Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 16 (16.11.1927)
- Date
- 1927-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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sucht er unermüdlich, die äußeren Formen seines Glaubensbekenntnisses mit den Ideen seines religiösen Sehnens zu ersüllen. Allein die Menschen, von denen Palliöre Hilfe und Verständnis erwartet, konnten nicht helfen. Für sie alle ist die Wahrheit „ein dogmatischer Lehrinhalt, dessen Autorität man nicht in Zweifel setzen konnte, ohne die Sünde des Hochmuts zu begehen". Elia Benamozegh dagegen wußte, daß die Wahrheit „ein durch Anstrengungen und Opfer zu erkämpfendes Gut ist". Für ihn ist der Glaube Erleuchtung, fühlbares Walten göttlichen Geistes. Im Gegensatz zu den früheren geistlichen Beratern Palliöres vertritt er die Meinung, daß der Menschen zukünftiges Heil nicht an das formale Bekenntnis, sondern an das Ethos seiner Persönlichkeit gebunden ist. — In dieser seiner Ansicht leuchtet der universale göttliche Geist der jüdischen Religion, die Benamozegh nicht als eine in grauer Urzeit offenbarte Nationalreligion aussaßt, sondern als ein Israel zur Pflicht gemachtes Priestertum inmitten der großen, den einen einzigen Gott verehrenden Bölkerfamilie ansieht. Und weil der Segen der Gotteskindschaft auf jedem gläubigen Menschen ruht, deshalb empfiehlt Benamozegh dem jungen Palliöre nicht den bedingungslosen Uebertritt, sondern zeigt ihm 493 — die Wege zum messianischen Gottesreich, das dereinst alle Menschen eilten wird. In diesem Hinweis liegt Ijdie Bedeutung des vorliegenden Buches, das mächtig an das Gewissen jedes religiösen Menschew<rührt. Wer sich Jude nennt, ist Träger heiliger Verpflichtungen gegen Gott und die Menschen — und wer sich zu Gott bekennt, muß den Schöpfer auch dadurch verehren, daß er im Nebenmenschen den Bruder und Weggenossen achtet. Hell leuchten Palliöres Erkenntnisse in die Brutstätten der Verleumdung und des religiösen Hasses und fordern Brüderlichkeit, Liebe und Besinnung. Aber auch uns Juden ist diese Bekenntnisschrift eine Mahnung, die nicht überhört werden sollte. Denn sie beweist, wie unerläßlich das altehrwürdige Ritual und die hebräische Sprache für die seelische Geschlossenheit unserer Glaubensgemeinschaft sind, und vermittelt die Ueberzeugung, daß Israel seine Sendung nur dann erfüllen kann, wenn es reinen Herzens sich zum Glauben seiner Väter bekennt. Möge Pallieres Stimme in der ganzen Welt, bei Juden und Nichtjuden gehört werden und mögen alle, die sich zu Gott bekennen, aus diesem Buche die Ueberzeugung gewinnen, daß e i n Schicksal und eine Hoffnung alle Menschen verbinden. Der Fortbildungskurs für Auf eine Anregung der badischen Rabbinervereinigung hin hatte der Oberrat der badischen Israeliten die Rabbiner Südwestdeutschlands zu einem Fortbildungskurs eingeladen, der in Karlsruhe vom Sonntag, den 30. Oktober, bis zum Dienstag, den 1. November, in den herrlichen neuen Räumen, die der Oberrat vor kurzem bezogen, stattfinden sollte. Vierzig Rabbiner aus Baden, Bayern, Hessen und Württemberg hatten der Einladung Folge geleistet. Der Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg, Dr. E. Täubler, behandelte in der ersten Vorlesung das textliche u. literarische Problem des die Rabbiner in Karlsruhe. 5. Kapitels des zweiten Samurlbuches. Er verstand es, in überaus fesselnder und anregender Darstellung die Schwierigkeiten dieser Bibelstelle zu entwickeln und zu ihrer Lösung wertvolle Hinweise zu bieten, die nicht nur für diese Stelle, sondern sür die gesamte Behandlung der biblischen Probleme von höchster Bedeutsamkeit sind. In das praktische Leben d-s Rabbiners führte der Professor der Pädagogik an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, Direktor Dr. Ott, ein, indem er geistvoll Gegenwartsfragen der Erziehung, des Wissens und der Bildung erörterte. Er schilderte zunächst Cartesius als den morn Filrirc Paulinenstr.SB STUTTGART Fernruf Nr« 62906 empfiehl t prima fleischige Gänse, Enien, Hahnen, feite Suppen - Hühner ferne»: lebende Flußfische aller Art Prompter Versand nach auswärts IM NEU ERÖFFNET! Wilhelm 11 9 W/eißburger am „Bollwerk" STUTTGART GARTENSTRASSE 48 Telefoa UIM HERDE UND ÖFEN F0R KOHLE U. GAS ALLEINVERKAUF VON RIESCHELS GRUDEHERDEN