Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 9 (15.12.1924)
- Date
- 1924-12-15
- Page
- Seite 183 (sequence 33)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5441785-5442890--0261-4904292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tiefen Kinderaugen in die Welt ringsum. Für Kinderspiel und Kinderlust fehlte ihm allerdings der Sinn. Dafür dünkte e» ihm da« Allerherrlichste, wenn der Vater am Freitagabend die Sabbathengel singend grüßte. Dann fang er ein Lied, das er den Serafim abgelauscht und, auf den Reihen und Rythmen des Liedes stieg dann seine Seele, erdgelöst, engelleicht zu Gott. DaS Kind faß aber stumm auf seinem Stühlchen bei dem großen Ofen, und seine kleine Seele zitterte wie in dem Winde die Blume. So war daS Mädchen sechs Jahre geworden. Da ging die Schreckenskunde durch die Stadt des „Schach": Die Tataren kommen. Der Vater fürchtete für das Leben feines KindeS. Er verbarg sich in einer Hütte tief im Wald mit seinem Kinde. Die Lebensmittel, die der Rabbi mitgenommen hatte, waren aufgezehrt. Er mußte in die Stadt, um neue aufzukaufen und das Kind blieb in der Hütte allein. Der Zufall wollte es, daß ein reicher Herr gerade an diesem Tage an der Waldhütte vorüber ritt. Er sah wie von ungefähr daS bildhübsche Kind und hob es auf sein Pferd. Am Abend kam der „Schach" zurück. Sein Kind war nicht mehr da. Da sprach der Rabbi: „Run will ich rastlos wandern, bis ich mein Kind wiedergefunden". Der fremde Herr brachte das Judenkind zu seinen Kindern. Er meinte es gut mit ihm und wollte es taufen lasten und dann wie sein eigenes halten. So blieb das Mädchen bis zu seinem zehnten Jahre im Hause des fremden Mannes. Carl Stell / Suttgart «sotgstr. kunstgewerbehaus ««alsftr. Spezialität- Bleikristall / Vroacen / Marmorfiguren Gescsteukartikel Es war ein stiller Gast. Keiner hatte es jemals spielen oder gar lächeln gesehen. Morgen sollte es in die Kirche gebracht werden, um dort feierlich getauft zu werden. Das Mädchen schloß in dieser Nacht kein Auge. Um Mitternacht ging die Türe auf. und eine feine blaste Frau sagte zu dem Kinde: „Komm mit mir." „Nicht wahr du bist meine Mutter"? fragte das Kind ohne Furcht. Die feine blaste Frau nickte, griff der Kindes Hand und führte es weit weit vor die Tür eines fremden Hauses. Dann verschwand die fremde Frau. Dem Kind war eng und angst, daß es laut weinen mußte. Da sprach die Frau in jenem Hause zu ihrem Mann: „Vor unserer Türe weint ein Kind, geh hinaus und führe eS hinein." Der Mann aber hatte Angst; „Ich habe Furcht, vielleicht weintidraußen eine verirrte Seele." Da sprach die Frau: „Ich höre es, es ist ein Kind." Da ging dkr Mann hinaus und brachte daS fröstelnde weinende Mädchen ins HauS. Man gab ihm Brot und brachte es zu Bett. Am Morgen sagte die Fvau zu ihm: „Ich weiß nicht, wer du bist, und woher du bist; aber bleibe bei uns." So blieb das Kind bei der kranken Frau mehrere Jahre, bis sie starb. Sie liebte es mehr als die eigenen Kinder. In der Nacht» vor dem Tode rief sie den Mann an ihr Bett und sagte ihm: „Heirate das fremde Mädchen, es wird dich ebren und die Kinder lieben." So heiratete der Witwer nach den dreißig Trauertagen das fremde Mädchen, das zu ernster Schönheit herangereift war. Jnzwischin zog der „Schach" von Wald zu Regbistr 0. Blodi - E. Buggenhelmer, RrtMtmt», SMlirt, KOaigstr. 25 — Telefon S.-A. 35408 lleubanten - Umbauten fOr Industr eile Anlagen, Villen u. Wohngeblude, Innenauitattungl MObel, Gartenkunst, Entwurf für Grabmiler, Beratungen, Schatzungen, Gutachten Friedrich Stahl, Stuttgart Buchhandlung Inhaber: H. Beck und 0. Dufayil Poststraße 6 - Haus Stahleck - Telefon 23689 * CeichäfittleUe der „Freien Bühne CHR. STATTMANN'S NAGHF. | Stuttgart Königsbau Herrenhüte Sport- und Automützen Aparte Damenhüte für Strqße - Reise - Sport KARL ELIAS SPEZIALHAUS FÜR DAMENKLEIDUNG WiOtetnthnu STUTTGART KinUtr.84 Fernruf Sa. 23124 Blusen / Röcke / Mäntel / Kleider