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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-03-01 · 23 (1.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
23 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 11)
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So ernst die niedrige Geburtenzahl erscheint, so wird doch ihre Bedeutung dadurch gemildert, daß auch die Sterbeziffer im Sinken begriffen ist. Bei der Geburtenziffer darf schließlich auch darauf hingewiesen werden, daß der Wert der kleinen Zahl dadurch nicht unwesentlich gesteigert wird, daß in unserer engeren Heimat, wie die Ichukstalistiken ergeben, eine an Körper und Geist gesunde, durch Sport und Körperpflege gestählte, sittlich und kulturell hochwertige Jugend heranwächst. Tie Zukunft gehört nicht der Masse, sondern dem körperlich und geistig Tüchtigen in ihr. Nezach jisroel! Wir haben keinm Grund zu verzweifln. Aud lau owdoh szikwoszenu: Die Zahlen der Statistik der Juden in Württemberg sind wohl ernste Mahnungen, aber keine Schreckgespenster. Das neue Arbettsprogramm des Berthold, Auerbach-Vereins. Es wurde an dieser Stelle schon wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß der Berthold Auerbach-Verein als Organisation, die sich i» erster Linie mit der geistigen und körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend befaßt, ivärmste Unterstützung verdient. Wenn nun der BAB. in seinem unlängst ergangenen Rundschreiben - fast zu bescheiden, wie uns dünkt — mitteilt, daß „die Tätigkeit des Vereins dank angestrengtester Arbeit nicht ohne einen gewissen Erfolg" geblieben, so wird hierdurch sicherlich die Ansicht weiter Kreise wiedergegeben. — Es bedarf nur, und das soll nochmals ausdrücklich betont werden, vor allem auch der Unter stützung des jüdischen Elternhauses, um die sich auf so erfreulicher Höhe bewegenden Leistungen des Vereins zu fördern. Wer die Borträge und Heimabende des vergangenen Winterhalbjahrs besucht hat, der wird sicherlich frohen Herzens bemerkt haben, daß der Geist herzlicher Kameradschaft und gesunden, zielbewußten Aufbaus das Werk beseelt. — Darum wiederholen wir auch beute nochmals unseren Appell, den wir unlängst an die jüdische Oeffentlichkeit richteten und empschlen wiederum eifrige Mitarbeit an den iür das Judentum so bedeutungsvollen Bestrebungen des BAV. * Die erste Hälfte des BAV.-Programmes 1928 wird am 28. Februar durch einen Bortrag von Tr. Selma Stern, Berlin-Heidelberg, über „Jud Süß" eingeleitet. Man darf dieser Veranstaltung mit umso größeren Interesse entgegensehen, als die Rednerin gerade über dieses Thema höchst beachtenswerte Arbeiten geliefert hat und über die nötige Sachkenntnis verfügt, um die geschichtlichen Vorgänge in objektiver Weise auszudeuten. Am 6. März findet sodann der 3. Heimabcnd statt, in dem Rabbiner Dr.- Cohn „Die sittlichen Pflichten des Einzelnen nach den Lehren des Judentums" behandelt. Der gute Besuch der vorangegangenen Heimabende, an denen zwanglos diskutiert und jedem Anwesenden Gelegene heit geboten wird, nicht nur reiche Belehrung zu erfahren, sondern auch seiner eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen, beweist, daß der BAV. durch die Neuorientierung seiner internen Arbeit auf dem richtigen Wege ist. — Die zweite, für eine breitere Oeffentlichkeit bestimmte Veranstaltung gibt Emil Heß vom Stuttgarter Schauspielhaus am 13. März Gelegenheit, seine hervorragende Sprechkunst an aufgewühlter jüdischer und chassidischer Literatur zu zeigen. Hierauf folgt am 20. März ein Bortrag von Rabbiner Dr. Bamberger-Stuttgart über „Die' Frau im Judentum". Wir zweifeln nicht daran, daß gerade dieses Thema, angesichts der heute so attuellen Frauenbewegung, das Interesse weiter Kreise finden wird.— Damit auch die heitere Lebensfreude nicht zu kurz kommt, veranstaltet der BAB. am 24. März in den Sälen des Stadtgartens einen Purimb a l l. Nach den großen Erfolgen der letzten geselligen Veranstaltungen, darf man mit einem guten Besuch dieses Festes rechnen. Am 3. April rezitiert sodann Frl. Hilde Fischer -Stuttgart aus den Werken von Rainer Maria Rilke. Wie sehr sich der BAB. aber auch um die Erhaltung echtjüdischer Tradition bemüht, das geht am besten daraus hervor, daß der Verein am 5. April einen Sederabend veranstaltet, den Rabbiner Dr. Cohn und Lehrer Adler.in dankenswerter Weise leiten werden. Mit besonderem Interesse darf man auch dem Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser über „Spinoza", der am 24. April stattsindet, entgegexsehen. Bewies doch die Resonanz, die Spinozas 250. Todestag in der ganzen Welt weckte, daß die erhabenen Gedanken des großen Philosophen auch das moderne Geistesleben mit ungeschwächter Kraft befruchten. Auch der am 1. Mpi stattfindende Lichtbildervortrag von Landgerichtsdirektor Stern- Stuttgart über die „Geschichte der Juden in Spanien" wird eindrücklich für die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte werben. Wer sich für die kolonisatorische Arbeit in Palästina interessiert, wird am 8. Mai durch Dipl.- Jngenieur Plawner -Stuttgart, der über „Das heuttge Palästina im Lichte des Technikers" spricht, sicherlich vieles Neue erfahren. Am 15. Mai spricht sodann Dr. med. Saenger -Stuttgart über „Das Wunder von Konnersreuth". Den Schluß des Programms macht Leo Löwenthal-Hirsch, Cannstatt, mit einem wirtschaftspolitischen Thema, „Staat und Wirtschaft". An diesen Bortrag, der am 22. Mai stattfindet, schließt sich noch ein Heimabend am 29. Mai an. *

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