Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 6 (16.6.1926)
- Date
- 1926-06-16
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- [Seite] (sequence 1)
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Gememdesettuns für -re Lsraelitischen Gemeinden Württembergs Stjngipttla: <taftt|lk0Ud|SefleUgcibffil|il.4R<t<t|sinnzk Verlag: Israelitische verlagoaastalt G. m. d. ft. feralprrcher Z.-JL Kitt (mit stlr Dtdngrabttg.) Jlnjetg «npr*l»i 6k ctntpatttg« TlonpacetUejeUe oder Octea Raum so Retd)»p|enntg faatutenan »eigen noO tittn« fmjetgcn 6k KletnjeUe *0 Retdiapfamlg Reklame 1.50 Reichsmark 9et wkdeicholaagea DetgflnfUgmig Poftftl|«fc-Konto i Mt 5* €tfa»dn> monatlich jaxtannl am l.u. 14. Schrtftleltuag; Stodtraddiaer vr. Uteger, Stuttgart Lharlolteaftrape 13. III. Jahrgang Stuttgart, 16. Toni 1-26 Nr. 6 Amtliche Bekanntmachungen. Rabbinat Ulm. Betrifft: Ist. Fürsorge-Amt Ulm! Girokonto der Städt. Spark, l 094 Tie verehrlichen Gemeindemitglieder werden im Interesse einer geregelten und gerechten Abfertigung der | Wanderarmen erneut gebeten, alle HUfesuchenden an die Kasse des Israelitischen Fürsorge-Amts zu weisen. Um aber diese Wanderarmen weiterzubefördern und ihnen zudem noch ein« Gabe mitgeben zu können, sind größere Mittel notwendig. Wir bitten daher dringend, die den Armen zugedachten Gaben an das Fürsorge-Amt gelangen'zu lassen, um so allen Anforderungen gerecht werden zu können. Zugleich bitten wir auch um Spenden, um. unseren Armen i nnerhalb der Gemeinde helfen zu können. Tie Not ist groß und hie Kasse -ist leer. Rabbinat Ulm: Straßburger. Die Israeliten Württembergs auf Grund der Volkszählung 1925. Tas seit einiger Zeit vorliegende Ergebnis der letzten Volkszählung bietet eine Reihe wertvoller Angaben über die Verteilung der Juden in Württemberg. In ö Oberämtern leben überhaupt keine Juden. Absolut gerechnet sind sie am zahlreichsten in Stuttgart mit 4548 d. i. 1,3 Prozent. Tagegen bilden die Juden in Rexingen 31 Prozent der Gesamtgemeinde! Eine stärkere jüdische Einwohnerschaft besitzen im fränkischen Unterland die Gemeinden Oehringen, Mergentheim, Crailsheim, Niederstetten und Berlichingen, im Tonaukreis Buttenhausen, Buchau und Laupheim, im Schwarzwaldkreis der Horber Bezirk. Es bestanden in Württemberg 1926 46 jüdische Gemein-! den, während Juden in 143 Orten wohnten. Während die Gesamtbevölkerung Württembergs von 1885 mft 2,08, über 1910 mit 2,44 auf 1925 mit 2,58 Millionen Einwohnern gestiegen ist, lebten 1895 11887, 1910 11982 und 1925 10766 Juden im Lande. Sie haben also 1895 0,6, 1910 0,5, 1925 0,4 vom Hundert der Bevölkerung des Landes ausgemacht. Die jüdische Bevölkerung Württembergs zeigt demnach einen überaus bedeutenden Rückgang, der noch schärfer in die Erscheinung tritt, wenn man ältere Zählungen zum Vergleich hrranzieht. Noch im Jahre 1880 lebten 13326 Juden im Lande. Die Gesamtbevölkerung des Freistaates Württemberg ist dagegen dauernd gewachsen. Sie hat seit 1910 um 6,4 Prozent zugenommen. Die jüdische Geburtenzahl in Württemberg betrug 1913 14 o/o° gegenüber der gesamtdeuschen Güburtenfrequenz von 28,29 <y00. Die jüdische Geburtenziffer fiel 1917 auf 7,2 °/oo und hob sich 1920 auf 14 Geburten aus tausend Juden. Bei dieser Zahl ist die Geburtenfrequenz seitdem stehen geblieben. Noch ungünstiger ist die Eheschließungsziffer. Im Jahre 1923 wurden 81 Mische Ehen geschlossen, von denen 25 Mischehen gewesen sind. Dagegen sind im Jahre 1924 nur 57 jüdische ' Ehen geschlossen worden, von denen 27, also beinahe die Hälfte Mischehen gewesen sind. Die Eheschließungsziffer für das Jahr 1925 beträgt 67. von denen 13 Mischehen waren. Diese Zahlen reden eine überaus ernste Sprache. Sie beweisen einerseits, wie unsinnig das völkische Gerede von einer Ueberflutung des Landes mit Juden ist. Sie zeigen andererseits in dem Rückgang der Geburtenziffer und der Eheschließungszahl eine Erscheinung, deren ganzer Ernst in jüdischen Kreisen noch nicht voll begriffen ist. Das Anwachsen der Zahl der Mischehen ist ein gleichzeitiges Zeichen daftir, daß ein nicht unbedeutender Teil der erwachsenen jüdischen Jugend den inneren Zusammenhang mit der jüdischen Gesamtheit verloren hat. Es ist nur ein geringer Trost, daß auch die Statistik in anderen Teilen Süddeutschlands unter den Juden ähnliche betrübende Erscheinungen aufweist.