Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 11 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 234 (sequence 8)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4904101-5441785-5442894--0323-4904344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 234 — Die „Franziskaner des Heiligen Landes", die in den letzten drei Jahren Ausgrabungen in der Nähe der Synagoge von Capernaum (Tel Hum) vorgenommen haben, fanden eine zum Synagogengebäude gehörende Säule, die eine hebräische Inschrift trägt. Wie erinnerlich, entdeckte man vor einigen Monaten an den Ruinen der Capernaum-Synagoge einen Fries, der das Swastika (Hakenkreuz) trägt, das die heutigen Arier fälschlich als urgermanisches Zeichen verehren. Zur Abwehr. Die.Äsde« tm deutsche« Reichstag: Dem neuen Reichstag gehören folgende Juden an: Der Demokrat Dr. Ludwig Haar, der Volksparteiler Rießer, die Sozialisten Hugo Heimann, Dr. Julius Moses, Eduard Bernstein, Dr. Rosenfeld, Dr. Paul Levy, Dr. Rudolf Hilferding. Dr. Hertz und Dr. Landsberg, die Kommunisten Ruth Fischer, Dr. Rosenberg, Scholem und Katz. Blüte« antisemitischer Wissenschaft. Unter der völkischen „Intelligenz" wimmelt es von Entdeckern auf welthistorischem Gebiete. Eine Flut gedruckten Blödsinns hat sich während der letzten Jahre aus jener Ecke her auf den Büchermarkt ergossen, die geradezu^ anregt, irgendwo als Grundstock eines literarischen Kuriositäten- Museums gesammelt und aufgestellt tzu^werden. Einen hervorragenden Platz darin wäre alsdann dem Buche eines Rudolf Wagner zu geben, das unter dem Titel „Kaiserliche Eingriffe in die Weltkriegsführung" im Verlage Thalacker & Schwarz, Leipzig-R., erschienen ist. Daß dieser Völkische dem geflüchteten Wilhelm etliche Fußtritte versetzt (übrigens teilweise wirklich ungerecht), sei hier nur nebenbei erwähnt. Die Höhe deutsch-völkischer Weisheit erklimmt der Verfasser erst in seiner Darstellung germanischer Geschichte in der Zeit — vor 60 000 Jahren. Was man da erfährt? ist fabelhaft, z. B.: In Schweden haben die Urgermanen zu jener Zeit gewohnt und kleine, menschenähnliche Halbtiere, genau wie das heutige Vieh, im Stalle gezähmt und gezüchtet. Aber leider haben diese Urgermanen ihre Stalltiere auch zu Gattinen erwählt und als Produkt solcher Verirrung find im Laufe der Jahrtausende die meisten jetzigen Menschen, voran die Neger, Mongolen und Hebräervölker, entstanden! Die Juden haben bei den Germanen daS Schreiben gelernt und nun die ganze Weltgeschichte in Form der Bibel gefälscht. Welche erstaunliche Offenbarung! Der weltbürgerlich-semttisch-rittmeisterliche Schäferhuad. „Unser Schäferhund ist ein'eigenartiger Gesell und ein echter Deutscher, Überkultur, schon zu lebhafte Berührung mit der neuzeitlichen, nicht mehr rein arisch > völkischen, sondern von weltbürgerlich-semitischen Einflüffen beherrschten Kultur schadet auch ihm." Dies schreibt Rittmeister Stephauitz in „Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild", Verlag des Vereines für deutsche Schäferhunde. Schäferhunde Europas, wahret eure heiligsten Güter! Amtliche Bekanntmachungen. (Nachtrag) Israelitischer Oberrat. Der Israelitische Oberrat hat die Rabbiner und Religionslehrer, in deren Dienstbezirken Strafanstalten gelegen sind, durch Erlaß vom 2. Februar 1925 angewiesen, falls sich in diesen Strafanstalten israelitische Strafgefangene befinden, diese mindestens einmal im Laufe eines Monats aufzusuchen, sich ihrer anzunehmen und ihnen seelsorgerischen Beistand zu leisten. Die Verwaltungen der Strafanstalten werden den zuständigen israelitischen Beamten Mitteilung zugehen lassen, sobald sich in ihnen israelitische Strafgefangene befinden. Die Rabbiner und Religionslehrer haben vierteljährlich dem Oberrat über diese Besuche Bericht zu erstatten. _ Ans den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens der Sanitätsvereinigung Stuttgart ist deren bisheriger Vorsitzender, Sanitätsrat Dr. Karl Ries, zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Der Verein der Israelitischen Lehrer in Württemberg hielt am Sonntag, 25. Januar, seine zweite freiwillige Konferenz zur Fortbildung, für die Oberlehrer Spah- Reringen einen Vortrag ^über den systematischen Religionsunterricht in der Arbeitsschule" übernommen hatte. Die Versammlung, an der 29 Lehrer und drei Rabbiner teilnahmen, beteiligte sich lebhaft an der Aussprache über das Vortragsthema und den mitgeteilten Lehrprobeentwurf. Die rege Anteilnahme beweist, daß diese Veranstaltungen einer? lebhaft gefühlten Bedürfnis entsprechen. In anerkennenswerter Weise hat der Oberrat den Teilnehmern an diesen Versammlungen Taggelder, Fahrtkosten und Übernachtungsgelder bewilligt. Das Referat der nächsten Konferenz über „die biblische Geschichte in der Arbeitsschule" hat Religionslehrer Krämer-Heilbronn übernommen. Am 12. Januar 1924 begingen Berl Weißberg hier, Werastraße 141 und seine Ehefrau Anna Frida geb. Finkelstein das Fest der goldenen Hochzeit. Das ehrwürdige, fromme Jubelpaar erfteut sich voller Rüstigkeit und genießt, getragen von der Liebe aufopfernder Kinder und Kindeskinder, einen glücklichen Lebensabend. Möge dieser recht lange sein! Mit hochherziger Bereitwilligkeit hatte die Intendanz des Stuttgarter Landestheaters für die Kinder des Eßlinger Waisenhauses fünfzig Freikarten für die am Mittwoch, den 14. Januar, stattsindende Aufführung des Kindermärchens „Hans Unverzagt" zur Beifügung ge«