Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 9 (1.5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Organ des Verbandes der israeli- Herausgeber: Verband der israel. Kultusgemeinden der Pfalz, Landau/Pfalz. Verlag: Heinrich Wildmann, Philippsburg. Verantwortlich f. d. Inhalt: Kurt Metzger, Landau, Glacisstr.9 tischen Kultusgemeinden der Pfalz Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Rcichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Ucbcrwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Erscheint monatlich 1. Mai 1938 / ü'iHP fCPj b u"* 'C'ln Ü'N" 1. Jahrgang / Nr. 9 Die Stellung der jüdischen Gemeinden. >Durch das Reichsgesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen vom 28. März 1938 ist bestimmt, daß die jüdischen Synagogengemeinden und ihre Verbände die Stellung als Körperschaften des öffentlichen Rechts verlieren. Sie tragen fortan den Charakter rechtsfähiger Vereine des bürgerlichen Rechts. Durch diese Maßnahme wird die Stellung der Gemeindemitglieder zu derjenigen Synagogengemeinde, der sie angehören, nicht berührt. Ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Gemeinde bestehen unverändert fort. Im Rahmen der neuen Form verbindet das gleiche rechtliche und sittliche Band die Gemeinde und ihre Mitglieder. Unverändert werden die jüdischen Kultusvereinigungen und ihre Verbände als privatrechtliche Körperschaften sich weiterhin ihrer Aufgabe der kulturellen und sozialen Betreuung ihrer Mitglieder widmen. Unverändert besteht die rechtliche und sittliche Pflicht jedes Gemeindemitgliedes, durch finanzielle Leistungen und durch Teilnahme ,am Gemeindeleben wirtschaftlich und moralisch der Gemeinde und den Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft zu dienen.« _Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland: Dr. Baeck. Jüdisches Galiläa - i In diesen Tagen brachte die jüdische Presse die Nachricht, daß Chaluzim in Ercz Jisrael an der Grenze von Serien und Palä* stina, hoch oben im Norden des Landes, eine neue jüdische Siedlung errichtet haben. Jeder spürte sofort, daß dieser Ansiedlungspunkt etwas ganz Besonderes darstellt. Erschütternd waren die Berichte, die von dem heldenmütigen und aufopferungsvollen Verhalten der Pioniere von Chanutah erzählten. Pas Besondere dieser Ansiedlung liegt darin, daß in einer Zeit, in der schwere politische und wirtschaftliche Stürme über das'Land gehen, der alte chaluzischc Geist des Pioniertums, der vor Jahr» zehnten am Beginn der Kolonisation gestanden hat, heute noch ungebrochen im gleichen Maße und in gleicher Stärke vorhanden ist. Hier sind Menschen, ohne auf eigene Vorteile oder Wünsche be» dacht zu sein, auf ein Landstück gegangen, nicht um es für sich, oder nur für sich, >zu erobern. Ihr Wille und ihr Streben war es, Bannerträger zu werden in einem Grcnzland Palästinas, das zu erlösen für das jüdische Volk die Aufgabe dieser Tage ist. Aber noch ein anderes stempelt diese Tat zu etwas Besonderem: mit Chanutah wird eine neue Siedlung in einer der politisch und strategisch wichtigsten Provinzen Palästinas errichtet. Allen ist noch in Erinnerung, wie wenige Tage und Wochen vor der Veröffentli*. chunp des Berichts der Königlichen Pcel*Komrnission im Juli 19)7 im Emek Beth'Schan siebzehn neue Siedlungen unter solidarischer Mitwirkung der Siedler des Emek Jcsreel errichtet wurden. Es kam auch damals nicht darauf an, die Zahl der Siedlungspunkte zu er» höhen. Die tiefe politische Bedeutung liegt vielmehr darin: jene „Neuen Punkte", wie