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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-01-16 · 20 (16.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
20 (16.1.1928)
Date
1928-01-16
Page
[Seite] (sequence 12)
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- 622 - Ukraine arbeii-etcn, zu entkräfte». Generäle, Professoren, Zeugen der verschiedensten sozialen Schichten, treten aus, teils betiaupten sie, daß Lchwarzdarth ein Instrument der Tsckiekka sei. teils versuchen sie zu beweisen, daß die Pogrome erst nach Ablösung des Sabinens Petiljura durch die Sowjets organisiert wur den. Aber Torres in gegen jeden gegnerischen Einwand gewappnet. Es in geradezu unglaublich, lvic dieser Verteidiger jedes belastende Moment sosork durch llarcs überzeugendes Tatsachenmaterial abschwächt oder erledigt. Wiederholt bricht das Publikum, das de» Gcrichtsiaal dis aus den letzten Platz süllt, in sponlanen Beifall aus. Als die Gegenseite Lchwarzbarth zum A u s I ä n d c r stempeln will, tritt Torrcs mit bin reißenden Worten für den Angeklagten ein, der von griegsbegin» in der französischen Armee tapfer kämpitc, iltiiver vcrwundel und sogar ausgezeichnet wurde. ..Lchwarzbarth bat in unseren Reihen gesochrcn und ist dcsbalb ein io guter Franzose und Patriot wie jeder -andere." Aus diese Worte Torres' klatschte das gesamte Auditorium Beifall. An den letzten BerKandlungstagcn treten die Kronzeugen für Petiljuras Frevel >eldst aus. Weinend sieben die Hinter bliebencn der bingemordeten ukrainischen Juden vor den Schranken des Gerichts inrd mit elementarer Gewalt iiihfii ne Petiljura des Moides und der vor nichts zurück schleckende» Gewalt. - Am 26. Oktober 1927 beginne» die Plädoners. Ca», vinckii bebt rühmend die jüdische Solidarität beroor und stellt alle Folgen dar, die ein Freispruch Schwarz barlbs nacki sicki ziebcn nmrde. Er bittet oie Ge ichworencn, dem Berbrechen durch eine» Freisprucki -keinen Freibrief auszustellen und stellt iest, daß Petit ,nras Unschuld klar erivicien ist. Aach ibm spricht Schwarzbarlhs Beneidiger, Torres. Er schildert Sckiwarzbarlds Leben, sein lapjeres Eii>. treten sür die nationalen Belange Frankreichs und erklärt, daß cs hier nicht um die Beurteilung und das Wob! und Webe eines Einzelschickials, sondern um die Menschenrechte gehe, tiiit,» bekenne sich der Angeklagte zu seiner Tal. Mit keinem Won suche er sich irgcndivie zu entlasten. Leine Tal müsse als stammender Protest gegen die uiigedcuerlichc Bergeivaltigung der Ostjuden gciverket iverden. Mil eigene» Auge» dabe der Angeklagte die surchrbaren Greuel gcieben und erkannt, daß Petiliura, wen» er nur ge wollt baue, die Pogrome Kälte Verbindern könne». Hier gebe es um die Pcrurkeilung der antisemitische» Hetze, die lausende von unschuldigen Männern. Frauen und »indern ans dem Gewisse» bade. Schwarzbarths Tal sei nichts anderes als der Aufschrei eines Einzelne» für eine gequälte, gehetzte Gesamtheit. — T,e Geschworenen ziehe» sich zurück und »ach 2«! Minuten fällt ihr Urteilsipruch i S ch w a r z d a r l h n> i r d s r e i g e s p r o ch c n. Torres uinarmt Sckiwarzbaith, die beide» Bcrtcidiger reiche» sich kollegial die Hände. Sämtliche Zuhörer baden sich von den Litzen erhoben und riiscn „Bive la republiaiie"! Ter Prozeß ist aus. — Wir gaben vorstehend in gedrängter stürze eine Inhaltsangabe des von Konsul Max L l r a u ß am ll». Januar im B.A.B. gehaltene» Vortrags. Ans