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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-12-01 · 17 (1.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
17 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
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- 518 - des jüdischen Brauches wirken in ihm als Auf« baukräfte. Seine Seele verbindet dieses Auf und Nieder zu einer inneren Einheit. Fast prophetisch wird ihm die Erkenntnis, die ihn zum Juden macht. „Ich bin Jude, ich muß das Kommen des Messias vorbereiten, des Messias des Friedens, des Messias der Gerechtigkeit, ein Pfandfinder Israels und ein Pfandfinder der Menschheit." Ist das ein Roman, eine Dichtung, eine Phantasie? Nein, ein Stück Leben, wie es der Alltag gebiert, von einem Meister geschaut, von einem Dichter in Worte gefaßt. Es ist ein Knabentagebuch, dessen Gedankengänge sich durchaus im Bereiche einer empfindsamen Knabenseele bewegen. Oft klingt es, als ob aus den Seiten ein Knabe zu uns spricht, dessen Stimme zittert, dessen Augen brennen, dessen Seele von dem Tiefsten erfüllt ist. Dabei ist das Buch eine Uebersetzung mit zahlreichen Uebersetzungsfehlern. Bereits vor Egmond Fleg hatte ein Franzose, Jacques de Lacretelle, die Tragödie des jüdischen Schulknaben geschaffen. Jetzt schenkt uns ein zweiter Franzose die Tragödie des jüdischen Kindes im unjüdischen Elternhause. Nur einen Fehler hat das Buch — seine Ueberschrift. Es sollte nicht heißen „Ein kleiner Prophet", sondern „Das Kind als Ankläger seiner Eltern". Tenn das Buch ist nicht so sehr der Roman des jüdischen Kindes als der Roman der jüdischen Eltern. Diese Eltern leben nicht nur in Paris auf der Place du Parvis Notre-Dame, sondern in allen Großstädten der Erde und bereits in vielen Kleinstädten. Es sind die modernen jüdischen Eltern, die ihre Kinder vor keinem Einfluß so sorgsam hüten als vor der Berührung mit dem Judesein. Diese dem Religiösen innerlich fremden gebildeten jüdischen Väter, die der Seelennot ihrer Kinder verständnislos gegenüberstehen und nur ein überlegenes Lächeln und eine ironische Ablehnung für die Fragen ihrer Kinder übrig haben, diese vornehmen jüdischen Mütter, die alle Künste in ihrem Hause pflegen und ihre Kinder mit überängstlicher Liebe umgeben, aber das Innenleben ihrer Kinder vollständig übersehen, sind Erscheinungen nicht aus der Welt des Dichters, sondern aus den Straßen des Alltags. Sie sind jene Juden, die ihre Kinder allerdings nicht taufen lassen, die sie „sogar" am Religionsunterricht teilnehmen lassen, die nicht einmal dagegen sind, daß ihre Knaben Barmizwoh werden, ihre Töchter eingcscgnet werden, die aber sonst mit einer zielsicheren Beharrlichkeit in ihrem Hause jedes religiöse Erlebnis von ihren Kindern ängstlich fernhalten. Eltern, die ihren Kindern verbieten, an einem Gottesdienst teilzunehmen, die ihre darum bittenden Kinder spöttelnd abweisen, sind eine alltägliche Erscheinung. Daß sie dadurch in ihren Kindern vorzeitig eine Skepsis wecken, die auf ihre Seelen verheerend und zerstörend wie Meltau auf junge Blüten einwirken muß, daß sie damit ihren Kindern etwas vorenthaltcn, was zur Entfaltung ihres Seelenlebens unentbehrlich ist - davon zeugen die unerfreulichen Großstadterscheinungen innerhalb der jüdischen Jugend. Auch die Mutter Claudes wohnt nicht nur in Paris in den Gartenanlagen von Notre-Dame. Sie ist die jüdische Turchschnittsmutter, die ihrem Kinde, natürlich nur aus sorgender Liebe, den Zugang zum Judesein möglichst ungangbar macht. Dieses Judesein ist nicht mondain, nicht elegant und, was das Schlimmste ist, nicht zeitgemäß. Und modern sein, das ist der Götze, dem von ihr alles geopfert wird, auch das Seelenleben ihres Kindes. Dabei gibt es nichts, was unsere Kinder ausnahmslos tiefer entbehren als Religion im Hause. Sie müssen einmal Sabbath und Festtage im Hause erlebt haben, sie müssen von ihren Eltern einmal ins Gotteshaus geführt werden, sie müssen. . . Aber das ist ja die Tragödie des jüdischen Kindes: Im Unterricht hört es von allen diesen Dingen, aber die Eltern tun SCHIEDMAYER Planofortefabrik STUTTGART, Neckarstrasse 12, Ecke uirichatraaae FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM MIETE / TAUSCH / STIMMUNGEN / BEQUEME TEILZAHLUNGEN Pemsoreoher 80841/42 FAMILIENPENSION im bayerischen Hochland vorzüglich eingeführt, wegen »einer ausgezeichneten Führung bestens bekannt zu verkaufen oder zu verpachten. Vorzügliche Existenz, auch als Pensionat sehr geeignet. Auskunft erteilt die beauftragte Firma: Chr. Pfeiffer A.-G. Stuttgart, Schulstr. 17 rran Helene Zipiteri-ifaofinann IM lakwesttr. M » Telefon 23*SS -n-m gründ* lldicn Unterricht im Kl«ri erspiel, Mosiktheorie, Korrepetition und übernimmt Klarler-Uegleltosg.

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