung in 2:11. Die letzte Staffel bildete sportlich einen Höhepunkt des ganzen Abends. Hier wurde wieder einmal bewiesen, daß Bar Kochba mit seinen Staffelmannschaften besonders seiner Kampfmannschaft an führender Stelle in Deutschland steht. Kurz! ist der erste Mann und erreicht gleich die Führung, Hellermann vergrößert den Vorsprung, Treumann liegt schon mit 30 Metern in Front, Simmenaue» gibt mit 60 Meter Borsprung den Stab an Lewin ab. Dieser dehnt seinen Gewinn auf 80 Meter aus, nach Jnklowitz liegt der frühere S.C.C.'er Gerber mit 95 Meter vorn, Eger läßt das übrige Feld gar 125 Meter zurück und Simon schasst einen Rundgewinn von 160 Metern. Brausender Beifall belohnte den ehrlich errungenen Erfolg. Das Fest verlief für lZu> schauer wie Teilnehmer überaus anregend. (ITA.) Ehomezfeuer Bon Wilh. Ullmann, Castrop.Ranrel. „Ich träume als Kind mich zurück und schüttle mein greises Haupt; wie suc^ chr mich heim ihr Bilder, die lang' ich vergessen geglaubt." (Chamisso.) Ein kleines Landstädtchen in der „Rauhen Alb", da wo die Eyach, ein brausender Nebenfluß des Neckars in ihren romantischen Reizen den Wanderer ausrufen läßt: „Soviel Schönheit der Natur" ist das Sehnfuchtsland meiner Erinnerungen. Und nicht nur die Heimat wirkt tief auf mich, die religiösen Erlebnisse der Kindheit in dieser blühenden jüdischen Gemeinde wirken in mir als bleibende Eindrücke der frühesten Jugend noch- Vierzehn Tage vor Peßach! Heute beginnen wir das Chomezhäuschen zu «bauen! Heute sammeln sich die Jungen der jüdischen Volksschule an der Synagoge im ,Haag". Das ist ein Leben und Treiben! Die Kleinen holen Lehm, Steine, Schaufeln, Büchsen, Eimer zum Wasserhcklen und tragen diese Bauutensilien auf den freien Rasen in die Nähe des jüdischen Friedhofs. Die größeren Schüler sind die Maurer und Handlanger; zwei sind die Bauherren und Architekten, und die Jungens verstehen die Sache recht gut. Arme Mütter! Ob wohl mit Wasser und Seife all dieser Lchm von den Kleidern wieder zu entfernen ist? Schadet nichts! Das Chomezhäuschen muß fertig werden; das ist in den Gedanken der Kinder, die mit wahrer Herzenslust bei der Sache sind, «ine große, religiöse Tat. Sie lernen in der Wirklichkeit durch Anschauung den höheren Sinn des „Chomezfeuers". Erew Peßach". Nein, zur Schule gehen wir nicht; wir müssen dabei sein, wenn unsere Väter uick> Großväter, wenn die ganze Gemeinde sich um das Chomezfeuer schart, um in vorgeschriebenen religiösen Gebeten di« Funktion des „Chomezverbrennens" zu vollziehen. Das ist ein lustiges Feuer! Holz, Stroh holen! Noch mehr, noch mehr! Die Flammen schlagen hoch empor. Wir großen Jungens passen schon gut auf, daß nichts passiert! Jeder wirst ein Chomezbündel, Stückchen Brot, Mazzoh von vorigem Jahr, Kochlöffel usw. in das Feuer. Wir warten noch! „Es fehlt noch mein Vater — mein Onkel kommt auch noch — ich gche meinen Großpapa holen —!" Alle, alle kamen! Der Lehrer hat nicht nötig viel über Peßach zu sprechen. Die Anschauung, das seelische Erleben wirkt auf das Kind tief nach Ich weiß nicht, ob heute noch dieser religiöse Brauch lebt — er sollte nie sterben —, ob er noch heute die Jugend meiner Heimatgemeinde zum gemeinsamen Tun sammelt. Ich kann diese Heimatgckräuche nie vergessm, sie haben iiefteligiös, mitbestimmend auf mich gewirkt, und meinen Schülern schildere ich gerne das jüdische Leben in meiner Heimat, so wie ich das Leben schauen durste. Solange sich unsere Jugntb zum gemeinsamen religiösen Tun sammelt, wird das jüdische Leben aus dem Lande nicht verfallen. — — 15 — Stimmen a«S dem Leserkreise. Zum Rezitationsabend «mil H«g. Der Berthold Auerbach-Berein, unablässig bemüht, der jüdischen Allgemeinheit und besonders der jüdischen Jugend durch Borträge und Veranstaltungen jeder Art Werwolles zu bieten und Anregung zu geben, hat Em il H e ß, de, markantesten Darsteller des Stuttgarter Schauspielhauses, eingeladen, chaffidische Legenden zu lesen. In Anbetracht dessen, daß solche spezifisch jüdische Legenden nur äußerst selten im Bortragssaal zu hören sind, glaubte der Verein mit Recht, das Interesse der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit für diese Veranstaltung hinter sich zu haben. Umso mchr mußte es befremden, daß der Besuch wider alles Erwarten weit unter dem für die Veranstaltungen des Vereins gewohnten Durchschnitt blieb. Es ist äußerst bedauerlich, daß ein Programm so wertvollen Inhalts solch geringe Teilnahme weckte. Ties ist umso betrüblicher, als es dem Berthold Auerbach-Berein wohl kaum möglich wird, seine intensive Arbeit an der Sache des Judentums entsprechend fortzuführen. Es ist zu befürchten, daß der Verein seine Abende, die für ein breites Publikum gedacht sind, nicht weiter fortsühren kann, weil es ihm unmöglich ist, die finanziellen Lasten eines schlecht besuchten Abends wiederhalt zu tragen. Abgesehen davon wird ihm die Arbeit außerdem noch dadurch erschwert, daß er sich ungenügend unterstützt fühlt und es in Zukunft wohl schwer wagen wird, das ideelle und materielle Risiko eines solchen größeren Abends auf sich zu nehmen. Seit Januar 1927 hat sich die Tätigkeit des Vereins wesentlich gehoben. Es ist unnötig, auf die verschiedenen erfolgreichen Veranstaltungen hinzuweisen, die der Verein im Jahr 1927 geboten hat. Die allgemeine Anerkennung dieser Arbeit steht fest. Soll aber diese Linie im künftigen Bereinsprogramm weiterhin beibehalten werden, so muß der Verein auf die Unterstützung der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit rechnen können. Aus diesem Grunde ist es notwendig, an dieser Stellie nochmals für eine solche Unterstützung des Vereins zu werben. Wenn die Gleichgültigkeit des jüdischen Publikums nicht einer aktiveren und be.vußt fördernden Haltung weicht, so wird Stuttgart wohl in Zukunft aus die größeren Veranstaltungen verzichten müssen; und ob dies ein Vorteil sein wird, mag jeder selbst entscheiden. Mit diesen^ Worten ernster Mahnung glaubt der Einsender dieser Zeilen di« Situation gezeichnet und der Meinung aller wirklich jüdisch Denkenden entsprochen zu haben. R| Di«-Israel. SemelNde Frankfurt a. M. hat an die Direktion der Tislonto-Gesellschast ebenda 3tJH 1 000 000 Anleihe gegeben. Die Anleihe ist ans Feingoldbasis gestellt. Sie ist mit 7 Prozent verzinslich und innerhalb 20 Jahren zu 100 Prozent rückzahlbar. Die staatliche Genehmigung zur Ausgabe der -Anleihe ist erteilt. Ter Erlös der Anleihe soll zur Rückzahlung der lOprozent. Anleihe von 1926 dienen und in erster Linie für die Anlage des neuen Gemeindesr i ed ho ses .verwendet werden. Für die Erfüllung der Berpslichtungen aus dieser Anleihe hastet di« Israel. Gemeinde Frankfurt a. M. mit ihrem gesamten gegenwärtige» und zukünftigen Vermögen — namentlich mit ihrem beträchtlichen Grundbesitz — und mit ihrer gesamten Steurrkrast. Die Filiale Stuttgart der Diskonto-Gesellschaft, Büchsenstr. 19, nimmt auf diese Anleche Zeichnungen entgegen. Wir verweisen aus das diesbezüglich« Inserat in dieser Rümmer, aus dem alles Nähere ersichtlich ist. ULM 1 SCHIRME u. 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