Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 8 (16.7.1927)
- Date
- 1927-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 20)
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— 250 — Schauen. Und doch hört man oft gegen seine Malerei den Vorwurf der Kälte aussprechen. Diese vermeintliche Kälte ist nichts anderes als Phrasenlosigkeit, Mangel an Sentimentalität. Seine Kunst ist stolz, zurückhaltend, keusch, ganz frei von jedem Effekt. Wer Liebermann als scharf« Intelligenz versteht, wird seiner Kunst nicht gerecht. In seinen Reden ist er oft geistsprühend, voll Esprit. Aber als Künstler ist er naiv. Gewiß muß man zugeben, daß seine Naivität keine primäre ist, daß sie vielmehr der Kultur abgerungen ist; er tritt stets der Natur ganz unvoreingenommen gegenüber, versenkt sich mit ssisiner ganzen Innerlichkeit in die Natur, so daß er trotz Kultur, trotz "Zivilisation und Bildung ein naiver Künstler ist. So ist es zu erklären, daß der Berliner jüdische Mil.ionärssohn ein naiverer Baucrnmaler wurde als der normannische Bauer Mittet. Liebermann hat von vielen gelernt, von Steffek, Pauwel, Munkacsy, Menzel, Milet, 'Leibl, Israels, hat sich an Rembrandt und Franz Hals gebildet. Wenn auch in manchen seiner Jugcndwerke der Einfluß seiner -Lehrer hervortritt — seine Gänserupserinnen sind in Anlehnung an Munkacsys Charpiezupferinnen entstanden, seine Kartoffelernte und Arbeiter im Rübenfeldc erinnern an Milletsches Pathos, seine Netzflickerinnen an Israels' Stimmungsmalerei — so konnte, ja mußte sich durch sein rassiges Temperament, durch sein schöpferisches Talent, durch sein geniales Künstlertum ein eigener Stil entwickeln. Entscheidend für die Entwicklung seiner eigenen Richtung ist Holland geworden, und immer wieder, nachdem xr längst die 'Lehr- und Wanvecjahre hinter sich hatte, kehrt er zu Studienzwecken nach Holland zurück. Italien war ihm zu schön, zu pittoresk, Holland nennt er „das Land der Malerei par exzcllence." Er selbst schreibt über Holland: „Tie Nebel, die aus dem Wasser emporsteigen und alles wie mit einem durchsichtigen Schleier umfluten, verleihen dem Lande das spezifisch Malerische. Die wässerige Atmosphäre läßt die Härte der Konturen verschwinden und gibt der Luft den silbrig grauen Ton. Die grellen Lokalfarben werden gedämpft, die Schwere der Schatten wird aufgelöst in farbige Reflexe." Holland hat ihn zur Hellmalerei geführt; er rückte seine Staffelei ins Freie und ließ Licht und Luft, Land und Leute auf sich wirken. Während er noch in Paris und Barbizon helle Flecken auf dunklem Grunde gemalt, stehen sie in Holland dunkel auf hellem Grund. Als Liebermann im Jahre 1872 „Häuser in Scheveningen", „Lotsenbuben" und „Frau mit Schweinekoben" malte, wußte er nichts von der Hellmaleyei der Franzosen. Er hat in der silbrig grauen Atmosphäre Hollands, ganz unbeein jlaßt von Manet und Monet, jene hellen klaren Töne gefunden. In Holland empfing er auch die Ideen zu vielen seiner Werke. In der Synagoge zu Amsterdam entstand die Anregung zu seinem „Christus im Tempel", das Bild, das ja in München wegen der realistischen Auffassung des Stoffes einen Riesenskandal hervorrief. Die entschiedene Ablehnung des Bildes hat ihm mehr weh« getan als alle anderen Enttäuschungen "m seiner künstksrischen Laufbahn, weil er empfand, daß die Angriffe gegen seinen CHKstus im Tempel sich nicht nur gegen das Bild, sondern auch gegen den Künstler, den Juden, richteten. Die Hellmalerei, die schon in den siebziger Jahren einsetzt, erfährt immer noch Rückfälle. Aber schließlich wendet er sich ganz der Freilicht- und Hellmalerei zu und die Bewegung in der Natur gewinnt immer mehr die Aufmerksamkeit des Künstlers. Das Zittern der Sonnenflecke in der Freistunde des Amsterdamer Waisenhauses und im Altmännerhaus (nur das Altmännerhaus CANNSTATT APPARATE BEDARF ARBEITEN GOnstigstt Bezug »quoll» E KLEIBER * Photo-Handlung UV Ecke KSnifand EUenbahnsirasie "MV PHOTO Kauft ITTERS Schokolade Kremschokolade / Pralinen Dessert-Stangen Bonbons ausgezeichnete Qualität! Wtlkeiautr. 10, FUrUslr.53, lakaltblr. 20 w i * Erst« Cuiiltlter Max Nebel SaSSsSuSMiMuS Spezialgeschäft für Stärk- und feine Fomlltenwäsdie Waiblingcrstrafc 5 / Fernruf 51531 Abholung zu jeder Zeit kostenlos darxh Kraftwogen aufft bei unseren Inserenten!