sie genannt wurden, sollten die Aufgabe er* füllen, die Grenzpfähle des neuen jüdischen Gemeinwesens weiter hinaus zu stecken. Jene Siedler wurden friedliche Eroberet neuen jüdischen 11 e i m a t bodens. II In diesen Tagen geht wiederum eine neue englische, die „Tech' nische Kommission" nach Palästina. Es wird den englischen Politikern nicht nur die Aufgabe obliegen, einige technische und damit unwesentliche fragen, die die jüdische Staatsgründling vor« bereiten sollen, zu klären. Auch diese Kommission hat primäre, politisch-bedeutsame Entscheidungen zu fällen. Für England ist die Regelung des Palästina*Prohlcms, von höchst politischer Wich* tigkeit. Ist doch dieses Landstück ein Abschnitt im Rahmen des im Mittelpunkt der widerstreitenden Interessen stehenden Vorder=Ori» entraumes. Eine Erleichterung wird zweifellos durch den in diesen Tagen abgeschlossenen englisch-italienischen Pakt erreicht werden Wenn die PecUKommission Obergaliläa als jüdisches Staats* gcb'et ausersehen hat, so kann diese Tatsache allein noch nicht aus* Größeres Erez Jisrael reichen, daß jüdische Hände in der Frage der Erlösung des Bodens ruhen. Gab es doch viele Gegenströmungen, die unter den eng' lischen Politikern unter Rücksichtnahme auf arabische Wünsche eine Aenderung der Pcelvorschläge hinsichtlich Obergaliläa vor* schlugen. Wenn vor einigen Wochen die führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Bewegung und der Jewish Agency zu einer Actions» Komitee*Sitzung in London zusammentraten, so stand nicht zuletzt ein Punkt auf der Tagesordnung dieser Beratungen der hieß: Kolo* nisation in Obergaliläa. Chaim Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation und Repräsentant des jüdischen Volkes, telegraphierte aus den Beratungen von London nach Jerusalem. Er gab in Erkenntnis der Notwendigkeit einer Beschleunigung dieser Besicdlutlgfaktion den Auftrag und die Parole: Errichtet Siedlungspunkte in Obergaliläa. Wußte man doch zu deutlich, daß überall jüdisches Staatsgebiet entstehen wird, wo jüdische Siedlungen bereits errichtet sind. Wie die Gründung der „Neuen Punkte" vor einem halben Jahr die Grenzen im Bcth Schan-Gebict weit zu Gunsten der Juden hinaus gezogen haben, so wjrd der „Fall Galiläa" aus jeder politischen Diskussion ausscheiden, wenn die Juden durch Errichtung von Siedlungen in friedlicher Eroberung zum Ausdruck gebracht haben, daß es sich bei dieser Provinz um primär jüdisches Siedlungsgebiet handelt. Hl Wir Juden in Deutschland haben in besonderemjMaß« Ycr< ständnis für derartige Entscheidungen. Wissen wir doch, daß durch sie Lebensr.uini geschaffen werden soll, tür all die lausende von Menschen, die auf die Alijah warten und an die Tore Palästinas pochen. , Die nationalen jüdischen Instanzen harten in einem unver gleichlich großen Umfange Mittel zur Verfügung gestellt, die den Einwanderern aus Deutschland uneingeschränkt zugute kamen. Im vergangenen Jahfc allein hat die bei der Jewish Agcncv errichtete „Abteilung zuf Ansiedlung deutscher Juden" einen Betrag von PL 20o 000 In ihren Etat aufgenommen. Der Keren Kajemeth L e i i s r a e I , der zentrale jüdische Hodenfonds, der 1 j Million Dunatn Bodcn''in jüdisches Volkseigentum überfuhrt hat, inve stierte in Hodenkaulen. die hu die Scßhattmachung deutscher Juden dienten, den Betrag von PL 2H 000.—. Wenn jetzt aus verschiedenen politischen, strategischen, wirt* schaftlichen und kolonisatorischen Gründen alle Instanzen des Palastina-Aufbaus, Vor allem der Keren Kajemeth I.cjisrael, die