Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-10-01 · 13 (1.10.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
13 (1.10.1927)
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4904101-5441811-5442980--1433-4905437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— S» — Hieraus definierte der Redner, z»m Kernpunkt seiner Ausführungen überleitend, den Begriff ,Lugend" durch eine Formel, die sicherlich nicht den Beifall aller, die zur Jugend überhaupt Beziehung haben, finden konnte. Dr. Simon verstcht unter Jugend und Jungsein „Unabhängigkeit vom ökonomischen Muß" — «ine Ausfassung, die unsere- Erachtens viel zu eng und einseitig ist, um die Fülle aller, den jugendlichen Menschen kennzeichnenden Gefühls- und Charaktermomentc zu umschließen. Wir glauben, daß der gerade der Jugend eigene Sturm und Drang, der nicht zuletzt in den meisten Fällen ein tiefes und reines Ethos in sich birgt, so einfach und einseitig nicht definiert werden kann. — Im weiteren Verlauf des Vortrags untersuchte der Redner die Möglichkeiten, den revolutionären Drang unserer Jugend auch innerhalb des wirtschaftlichen Muß zu erhalten und die Affinität unseres jungen Menschen zur Fülle der objektiven Werte, wie sie die Thora in so reichem Maße birgt, zu verstärken. Er ist der Ansicht, daß, trotz aller Bestrebungen der Jugendvereine, zur Zeit noch recht wenig von einem organischen Hineinwachsen in diese Fundamentalgebiete zu »erspüren ist. Die Gründe hierfür sieht Dr. Simon in der immer mehr zunehmenden Ueberftemdung unserer in der Thora festgclegten religiösen Werte durch die Berufsfrag«. Zwei feindliche Heerlager stehen sich gegenüber: Das der ganz materiell eingestellten, an keinerlei Reflexion gebundenen Menschen, und das der unentwegten Idealisten. Die sich aus dieser Situation ergebenden Probleme glaubt Dr. Simon durch eine Neuordnung unseres jüdischen Jugendgottesdienstes, der, in seiner heutigen Form, dem Jugendlichen zu wenig Aktivität gewähre, und durch intensives Hineinbeziehen der Jugend in die soziale Fürsorge lösen zu können. Durch solche charitative Arbeit in der Gemeinde, ohne Unterschied zwischen Stand und Vermögen des Einzelnen, glaubt Dr. Simon die Wirkungen abzuschwächcn, die durch die oft plutokratische Schichtung Hder jüdisch» Gemeinden ausgelöst werden. Auch das „Lerne n" sei in hervorragendem Maße dazu geeignet. Alt und Jung zu gemeinsamer Arbeit auf würdigem Gebiete zusammenzubringen. Zum Schlüsse streifte der Redner noch die Frag« nach geeigneten FührerpersönlichkeitNn unserer Jugend und erntete von dem leider nicht allzu zahlreichen Publikum, das sich merkwürdigerweise zumeist aus Aelteren zusammensetzte, verdienten Beifall. In der sich anschließenden Diskussion sprachen Lehrer Adelsheimer, Rabbiner Dr. Cohn — dessen Apell an die jüdischen Eltern hoffentlich nicht allzuschncll vergessen wirb —, Dr. Haha«, Alfoed He»i, Rothschild und Hans Sternheim. Da» Schlußwort hatte Dr. Simon, der noch einige sehr beachtenswerte und hoffentlich auch in Stuttgart zu verwidklichend« Anregauge» gab. E.St. Stuttgart Berthold-Aüerbach-Berei n.Am Dienstag, den 20. September 1S27, sprach im BAB. vor einer zahlreichen und interessierten Zuhörerschaft Maler Ignaz Kaufmann über „Die zeitgemäße Wohnung." In einem kurzen geschichtlichen Ueberblick stellte der Redner zunächst die bisherige Att des Bauens dar, die bedingt gewesen fei durch die bisherigen Baumaterialien, ohne daß allerdings ein diesen Baumaterialien eigener Baustil gefunden worden sei. Hieraus ging der Redner auf den gegenivärtigen Baustil ein, der geformt werde von dem Eisenbeton und den aus seiner Erfindung sich ergebenden Banmöglichkesten. Dabei hob der Redner vor allem hervor, daß die Wand bei dieser Bauweise nur mehr eine isolierende und schützende, nicht mehr auch wie bisher eine tragende Funktion habe. Sodann schilderte Ignaz Kaufmann die einzelnen Typen des heutigen Hausbaues: Mietsblock, Reihenhaus, Einzelhaus, Siedlung, und bcrührtx einig^,besonders hervorragende Neuerungen (Abkehr vom rechtwinkligen Grundriß; maschinenmäßige Herstellung der Bauelemente; Flachdach). Endlich O* richtete Ignaz Kaufmann über die besonderen Merkmale der modernen. Inneneinrichtung. In eine« zweite» Teil seines Bottrags brachte der Redner eine Reih« gut gelungener Aufnahmen von der gegenwättigen Werkbuüdausstellung auf dem Weißenhof in Stuttgart -j*t Vorführung, wie der Redner überhaupt die Beispiel« tß seinen Ausführungen mit Recht fast ausnahmslos dieser Siedlung entnahm. In einer anschließenden, sehr lebhaften und den Vottrag wertvoll unterstützende» Dis« kussion fordette Rechtsanwalt R i ch h «i m « r» daß über der Zweckmäßigkeit, die bei dem gegenwättigen Baustil in den Vordergrund gestellt werde, nicht die Acsthetik vergessen werde. Architekt Eugen setzte sich vor allem mit Corbusier, wohl dem umstrittensten der modernen Architekten, auseinander. Dr. Gust. Einstein ging in bemerkenswetten Ausführungen auf die tiefere» Gründe der modernen Bauweise ein. Endlich betonte Rechtsanwalt Dr. Tänzer, daß das Verständnis der modernen Bauweise eine Frage der Gcwöhnnng sei. — Bottrag und Aussprache wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Sie beide dürsten die Zuhörer in die wichtigsten Probleme der modernen Wohnungs-Architektur eingefühtt haben. Stuttgart. Wir werden um Aufnahme folgender Entgegnung ersucht: SEM R.MÜLLCR PfLZMODEN-HAUJ STUTTGART

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.