Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 11 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 258 (sequence 32)
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258 - stallende Kraft sollen die biblische Geschichte der Jagend als Erlebnis vermitteln. Deshalb können die besten Lehrbücher deS Unterrichts in der biblischen Geschichte keinen Ersah für die Eigenarbeit des Lehrers bilden. Sie sind eigentlich nur als Anregungen bedeutsam. Von diesem Gesichtspunkte aus ist daS vorliegende Werk mit seinen Vorzügen und Schwächen ein gutes Hilfsmittel. Er bietet eine Fülle wertvoller Vorbilder für einen da- Tiefste im Bibelwort ausschöpfenden Unterricht. Umso bedauerlicher sind seine Fehler. Völlig mißverstanden ist die Erzählung von Josephs Verhalten zu seinen Brüdern, die er damit prüft, ob sie wieder einen Bruder wie einst ihn preisgeben werden. Vermißt wird die wundervolle Versöhnung des Jakob mit Esan, Jakobs! Opfer um Esau zu gewinnen, sein Gebet, sein! Entschuß ihm allein entgegenzugehen u. s. w.! Bedauerlich ist die Übergehung der zweimal überlieferten Geschichten, wie David seinen Todfeind Saul geschont hat; alles, was über Feindesliebe! zu sagen ist, ist in ihr enthalten. Es ist unerfreulich, daß Potiphar S. 46 ff. mit Pharao verwechselt, und seine Frau von Emlein zur Königin erhoben wird. Häßlich ist hie verzerrte Darstellung der jüdischen Religion bei der Behandlung der neutestamentlichen Erzählungen. Emlein behauptet S. 164, daß bei den Juden nur die Gescheiten und die Reichen fromm sein können; S. 174 „die Armen kamen nicht in den Himmel." S. 173 erzählt Emlein sogar von Abgaben an die Pharisäer. Er vergißt leider das neunte Gebot: „Du sollst nicht falsches Zeugnis wider deinen Nächsten reden." Prof, theol. Ludwig'Köhler hielt auf Einladung der Züricher Gruppe der „Internationalen Frauenliga für^Friede^und Freiheit" einen Vortrag über die Judenfrage in der Gegenwart. Er ging von der Statistik der Juden und ihrer wirtschaftlichen Verteilung über die Erde aus und behandelte eingehend die sogenannte Raffenfrage. Er stellte fest, daß es ebensowenig eine jüdische wie eine deutsche Raffe gibt. Haut» und Haarfarben verändern sich von Nordwesten nach dem Südosten bei den Juden k ganz wie bei den Westvölkern. Was die Juden zusammenhält, ist ihre Religion und ihre^Lebensauffaffung. Die Lösung der Judenfrage ist dort gefunden, wo sich Christen und Juden bÄderlich vertragen und ihre sittlichen und sozialen Kräfte gegenseitig verwerten. Die Christen müssen ihre^unsittliche Gehäffigkeit auf- Seben, und die Juden bei voller Wahrung ihrer ügenart den Mitmenschen die brüderliche Hand reichen. Wo^dieses ideale Ziel erreicht ist wie in England, Frankreich und Holland, gibt es keine Judenfrage smehr. Vorfällen! muß fich^die gesittete Menschhett gegen das verleumderische antisemittsche Schrifttum wehren. Aufklärung und Menschenliebe werden die häßlichen Spuren deS Judenhasses ttlgen. Dr. Le» FuchS. Die Juden Ägyptens inptolemäischer und römischer Zeit. 1924. Im Selbstverläge des Verfassers Wien XIX, Israelitisches Blindeninstitut. Eine sachliche Darstellung der Geschichte der Juden in Ägypten ist schon an und für sich ein Verdienst, da gerade dieser Teil der jüdischen Geschichte wiederholt eine Behandlung erfahren hat. die mindestens als nicht vorurteilsfrei bezeichnet werden muß. Das vorliegende Werk, das die Geschichte der ägyptischen Juden von der Ptolemäerzeit (319 vor Chr.) bis zu Konstantin dem Großen darstellt, dadie geographische Verteilung der Juden in Ägypten, ihre soziale und staatsrechtliche Stellung, ihre Steuern, ihre Sprache und ihre religiöse Eigenart schildert und mit einem wertvollen NamenSverzeichniS abschließt, verdient als fleißige und tüchtige Leistung uneingeschränktes Lob. Es bietet in geschickter Darstellung daS umfangreiche gesamte zugängliche Material und ist umso höher zu bewerten, als der Verfaffer seit dem 11. Lebensjahre blind ist und nur unter Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten imstande gewesen ist, seine Studien zu machen und das Werk zu vollenden. Wichtige Ergänzungen zu ihm enthält H. LietzmannS Arbeit über sechzig jüdisch-christliche Grabinschriften aus Tell el Jehudijeh (im 22. Bande der Zeitschrift für neutestamentliche Theologie). Das Buch ist die erste Veröffentlichung der von George Alexander Kohut begründeten Dr. A. S. Bettelheim Memorial Foundation. Es ist auch für den Nichtfachmann höchst anregend geschrieben und verdient werteste Verbreitung. M. Soloweiczik, Sechijjoth Ha-Mikra (Bibl. Anschauungsbilder) Verlag Dwir-Mikra (Verlagsgesellschaft für die biblische Wissenschaft), Berlin-Halensee, Katharinenstraße. 1925.Gebunden 15 Mark. ULM ......MM,!,,;, Sdimid, u. Hinridis & Co. cftufcmoßile „Stoewer“ „Dürfcopp“ ULM a.D. STUTTGART Keplerstraße 2 Böblingerstr. 38 ..