Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-10-01 · 13 (1.10.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
13 (1.10.1927)
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4904101-5441811-5442980--1423-4905427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

währt. Der Kongreß forderte insbesondere eine Beteiligung der Juden an allen Polizei-, Sichecheits- und Verteidigungsformationen des Landes. Ein Antrag Nahum Goldmanns auf Einberufung eines Kongresses über die Fragen der Jewish Agency wurde abgelehnt und die Entschließung der Exekutive zum Zwecke einer wirksamen Zusammenarbeit aller Juden am Aufbau Palästinas im Geiste der Balfour-Deklaration und des Mandates mit 99 gegen 19 Stimmen angenommen. Insbesondere wurde bestimmt, daß der Präsident der zionistischen Organisation in jü>em Falle auch der Präsident der Jewish Ugency ist. Die Verhandlungen mit den jüdischen Gemeinschaften aller Länder zur Teilnahme an der Jewish Agency sollen tatkräftig ausgenommen werden. Die 15. Sitzung am Freitag, den 9. September, beschäftigte sich mit Organisationsfragen. Die Kommission für diese Fragen war der Ansicht, daß sich die Landesorganisationen stärker als bisher der ideologischen Auseinandersetzung mit den Nichtzionisten zuwenden sollten. Am 10. September wurden in der 17. Sitzung Beschlüsse über das Erziehungswesen nach einem Referat von Dr. Mossinsohn gefaßt. An diesen Teil der Sitzung schloß sich die Beschlußfassung über die Vorschläge der landwirtschaftlichen Kommission an. Am 11. September hielt die vom Kongreß gewählte Anleihekommission ihre erste Sitzung. Sie wird ihren ständigen Sitz in Paris nehmen. Ihr Vorsitzender ist Naiditsch. Die 16. Sitzung des Kongresses wurde mit der Spezialdebatte über die Anträge der Organisationskommission ausgefüllt. In seiner Schlußsitzung hatte der Kongreß ein Gesamtbudget in Höhe von 631 000 Pfund angenommen, von denen 106000 für die Landwirtschaft, 65000 für die Arbeit, und 53 000 für die Erziehung bestimmt sind. Das eigentliche Palästinabudget beläuft sich auf 469 000 Pfund. Bevor der Kongreß zu den Wahlen der neuen Leitung und des Aktionskomitees schritt, gab Dr. Weizmann die Erklärung ab, daß die vorgeschlagene Exekutive durchaus nicht als eine den Arbeitern unfreundliche zu betrachten sei. Ihre Organisationen werden ausdrücklich von der zionistischen Organisation und allen ihren Institutionen anerkannt. Insbesondere verpflichteten sich die letzteren, nur gewerkschaftlich organisierte Arbeiter zu beschäftigen. Auf Vorschlag Blumcnfclds wurde hieraus Dr. Weizmann mit 113 gegen 54 Stimmen zum Präsidenten der Organisation gewählt, ebenso Sokolow mit großer Majorität zum Leiter der Exekutive. Dagegen erhielten deren weitere Mitglieder Tr. Eder, Lipsky, Rosenblüth, Colonel Kisch, Rechtsanwalt Sacher und Fräulein Henrietta Szold nur 83 von 145 Stimmen. An die Verkündung der Wahlergebnisse schlossen sich die Erklärungen der oppositionellen Führer an. Nach Verkündung der Wahlergebnisse am Sonntag morgen gegen 6 Uhr brachte die Mehrheit den Gewählten eine stürmische Huldigung dar, die mit ironischen Rufen der Gegner beantwortet wurde. Sokolow hielt eine Schlußansprache, in der er lebhaft forderte, für die nationale Jnnenanleihe überall einzutreten. Motzkin hielt die Schlußansprache, worauf der Kongreß mit dem Gesang der Hatistvah Hymne sein Ende fand. Impressionen vom 15. Zionistenkongreß Von Rabbiner Dr. Schlesinger,Buchau. Wer als gesinnungsmäßig Zugehöriger erstmals einen Zionistenkongreß besucht, ist von der Fülle der Eindrücke zunächst überwältigt. So ging es wenigstens mir in Basel. Ich beschloß daher, mich von vornherein weniger auf die offiziellen Verhandlungen selbst zu konzentrieren, die man schließlich mit größerer Sammlung in der „Kongreßzeitung" Nachlesen kann, als vor allem ans das während der ganzen Zeit im Kongreßsaal und Kongreßgebäude, in den Straßen, in den überfüllten Hotels und Cafes der Stadt flutende zionistische Leben. Dieses scheinbar Nebensächliche interessierte mich am meisten, und .einige der gewonnen Eindrücke, nichts vom Kongreß.selbst, möchte ich hier wiederzugeben versuchen. Das erste, was ich seststellen konnte, war: Die hebräische Sprache lebt wieder! Ueberall hörte man Hebräisch. Freilich wurde auch viel englisch und jiddisch gesprochen — ich hörte vor allem das Hebräische. Auf dem großen Platz vor dem Kongreßgebäude, im Saal und in den Wandelgängen, auf den Straßen und in den Hotels — ein schönes, klangvolles sephardisches Hebräisch, nicht zur Feier des TageS, nicht zu Demonstrationszwecken gesprochen, sondern als lebendige Umgangssprache. Das Hebräisch« lebt wirklich, und viele, die es nicht selbst sprechen, verstehen es wenigstens. Es wurden besondere hebräische Nebenveranstaltungen abgehalten, und man beabsichtigt einen hebräischen Weltkongreß vorzubereiten und eine Organisation für hebräische Sprache und Kultur zu schaffen. Unseren Jugendvereinen eröffnet sich hier rin weites Feld. Lernt Hebräisch! Ohne ein gewiffes Mindestmaß hebräischer Kenntnisse versteht man die wirklich lebendige jüdische Welt nicht mchr. Wichtiger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.