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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-01-16 · 20 (16.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
20 (16.1.1928)
Date
1928-01-16
Page
[Seite] (sequence 9)
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619 — man jüdische Merkmale in den Werken jüdischer Musiker wohl feststellcn könne, daß diese Merkmale aber untergeordneter Natur sind. Bon der Synagogalmusik des Mittelalters und den Ghettholiedern abgesehen, kann also von rein jüdischer Musik und rein jüdischen Musikern, entgegen manchen konstruktiven Versuchen der jüngsten Vergangenheit, nicht gesprochen werden. Mar Gellhorn schilderte zunächst den äußeren Lebens gang Gustav Mahlers: Er ist 1860 als Sohn jüdischer Eltern in dem kleinen böhmischen Torf Kalischt geboren. Er zeigte von früh an ausgesprochene Liebe und Begabung sür die Musik und trat mit 15 Jahren als Schüler ins Wiener Konservatorium ein. Nach verschie oencn Anstellungen als Kapellmeister an Keinen Bühnen, wird er mit 28 Jahren Direktor der Hosoper in Buda vest und kommt dann, nach einer weiteren Station in Hamburg, an die Wiener Hosoper, die er 10 Jahre als Tircltor ehrenvoll sührt. Turch kleinliche Jntriguen verärgert/ kehrt er aber Wien den Rücken und arbeitet bis ui icincm lob im Jahre 1911 teils als Tirigcnt teils als Komponist. Schon sein äußerer Lcbcnsgang zeigte die Unruhe und Unstetigkeit, den Tämon, von dem Mahler umhcrgc irieben wurde. Von Anfang an hat er sich, Feind jeden Kompromisses, aus den Boden ehrlichster Kunst gestellt. Wie er bei der Arbeit von größter Ausdauer, so war er in seinem Privatleben von unendlicher Güte. Nach dieser Tarstcllung der Persönlichkeit Mahlers gab der R'dner ein Bild von Mahler als nachschafscndcm Dirigenten. Auch hier unbedingte, ehrliche Einstellung zur Musik, Unterordnung der szenischen Ausstattung, der Regie, unter das Gesamtwerk und die Gcsamtstimmung. Makler hat auf diese Weise eine bisher unbekannte Einheitlichkeit, sozusagen eine Erneuerung der von ihm uisgcjührtcn Werke erzielt. Ter Höhepunkt seiner Tiri gentenlaufbahn war seine Tätigkeit an der Wiener Hosoper. Zunächst hat er auch hier einen Kamps gegen?:e traditionellen Mißstände in der äußeren Lrgani uion der Oper und die inneren Schwächen der bis viiflcit Ausführungen. Aber auch hier hat die opscr billige Hingabe und die mitreißende Kraft seines Tcm . ramcnts sich durchgesetzt. In dem dritten Teil seines Vortrags behandelte Max -«'ellhorn Mahler als Komponisten und zwar zunächst den Lctiöpscr der Lieder, fast durchweg Volkslieder im Sinne ,u:r einfachen, leicht faßlichen Melodicneinjührung. Man uit beim Hören von Mahler-Liedern den Eindruck, als sei der Text zur Musik gesetzt und nicht umgekehrt. Mit besonderem Verständnis ging der Redner auf die „Lieder eines fahrenden Gesellen" ein, um dann das Haupt gebiet der Mahlerschen Komposition, seine Symphonien, zu behandeln. Sehr gut die Darstellung, wie Mahler, der sprunghafte, impulsive, zu jeder Begeisterung fähige Mensch, diese Symphonien sich selber abgctrotzt und abgcrungen, wie er zum Ausdruck seiner Empfindungen, jedes Mittel in den Dienst seiner Riesenschöpsungen ge stellt hat: Orchester, Solostimmen, Chöre. Ter Redner erklärte im weiteren Verlauf seines Vortrags Sinn und wesentliche Merkmale jeder einzelnen Symphonie, um am Schluß seines Vortrags noch die Bedeutung Mahlers im Musikleben der Gegenwart hervorzuheben. Tcm Vortragenden wurde sür seinen Vortrag von einer zahlreichen Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifall gedankt; denn Max Gellhorn hat cs verstanden, durch klare, sachliche und doch von Begeisterung getragene Ausführungen die Zuhörer aufs stärkste zu fesseln. Di-. E. Stuttgart. Bcrthold Auerbach-Verein. Am 6. Dezember vorigen Jahres sprach Tr. mcd. Gustav Einstein über „Tie körperliche Erziehung der jüdischen Ingen d". Ter Redner leitete seine Ausführungen mit einem historischen Ucbcrblick ein, der die Rolle der körperlichen Erziehung bei unseren Bor fahren aufzeigte. Tas Kernstück des Vortrags bildete die Entwicklung der verschiedenen Stadien des Kindes. An Hand dieser Altcrseintcilung besprach der Redner die. jeweiligen körperlichen Bedürfnisse des Kindes und gab vom ersten Säuglingsstadium bis zum späten Schulalter eine klare und wertvolle Tarstcllung aller Me -thoden, die für die körperliche Erziehung notwendig und nützlich, sind. Es wurde schließlich noch die Frage des Sports für die jüdische Jugend erörtert, wo bei der Vortragende riet, die jüdische Jugend möge in die allgemeine» Sportvereine, soweit sie nicht spezifisch antisemitischer Einstellung sind, eintretcn. Ter inter cssantc Vortrag wurde mit dankbarem und lebhaftem Beifall ausgenommen. In der anschließenden Tiskussion sprachen Tr. Ney, Alfred Levy und Justin Rothschild. mg. Stuttgart. Berthold Auerbach-Verein. Am Ticnstag, de» 3. Januar, sprach Fräulein Martha Strauß Cannstatt über „Rahel Varnhagen". Tie Rcdncrin schilderte die Jugend dieser ausgezcich »cten Frau und entwarf von dem gesellschaftlichen Milieu, Schokolade, * Qralinßru ® | MAUXION | köstlLcl'?/ hegehA, und hemJqmt Reparafaren- Nenanferflgen üu Juwelen, Goldu. Silber- "aren aller Art werden unter vollster Garantie ausg'-führf von W. Blessing Juwelier Schmale Strafe 9. L ..... j GBolj eWitme { Spejialgesdiäft für feine ZhZandarbeiten I Stuttgart, Q'oststraÖe 7 | TätUfon <£.57. 22414 iiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiMiiiiiimimiiiiiiMiiiiiiiiiuiiiiiiiiimiiiiiiiiHiiiiiiiii Edit silberne Besiedle ad Tafdgerfile Brudtmann und K.K.S.-Fabrikate, liefert für jede Gelegenheit sehr vorteilhaft. Preisliste n. Auskünfte umsonst u. unverblndl. W. Bleftlng, Juwelier Schmale Strafte 9.

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