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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-10-01 · 13 (1.10.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
13 (1.10.1927)
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
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— 387 — als alle Diskussionsabende und Vorträge in unseren Jugendvereinen ist das Erlernen des Hebräischen. Noch ein anderer Eindruck sei wiedergegeben. Es ist etwas rein Subjektives, rationell nicht Klarzulegendes — „wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdets nicht erjagen." Wie noch nie verstand ich, was eigentlich in dem Worte des Propheten Jona liegt: Jbhri anokhi Jude bin ich. In Basel war man Jude, nur Jude, nichts als Jude. Keine Besorgnis: „was werden die Andern sagen?" kein Zwang, keine unwillkürliche Zurückhaltung, keine innere Unfreiheit, keine „Maske", wie Mossinsohn in einer Veranstaltung des Nationalfonds sagte. Man war Jude mit der größten Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit. In den Lese- und Frühstückssälen der Hotels, wie in den Versammlungsräumen saßen Rabbiner im Kastan mit bedecktem Haupte. Auf den Straßen diskutierten Grupven lebhaft Kongreßprobleme in deutscher, jiddischer oder hebräischer Sprache. Vor dem Kongreßgebäude tanzte eines Abends die Jugend „Horra". Warum auch nicht? Jbhri anokhi, sind wir denn nicht Juden? Am Sabbath jand in der Baseler Synagoge Festgottesdienst statt. Ter große Raum war überfüllt. Viel beachtet wurde der sephardische Oberrabbiner von Tel Awi.v, Rabbi Usiel, der in seiner malerischen orientalischen Tracht erschienen war. Sokolow, der Präsident der Exekutive, und Ussischkin, der Präsident des Nationalsonds, die zur Thora gerufen wurden, erhielten einen besonderen „Mischeberach", wie es sich für die Häupter des Volkes ziemt. Rabbi Meir Berlin, der bekannte Misrachisiihrer, trug die Hastara vor - in rein sephardischer Aussvrache. Ter Baseler Rabbiner, Tr. Weil, selbst Misrachist, hielt die Festpredigt. Zuerst gedachte er Herzls, der vor 30 Jahren zu derselben Zeit in dieser Synagoge weilte. Tann sprach er von dem Aroßen, das die zionistische Bewegung schon für das Judentum geleistet, und wandte sich gegen die Unterstellung, daß der jüdische Nationalismus mit dem Universalismus in Widerspruch stehe. Der Prediger wandte sich gegen jene, die im Zionismus eine Gefahr für die jüdische Religion sehen wollen, und ganz vergessen, daß der Zionsgedanke und die Zionsliebe ein Kernstück der jüdischen Religion und unserer Gebete ist. Mir kam ein Wort Herzls in den Sinn, als ich das alles hörte: „Die Rabbiner werden »ns zuerst versichert, sich zuerst für die Sache begeistern und von der Kanzel herab die andern begeistern." Nun — jedenfalls — dieser Rabbiner hat verstanden. Während der Kongreßtage ereignete sich ein Trauersall: ein Delegierter aus Beßarabien, der seine ganze Kraft in den Dienst des Keren Hajessod gestellt hatte, starb in Basel, wenige Tage nach seiner Ankunft, na<A>em er noch in einer Sitzung mittätig gewesen war. Auf dem Platz vor dem Kongreßgebäude wird eine Trauerseier veranstaltet. An dem großen Davidsschild über dem Portal des Hauses glühen die elektrischen Lämpchen auf, aus den beiden hohen Psleilern rechts und links des Platzes lodern Flammen empor. Inzwischen ist der Leichenwagen airgelangt. Gedrängt, in tiefem Schweigen steht die Menge. Ussischkin redet: ein« kurze, schlichte, hebräische Ansprache, ohne Spur von Pathos — aber sie greift ans Herz. „Tr war ganz unserer Sache ergeben," sagte er etwa, „sein Leben galt seinem Volke. Jetzt wird er tot zu uns gebracht. Er hatte nicht das Glück, in Erez Israel zu sterbe», aber er durfte wenigstens an der Schvclle des Landes sterben. Tenn dieser Kongreß ist die Schwielle Erez Israels." Tann besteigt einer aus der Meiose, vielleicht ein Cha sair, anscheinend aus Polen, die kleine Tribüne und rezitiert ein „El mole rachamin". Nichts Kantorales, keine Kunst — aber Innigkeit und jüdische Echtheit. Hier weint die Seele Israels. Und in der Menge bleibt kein Auge trocken. In den zionistischen Reihen bestehen starke Gegensätze, verschärft durch die wirtschaftliche Not in Palästina. Religiöse und Antireligiöse, Bür gerliche und Sozialisten, „Regierungstreue" und Oppositionelle bekämpfen einander. Aber niemand denkt daran, diese Tatsache vertuschen, nach außen hin verheimlichen zu wollen. Ja, der bedeutendste Oppositionsführer, Jabotinsky, ein Redner von hinreißender Gechalt, hält am Abend vor der Kongreßeröffnung eine Versammlung, zu der sich ein ungeheures Publikum drängt, und trägt un gescheut und unbekümmert um die wahrscheinliche Anwesenheit vieler Nicht- und Antizionisteu ' seine Kritik der zionistischen Leitung vor. Weshalb soll man auch die inneren Gegensätze und Kämpfe verheimlichen? Stärker als alles Trcn »ende ist im Zionismus das Bindende, alle inneren religiös-kulturellen, wirtschaftlichen, politi- BH m iimmai <§) I MAUXION _ flostlicl?/ Begehrt und, Sendymt

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