Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 10 (16.8.1926)
- Date
- 1926-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 20)
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Aus der jüdischen Märchen« und Sagenwelt. 66. Das geliehene Ei. Die Edelknappen des Königs David saßen beim Male. Einer der jungen Knaben war hungriger als seine Genossen und er bat den Kameraden zur Rechten: „Gib mir eines von deinen gekochten Eiern." Der sprach: „Umsonst gibt es hier nichts. Ties Ei ist dein, wenn du mir feierlich versprichst, das Ei in einem Jahre mit Zins und Zinseszinsen zurückzuerstatten." Der Edelknabe verpflichtete sich feierlich das zu tun. Das Jahr war zu Ende. Da erinnerte ihn der Freund an die Schuld. Der Jüngling sagte: „Ich weiß nicht, wieviel ich dir zu zahlen habe." Ta stellte ihm sein Kamerad die folgende Rechnung auf: In einem Monat wird aus dem Ei ein Küchlein; im Monat darauf bringt dieses Huhn 18 Küchlein, im dritten Monat erzeugen die 18 je wieder 18. und so geht es weiter von Monat zu Monat. Ter Knabe war entsetzt, als er erfuhr, daß seine kleine Schuld zu einer Riesensorderung angewachsen war. Er brachte seinen Streit vor den Richterstuhl des Königs, und David entschied, daß die Forderung zurecht bestände. Nickergeschlagen verließ der Edelknabe den Gerichtssaal. Bor der Türe spielte der kleine Salomo. Er mochte den Edelknaben gut leiden und fragte .ihn, warum er den Kopf hängen ließe. Ter Knabe erzählte dem Salomo von seinem großen Unglück. Da riet ihm Salomo: „Nimm ein Maß gekochter Bohnen und, wenn du morgen mit dem König draußen auf dem Lande bist, so säe die gekochten Bohnen einzeln in die Furchen, aber so, daß König David dich bei deiner Arbeit sieht. Er wird dich sicher fragen: „Was tust du da? Willst du gekochte Bohnen als Saat derwenden?" Dann sage ihm kühn: So gut wie aus gekochten Eiern nach des Königs Spruch lckendige Küchlein werden, werden die gekochten Bohnen reichen Ertrag bringen." Am nächsten Morgen tat der Knabe, wie der junge Königssohn ihm geraten. Tatsächlich fragte ihn der König: „Bist du von Sinnen, daß du gekochte Bohnen aussäest?" Und ganz wie Salomo ihm geraten, erwiderte der Gefragte: „Wenn nach des Königs Wort aus dem gesottenen Ei viele tausend Küchlein werden können, wird auch aus gekochten Bohnen der Ertrag mir reifen." Da lachte der König David hell auf: „Das hast du nicht aus dir! Wer hat dir das geraten?" Und als der Knabe ihm erzählt, daß ihm Salomo diesen Rat gegeben, sprach der König: „Gib deinem Gläubiger ein gekochtes Ei zurück, mehr bist du ihm nicht schuldig." Dann aber schrick er in das Psalmenbuch: Herr, du gabst dem König das Recht des Richters, das rechte Urtefl aber gabst Du dem Sohn des Königs (Psalm 72,1). 67. In Gottes Welt hat alles seinen Sinn. Der König von Babylon' fragte einmal den weisen Josua, den Sohn des Sirach: „Wozu hat Gott die Hornisse und die Spinne geschaffen, die doch keinen Nutzen bringen?" Da erzählte ihm der Weise: „David saß einmal in einem Garten und sah eine Hornisse eine Spinne verzehren. ULM X □bersdiwabisdie X Kohlentiandelsgeseilschaft ».». Ulm a. 0. La|«r: Blaubeurerstrasae. cTCoRlen / CloRs <3riReffs / <JColz Düngemittel, Torfstreu, Torfmull Sie finden Sie suchen eleklrlsdien Koch- und Helzapparnton Albert Falsdiebner, llma.D. Telephon 764 Hirschstraße 12 *Dl. Qfeiffer j JSiditbildner j r\ri ’JCönig ‘Wilitlmitr. 1 X *2Clma.®. TSthfoit 611 j Pf af f-Nähmaschinenhaus Inhaber: Otto Pabst Fernsprecher 464 Ulm a. D, Hirschstraße Nr. 6