Grund eines umsaisenden Materials entwarf der Red »er von diesem bedeutsamen Prczcß ei» hochintercssanlc-. Bild. Tic überaus zahlreichen Zuhörer' dankten für feine Ausführungen durch reichen Beifall. Halte man doch Gelegenheit, die Vorgeschichte und die einzelnen Phasen de» Prozesses in sachlicher und instruktiver Tarstcllung kennen zu lernen und die dramatische Spannung der Verhandlungstagc zu erfühlen. Tem Redner gebührt hierfür herzlichster Tank. 8.8t. Baifinge«. Am 24. Januar feiert Frau Rebeka Marx ihren 87. Geburtstag in geistiger und körperlicher Frische. Eie ist die älteste Einwohnerin des Ortes. Möge» ibr noch viele Jahre der Gesundheit und Zufricdcnheit beschicdcn sei». Braunsbach. Am l. Januar wurde hier der im 60. Lebensjahre verstorbene Benzion Schlachter unter großer ehrenvoller Beteiligung von nah und fern bestattet. Ter Verstorbene, ein aufrichtig religiöser Mann von offenem Charakter, war jahrelang Mitglied des Jiraelitischc» Vorstehcramtes gewesen und hatte sich um das Leben der jüdischen Gemeinde überaus verdient gemacht. Er war durch feine Güte und Wohllätigkeil weit über den «reis der hiesigen Ge. meinde bekannt und beliebt. Eßlingen. Am 7. ds. Mts. veranstaltete der hiesige Jüdische Jugcndbund «ine Chanukka- Feier, die sehr gut besucht war. Ter größte Teil des Programms wurde von Zöglingen und sonstigen Angedörigca des Jjr. Waiienhauscs bestritten. Unter der Leitung von Lehrer Weil, der auch als Ansager trcss lich seines Amtes waltete, wurden 2 kleine Aufführungen geboten, die Hellen Jubel auslösten. Auch die drei jiingcn Tame» Gold, Moses und Goldschmidt ernteten mit ihren schwäbische» Tialellgedichtcn reichen Beifall. Tie anderen Tarbictungen ivarcn ebenfalls schigut und wurden dankbar ausgenommen. Ter Boriitzcndc des Landesverbandes der jüdischen Jugcndvercine, Tr. Cohn, richtete herzliche Worte ai, die Miiwirkendtn und dankte allen für den schönen Abend. A. D. Heibronn. Ein Fest zu G u » st e n des Landes aspls zu Lonldcim. Anläßlich des Chanukka festes veranstaltete der überaus tätige hiesige Ortsaus schuß ein großzügiges Wohltäligkeitsfest zu Gunstc» des Landesasyls, das vor allem dank der Arbeit und Geschicklichkeit des Herrn Enge» Viktor eine» glänzenden Verlauf nahm. Mindestens 100 Gäste waren der Einladung zu dem Abend gefolgt, der auch pekuniär einen außerordentliche» Ersolg halle. Rabb. Tr. Beermann eröisnele den Abend mit einleitenden beredten Worte», in denen er den Veranstalter» des Abends dankte. Rach einer Fcstouvcrtüre ging der bekannte Einakter Olla Potrida von Alexander Lernct-Holenia in Szene. Tie Ausführung war in allen ihren Teilen außcror dentlich gelungen und fand rauschenden Beifall. Nach einre kleinen Pause eröffncle Herr Major den Reigen der bunten Tarbictungen mit einigen Couplets. Ein treffliches Charaltcrdild bot Fra» Liesel Wolf-Biktor mit ihrer Asylantin. Tic anderen Vortragenden zu »cnnc», ist unmöglich. J.-dcr gab das Beste und trug »ach »räftcn zum Gelingen der Ganzen bei. Tas Tanzpaar Rolf und Grete Singer bot die neucstc» Schöpfungen. Auch die graphologische Schrechstubc der Herren Tr. Manfred Scheuer und Tr. Oskar Mayer erfreute sich regste» Zuspruchs. Ter gewandte Confs rencier ivar auch diesmal mit gewohntem Witz Her man» Wolff. In der Bar herrschte unterdessen sprü hcndes Leben. Tie Lchießbudc lockte die besten Schützen

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