Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 10 (15.1.1925)
- Date
- 1925-01-15
- Page
- Seite 219 (sequence 29)
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— 219 wesen, daS nichtsahnende Kind in daS reißende Wasser zu stoßen. Aber er brachte es nicht über- Herz, es zu töten. Schließlich hieb er ihr mit seiner Axt eine Hand und einen Fuß ab und lief davon, um beides dem Weibe zu bringen. DaS Mädchen weinte bitterlich und lag dann ohnmächtig bis zum Morgen. Der Tag darauf war der Tag vor Sabbath. Hilflos lag das Kind, bis der Nachmittag hereindämmerte. Da kam dorthin ein jüdischer Mann. Er hatte sich verirrt. Der Sabbath überraschte ihn auf den» Weg, und er wollte nicht weiter reiten, um den heiligen Tag nicht zu entweihen. Er stieg von seinem Esel ab, nahm die Last vom Rücken des Tieres, deckte sich, so gut es ging, einen Sabbathtisch, wusch sich die Hände im Flusse und fing an das Sabbathgebet gar andächtig zu sprechen. Dann sprach er den Weihesegen über den Sabbathtag, und, als er ihn singend beendet, rief eine Stimme: „AmenI" Der Wanderer erschrak nicht wenig. Er suchte rings umher und fand das arme Kind. Er hob es liebevoll auf seine Arme, gab ihm von seinem Brot und Wein und, als der Sabbathtag zu Ende, brachte er es in sein Haus. Der Mann war aber ein berühmter Goldschmied und zugleich ein guter, Arzt. Er heilte ihre Wunden und machte ihr kunstreich eine Hand aus Gold und einen Fuß aus Silber. Das Kind liebte seinen Retter mehr als sich selbst, und nach Jahren nahm der ebte; Mann die herangewachsene Jungfrau zum Weibe. In diesen Tagen war kein Lehrer in Israel so hoch geehrt wie Rabbi Akiba. Auch dorthin, wo die beiden glücklich lebten, drang der Ruf des großen Meisters. Kein Wunder, daß eines schönen TagS der Goldschmied zu seiner Gattin sprach: „Sei mir nicht gram, mein Weib, ich sehne mich danach, des großen Lehrers Antlitz zu schauen und sein Wort zu hören." Sie aber sprach: „Geh hin in Frieden!" Der Goldschmied zog zu dem großen Lehrer und ward sein Jünger. So kam eS, daß er einst, als Akiba von den wunderbaren Führungen der Gottheit sprach, davon erzählte, wie er sein Weib gefunden. Aus Rede und aus Gegenrede erfuhr der Meister bald, daß seines Schülers Gattin die eigene, längst als tot beweinte Tochter war. Zwar wußte er nichts davon, wie sein Kind zu all dem Jammer und dem Leid gekommen war, und etqählte daheim'sofort der Gattin: „Denke dir, unser Kind lebt und ist die Ehefrau meines besten JüngerS." Die Frau erschrak beinahe zu Tode. Sie mußte ja befürchten, daß die Tochter verraten würde, wa« mit ihr geschehen war. Inzwischen kam sogar die Kunde, daß die Tochter in der Ferne einem Knaben daS Leben geschenkt. Diese Nachricht benutzte die Mutter zu einem verruchten Plane. Sie schrieb im Namen des jungen Mannes einen Brief an deffen Hausleute: „Wenn dieser Schreiben in euren Händen ist, so nehmt der Frau die goldene Hand und den silbernen Fuß; legt ihr daS Kind, daS sie geboren hat, auf die Schulter und weist sie aus dem Hause, denn ich Carl Stell / Stuttgart «Saisstr. Xunftgerverbehaus «Slllsstr. Spezialität: Vleikristall / Vroncen / Marmorfiguren «Sescheukarlikel Regbmstr. 0. Blodi - E. Guggentielmer, RnfttMdu, SMtjWl, KBnigatr.25 — Telefon S.-A. 25408 ■■■kanten - Umbanten für industrielle Anlagen, Villen u. Wohngeblude, Innenaustattung, MObel, Gartenkunst, Entwurf für Qrabmller, Beratungen, Schatzungen, Gutachten Friedrich Stahl, Stuttgart Buchhandlung Inhaber: H. Beck und G. Oufayel Poststraße 6 - Haus Stahleck - Telefon 236 89 * Getehiftuielle der „Freien Bühne“ K0Nwm>. ecxe po/tm» OIIINT.TIWKNI ••Manna usna «ami CHR. STATTMANNS NACHF. Stuttgart Kfinlgsbau Herrenhäle Sport- und Automützen Aparte Damenhüte für Slroßc - Reise - Sport KARL ELIAS SPEZIALHAUS FÜR DAMENKLEIDUNG Wilhelm »hau S TUTTGA R T KSniitr. 84 Femnrf Se. 23124 Blusen I Röcke I Mäntel / Kleider