Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 35 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 545 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 545 Wegen vier Dinge geht das Gut den Besitzern verloren: wenn flc den Lohn des Arbeiters Herabdrücken, wenn ste denselben nicht Pünktlich auszahlen, wenn sie sich von Lasten frei machen und solche Anderen aufbürden, und wenn sie hochmütigen Sinnes sind — dieses ist das Schlimmstes * * * Rabbi Eliesar den Jakob sagt: ein Wohlgestalter, angesehener Mensch, welcher unangemeffene Reden führt, gleicht einem herrlichen Palast, in welchem eine Gerbergrube sich befindet. Als Rabbi Eleasar ben Asarja auf dem Sterbelager von seinen Schülern umgeben war, sagten diese zu ihm: Rabbi, lehre uns nur noch ein einziges Wort. Darauf sprach er: was soll ich euch noch lehren, meine Söhne-jeglicher wahre die Ehre seines Mitbruders; — wenn ihr betet, so bedenket, vor wem ihr im Gebete stehet — alsdann werdet ihr der ewigen Glückseligkeit teilhaftig werden. Rabbiner vr. M. Lehmann. - (Fortsetzung). XXI. Die Tage gingen dahin, zu schnell für die geängstigten Juden. An den Vorbereitungen für das Neujahrsfest hatten alle mit gedoppelter Inbrunst zu Gott gebetet, am Neujahrsfeste hatte der Schofarton ihre Herzen ergriffen. Die Wahl des neuen Consuls, der an die Stelle des Hingerichteten Clemens treten sollte, war auf den 18. September festgesetzt. An dem selben Tage sollten die Blutbefehle des Kaisers gegen alle Juden des Reichs dem Gerate zur Bestättgung vorgelegt werden. Auch die Christen waren mitinbegriffen, denn diese wurden damals noch als eine jüdische Sekte betrachtet; auch sie sollten, ohne Ausnahme, dem Tode geweiht werden. Auf den *) Mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung I. ltauffmann in Frankfurt a. M. zam Abdruck gebracht. Nachdruck verboten.