Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 19 (1.1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
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— 594 — schar hatte sich eingefunden, die gespannt war, den als Schriftsteller und glänzenden Redner weit bekannten Gelehrten persönlich kennen zu lernen, dessen sittliche und religiöse Entwicklung von völliger Negation zu unbegrenzter Bejahung des überlieferten Judentums kein geringes Aufsehen in der Judenheil hervorgerufen hatte. Ministerialrat Dr. Hirsch führte den Redner mit anerkennenden Worten ein und skizzierte den Inhalt seines Lebens als ein ernstes Ringen um den Sinn des Judentums. Tic Zuhörer begrüßten den Redner, der vor kurzem den 60. Geburtstag gefeiert, init freundlichem Beifall. Ter Redner ging davon aus, daß die Ueber lieferung nur eine wesentliche Seite des Judentums fei, das eigentlich Wesentliche am Judentum ist feine Auserwältheit. Diese Auserwählt heit iit keine jüdische Anmaßung, sondern die Voraussetzung aller selbstbewußten Weltanschauungen. Aber keine andere Auserwälcheit ist historisch so gut beglaubigt wie die jüdische. Sie ist weder aus wirtschaftlichen noch aus rassischen 5^ oder klimatischen Begründungen erklärlich. Auch Israels Einzelgenien erklären sie nicht restlos. Sie ist vielmehr nur als göttliche Gnade zu verstehen. Allein das Auftreten der Propheten in Israel ist so einzigartig, daß sie an sich schon die gött licke Ausenvähltheik Israels beweist. Weshalb das Judentum dieses Privileg erfahren, liegt außerhalb der menschlichen Erkenntnis. Hier offenbart fick der Gotteswille im Weltenplan. Nur der Sinn und das Ziel der Auserwälcheit sind offenbar. Sie sind in den Schriftwonen ge künden Ihr sollt mir heilig werden. Ter Widerstand der menschlichen Natürlichkeit mußte in Israel überwunden werden, um das heilige Volk zu werden. Ten religiösen Antrieb zu diesem Sinn und Ziel dielet das Gottesgesey, welches vor erst das Gesetz der Disziplin zur Erzichung des jüdischen Volkes war, sodann das Mittel zur Intensivierung seiner Gottverbundenheit und schließlich die Alltagsunterbrahung, in der sich Israel seinem Gotte zu eigen geben sollte. Dieses Gottesgesetz teilt sich in Ruhegesetze, Reinheitsge bote und Speiseverordnungen .Alle diese Ge setze sind Alltagsunterbrechungen, die unaufhörlich zur Hingabe an Gott und zur Erkenntnis der Auserwähltheit anleiten sollen. Dabei ist der logische Sinn der einzelnen Gesetzesbestimmung gleichgültig. Nur das System ist unverbrüchlich Auch die scheinbar kleinsten Bestimmungen sind Träger des Systems. Wer das System bejaht, hat jede seiner Einzelheiten anzuerkennen. Ge miß wird von vielen die Form im Judentum nur gedankenlos geübt. Aber die Schuld dieser Gedankenlosigkeit liegt nicht an der Form. Denn diese ist in jedem Falle ein Seelenhebel der Religiosität, ein Mittel der Gottverbundenheit, ein Schutz der Religion selbst. Dadurch, daß die westeuropäische Judenheit und neuerdings die Jv denheil des Ostens das System der Formen preis gegeben, ist sie nicht besser geworden. Denn diese Formen sind eine mechanische Festigung der Mo ralität. Das Religionsgesetz mag sozialwirtschasl lich ein HenlmniS sein, für die Heiligung der Gesamtheit ist es der Weg. Tas überlieferungstreue Judentum hat lange die rechte Initiative vermissen lassen. Jetzt wacht es auf und wirbt für sein Ideal. Zwei Siege hat das Judentum bisher erstritten. Ter erste, die Besiegung des Heidentums in der eigene» Seele, der zweite: die Ausstrahlung des Juden tums im Christentum und im Mohammedanis mus. Das überlieferungstreue Judentum arbeitet für den dritten Sieg: ein heiliges Volk zu werden. Auf der Grundlage des Gesetzes für diesen dritten Damen- Kleiderstoffe Eiuiiu Spezialgeschäft BirtttiMrii fttr luiaflert bdulbrtiiiirbtlc d. h. wasch-, licht, trag- und wetterechte Stoffe Indanthren-Haus Stuttgart E; KOnigstr. 12. gegenüber d. Marstall io unerreichter Auswahl xu vorteilhaften Preisen LORENZ STUTTGART/CHaaunrEnsTn.s »■ui ■ Mni/uRBaasTanssE4 Gludfer-eymnasflk ATMUNG, TANZ, GYMNASTIK Kurse fOr Kinder, Erwachsene, Aeltere Berufsausbildung (zusammen mit Dr. SCHELL) Anfragen an Schulleitung A. MICHIELS Stuttgart, Hospitalstrahe S/U. tfigllch von 1—2 Uhr