Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 17 (1.12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
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520 alles, diese Dinge zu verachten und verächtlich zu machen. So entstehen die modernen jüdischen Kinder, sehr elegant, aber blasiert, oberflächlich, vorzeitig frivol und darum überall unerfreulich. Tann wundern sich diese guten jüdischen Mütter, daß ihre Kinder keine rechte Freunde gewinnen können, keinen Idealismus besitzen, über Ehrfurcht und Alter spötteln, über alles Sittliche ihre „eigene Anschauung" haben. Unsere Eltern haben leider keine Zeit, über diese Tinge nachzudenken. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Verpflichtungen nehmen ihnen die Ruhe, sich diese Fragen zu beantworten. Tann dürfen sie sich aber nicht über die Erziehungsergebnisse an ihren bewußt irreligiös erzogenen Kindern wundern, nicht über den Sohn, der mit siebzehn Jahren die Kasse seines Vaters bestiehlt, um in bedenklicher Begleitung einen Ausflug ins Romantische zu unternehmen, nicht über die Tochter, die bei der ersten Versuchung strauchelt, nicht über die Kinder, die keinerlei Hemmung anerkennen, keine Ehrfurcht vor den Eltern, keine Achtung vor dem Lehrer, keine Scham und Scheu vor dem Heiligsten, die nur eine Furcht kennen: die Angst vor der Strafe. Das sind nicht etwa Beispiele aus der Phantasie, es sind Erfahrungen des -kktzten Jahres an Kindern unserer sogenanmen besseren Gesellschaftsschicht! Tas Buch Edmond Flegs *) ist ein Erziehungsbuch und eine Gewissenspredigt für jüdische Väter und Mütter. In - ihm behandelt und beantwortet ein denkender Jude das Problem der Erziehung des jüdischen Kindes, die Lebensfrage des Judentums der Gegenwart. *) Edmond Fleg: Ein fleiner Prophet, Verlag R. Pieper & Co., München, geb. Mk. 4.80. Einweihung des Ehrenmals der isr. Gemeinde Ludwigsburg. Am 13. November wurde auf dem neuen israelitischen Friedhof das Ehrenmal für die sechs Gefallenen der Gemeinde feierlich eingeweiht. Unter den geladenen Gästen sah man Oberamtmann Ekert, Oberregierungsrat Bürger, Generalmajor v. Greifs, viele Angehörige des Gemeinderats und die beiden Tekane der evangel. und kathol. Kirche, den Vizepräsidenten des Isr. Oberrats, Louis Hirsch, sowie Vertreter des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Die Feier begann mit einem von Oberlehrer Fink gespielten Präludium in der Halle des Krematoriums. Ludwig Ottenheimer übergab hierauf im Namen des Denkmal-Ausschusses das Ehrenmal der Gemeinde. Der Gemeinderat Max Treyfus übernahm als Vorsitzender des israelitischen Vorsteheramtes das Ehrenmal in den Schutz der Gemeinde. Er führte dabei folgendes aus: „Sehr geehrte Versammlung, sehr verehrte Gäste! Im Namen des isr. Borsteheramtes heiße ich Sie herzlich willkommen. Ich begrüße insbesondere den Vorstand des Oberamts Ludwigsburg, Herrn Oberamtmann Ekert, sowie Herrn Gemeinderat Max Elsas als Vertreter des verhinderten Herrn Oberbürgermeisters, sowie die übrigen Mitglieder des Gemeinderats. Ich begrüße ferner als Vertreter der Garnison Ludwigsburg den Herrn Generalmajor v. Greifs. Ich begrüße den L.Präsidenten des isr.Oberrats, Herrn Louis Hirsch, sowie unseren verehrten ehemaligen Feldrabbiner Herrn Bezirksrabb. Tr. Tänzer aus Göppingen, Ich begrüße ferner Herrn Tr. Pick, Stuttgart, den 2. Vorsitzenden des Reichsbunds jüdischer Front soldaten, Landesverband Württemberg, und die Ortsgruppe Stuttgart dieses Verbandes, die in so stattlicher Anzahl hier erschienen ist. Ich begrüße die Mitglieder unserer Gemeinde, nament lich die Angehörigen unserer Gefallenen, denen sich heute unser Aller Teilnahme zuwendet, und ich begrüße alle, die von Nah und Fern herbeigekommen sind, das Ehrenmal für unsere Toten mit uns zu weihen. Ich danke dem Denkmal- Ausschuß für seine tatkräftige Unterstützung, die es ermöglichte, die Mittel auf freiwilligem Wege aufzubringen und ich danke allen denen, die durch ihre reichen Zuwendungen unser Werk gefördert haben. Ich danke auch im Namen des Vorsteher amtes Herrn Kunstbildhauer Schapfl für seinen schönen Entwurf und dem Herrn Bildhauer Scheerer und seinem Sohne für die gelungene Ausführung desselben. Tie isr. Gemeinde Ludwigsburg, gegründet 1852, hätte in diesem Jahre Anlaß gehabt, das Fest ihres 75jährigen Bestehens zu feiern. Sic feiert dieses Fest im Gedenken ihrer gefallenen Söhne. Tiefe Wunden hat der Krieg unserer kleinen, kaum 200 Seelen zählenden Gemeinde geschlagen. 41 Männer sind in der Front ge standen und 6 sind nicht wieder zurückgekehrt. Sie ruhen draußen in fremder Erde, nur einer durfte seine Ruhestätte im heitmatlichen Boden finden. Es war ein schöner Gedanke, das Ehren mal für unsere Gefallenen gerade hier an dieser Stelle zu errichten, gerade hier, mit dem Herr lichen Blick auf unsere heimatlichen Berge; a» dieser Stelle, wo vor wenigen Jahren noch ein steiniger öder Feldweg führte, wo hohe Mauern die Friedhöfe der beiden Konfessionen geschieden haben. Tie Gemeinsamkeit sollte hier erneut ihren Ausdruck finden. Und wie sie damals hinaus zogen gemeinsam mit den anderen, ohne Unter schied der Religion, der kaum der Schule ent wachsene Kriegsfreiwillige, der Landwehrmann, dessen jüngster Sohn erst das Licht der Welt erblickte, als der Vater schon nicht mehr unter den Lebenden weilte, und die anderen alle, die so große Lücken in Familie und Gemeinde hinterließen, ebenso wollen wir, die Ueberlebenden, gc