Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 1 (15.4.1924)
- Date
- 1924-04-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
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voa^neuem gefesselt. Er besucht die Synagogen, beobachtet die Betenden, studiert die gottesdienstlichen Handlungen („Inneres der Synagoge zu Amsterdam", 1648), geht in die Judenschulen, nimmt an den jüdischen Familienfestenteil (»die Beschneidung"). Überall in den Straßcnwinkeln, vor den Türen, auf den Märkten wird der Künstler zu Zeichnungen jüdischer Lebensart angeregt („Drei Juden im Gespräch", „Jüdischer Bettler"). Neben den vielen Bildern des Ghettolebens kehren in zihllosen Werken die Köpfe alter jüdischer Männer und Rabbiner wieder („Rabbiner mit weißem Turban", 1635, „Rabbiner am Studiertisch", 1642, „Sitzender Rabbiner mit Stock in der Hand",1645 und viele andere.) Stets sind es durchfurchte bärtige Gesichter, die von sorgenvollem Leben und eifrigem Studium erzählen. Bald sehen wir die edlen scharfgeschnittenen Köpfe der sephardischen Juden, bald die erregten immer bewegten der Aschkenasim. Rembrandt pflegte Verkehr und Freundschaft mit angesehenen Amsterdamer Juden. Das Porträt seines Freundes Manasseh ben Israel ist das Bild des gelehrten Kaufmanns („Jüdischer Kaufmann", 1645), der tüchtige, ihm befreundete Ephraim Hezekiah Bueno (1647 radiert) ist der Charakterkopf des jüdischen Arztes. — Des Künstlers Meisterschöpfungen zur Bibel lehnen sich eng an die Szenen des Amsterdamer! Ghettolebens an. Die Borbilder zu seinen bibli- I schen Gestalten find ihm die Typen des Judenviertels. Abraham („Abrahams Opfer", 1637), der greise Patriarch mit den flammenden gläubigen Augen, den durchgeistigten Mienen, den spre-! chenden Händen ist der Jude, dem er täglich in der! Ghettogafse begegnet. David, der die Harfe vor! Saul spielt, ist der schwärmerische Jüngling seiner Umgebung. Jakob, der die Söhne Josephs segnet, z ist der abgeklärte priesterliche Vater, der in heiliger Stunde seine Hände segnend über Kinder und Kindeskinder breitet. Hebräische Buchstaben zeigt nur ein einziges seiner Bilder („Belsazars Fest", 1634/35). Auf- 1 fallender Weise sind hier die hebräischen Schriftzeichen des Satzes ,Möns mene lekel ufarsin“ nicht von rechts nach links, sondern in fünf Längsreihen von oben nach unten geordnet. Selbst in den szenischen Figuren seiner neutestamentlichen Werke hat er Gestalten des Ghettos verwandt. Der „lehrende Christusknabe" geht auf Skizzen zurück, die er einst in der Judenschule gezeichnet. Der Christustyp im Gemälde des i Pariser Louvre („Jünger zu Emmaus") hat sich aus dem Studienkopf eines jungen Juden entwickelt. Das Amsterdamer Ghetto besteht auch heute noch in seinem alten Reiz und seiner eigenartigen Schönheit. Gewiß erscheinen die Ghettobewohner Q^ie §eburt eines kräftigen Soknes jj \3eigen kodier freut an 8! Stuttgart ’zft.dolf ffLerij <£ Pr au | 'Werastraße 66 tfCilda geb. Qidion 8 ]. Weises Hofbuchhaftdlung Inhaber: PAUL ERPF Stuttgart Gegründet 1826 Fürstenstr. 4 Großes Bücherlager ' aas allen Wissensgebieten t Das schöne Buch / Kfagst -h- MÖ&ei'PäBR.IK (T U & e n it s, r /) l & ST UTTCART ilL# gR.BUR.GiTR.. Brillen - Zwicker Neuanfertigungen und Reparaturen in eigener Präzisions - Werkstätte Mikroskope, Barometer, Thermometer Lupen, Lesegläser, Reisszeuge Kompaß etc. Photo - Projektion - Kino - Apparate Platten Film - Papier - Chemikalien Dunkelkammer f. alle Photoarbeiten POLMAUER & VOHRER Stuttgart -i- Königutr. ISA! Gas- und Wasser- , ■Gesdiafl Stuttgart, 6. in. d. kl. Cal wepaftp. 36 LiehttrAgsr Elektrisch« u. Gasapparate Kunstgewerbl. Erzeugnisse Haus- und KOohen - Geräte 14