Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 12 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Belongs to
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— 352 der Umbildung und Einbürgerung der Pflanzen, Tiere und Menschen. Tie Sprache, in welcher der Mensch denkt, die Schule, die seinen Geist und seine Seele formt, die geistigen Strömungen, die uni ihn branden und ihn in ihren Bann zwingen, nötigen dem Menschen ihre Gesetze auf. Ter Tculsche, der nach Frankreich, nach England, nach Uebersee auswandert und sich dort beheimatet, wird dort akklimatisiert, ob er will oder nicht! Tas Entstehen der neuamcrikanischen Rasse im „Schmelztiegel' der amerikanischen klimatischen und kulturellen Umwelt ist der unwiderlegliche Beweis dafür, daß die „Rasse" nichts konstantes ist, sondern daß selbst bei stärksten Ei.^enenergien hier ein Stärkeres eingreift: Tie Natur zwingt, bindet, gestaltet und spottet aller Gegenwehr. Tie deutschen Jaden mögen, wie übrigencalle Stämme Teutschlands aus Asien eingewandert sein auch die germanischen Einwanderer waren bis zur Seßhastwerdung Nomaden —, sic sind in Teutschland verwurzelt, in seine Weit hineingcwachsen, sie leben hier unter dem Zwange seines Bodens und seines Klimas, seiner Spraye, seiner Kultur und sind durch sie umgebildet und nmgeblutet worden. Ihr Einswerden mit dieser Umwelt ist eine Naturnotwendigkeit ee.vesen.' Ter Einzelne mag gegen die Umgebung anzukämpfen wagen, er wird sich endlich mit ihr » auscinandcrsetzen müssen, d. h. ^ich in sie einordnen, einreihen, einfügen. Sein Kampf ist so ungleich, daß er mit einer Niederlage enden m u ß. Tarum sind die beiden Hefte, die vom Zentralvcrcin und vom K.C., dem ätanellconvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens, ihrem derzeitige^ geistigen Führer, Tr. Ludwig Holländer, zu seinem fünfzigsten Geburtstage gewidmet worden sind, die C.V.- ZeitungSsondernummer „Unsere Mitarbeit an der deutschen Kulturwelt" und die Fcstnummer der K.C.-Blätter literarhistorisch und geschichtsphilosophisch hochinteressant, aber in ihrem Endergebnis Selbstverständlichkeiten: Tie deutschen Juden sind leine Eindringlinge -- keine Schmarotzer, sie sind bodenständig und gleichberechtigt krast des Gesetzes des MutterbodenS und des Vaterlandes, in dem sie seit fast zwei Jahrtausenden wurzeln, und kraft ihrer Mitarbeit am deutschen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leben. Welchen Wert haben also die beiden Sonderhefte? Fritz Engel gibt aus diese Frage im Sonderheft der C.V.-Zeitung eine Antwort, die zu ernster Nachdenklichkeit zwingt: „Warum fragen wir. warum lassen wir uns die Frage ausdrängen, ob wir „dazu gehören"? Es ist noch ein Rest von Ghettofurcht, wenn wir erwägen und darüber grübeln, ob wir geistig gleichberechtigt sind. Wir fühlen immer noch auf unserem Gewand den ruchlosen gelben Fleck und glauben, ihn zudecken zu müssen!" Er hat damit durchaus Recht: Es ist ein Stück noch nicht überwundenen Ghettos, daß ixir uns so viel mit der Frage beschäftigen, was die Anderen von uns deuten, von uns halten, über uns sagen. Tie Beschäftigung mit dieser Frage ist ein Zeugnis dafür, daß uns die Sclbstsicherheit der Bodenständigkeit fehlt. Tenn im Grunde empsinden es alle deutschverwurzelten Juden peinlich, daß sie immer von neuem Nachweisen müssen, daß sie keine Verbrecher von Natur, keine Meineidigen von rasse- und rcli- ^CHEVROLET Der beste Reisewaben R. Mark Touren wo gen, offen 3925.— Tourenwagen, Luxus 4425.— Limousine, 2türig . . 4425.— Limousine, 41ürig . . 4895.— Preise ab Werk FORDERN SIE AN6EB0T! voMfä Königstr. 3 Stuttgart Td. 28041 42 Tourenwagen offen (5-Sitzer) RM. 3925.