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Jüdischer Volksbote · 1914-04-01 · 33 (4.1914) · p. Seite 512

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
33 (4.1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 512 (sequence 18)
Language
German
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512 „Ich bin gezwungen, im ^Senate die Anklage gegen Dich zu erheben, und Du wirst zu einem schimpflichen Tode verurteilt werden." „Siehe Cäsar, Domitilla hat mir diesen Ring gegeben. In der Kapsel desselben befinden sich wenige Tropfen, die ich nur zu schlürfen brauche, um der schimpflichen und öffentlichen Hinrichtung zu entgehen. Auch ich war entschlossen, meinem Leben in Deiner Gegenwart durch dieses Gift ein Ende zu machen. Ich habe mich anders besonnen. Ich will den Namen Gottes heiligen vor den Augen der ganzen Welt. Die spätesten Geschlechter sollen sich an mir ein Beispiel nehmen und durch mich erfahren, wie groß die Macht der Wahrheit ist, von der ich durchdrungen bin." „Du bist krank, Clemens. Ich bitte Dich noch einmal, zum letzten Male: Nimm jenes törichte Bekenntnis zurück! — Wir sind allein; kein Mensch außer mir hat Deine wahnsinnigen Worte vernommen, und ich, ich will sie vergessen." „So werde ich mein Bekenntnis im Senate und auf dem Martte wiederholen, werde es hinausschreien in alle Welt, daß ich Jude geworden bin, daß ich den einzigen, unsichtbaren Gott verehre, den Schöpfer des Himmels und der Erde, daß ich die Götter Roms und die aller übrigen Völker verwerfe und verachte." Domitian öffnete die Türe und rief den im Vorzimmer weilenden Trabanten zu: „Greifet diesen da, und bringt ihn in sicheren Gewahrsam; er ist ein toteswürdiger Verbrecher!" Noch an demselben Tage trat Domitian im Senate als Ankläger gegen den Konsul Flavius Clemens auf und beschuldigte ihn der Hinneigung zum Judentume. Da Clemens nicht leugnete, so wurde er mtt Einstimmigkeit zum Tode verurteilt. Mit Bestürzung und Schrecken erfuhren die Römer, daß Domitian keinen Anstand genommen hatte, seinen nächsten Verwandten, den erlauchten Sproß des Kaiserhauses, den mutmaßlichen Erben des Thrones, öffentlich hinrichten zu lassen. Angst und Schrecken bemächtigten sich aller vornehmen Römer; aber noch größer waren die Trauer, die Furcht, die Verzweiflung der hartbedrängten Juden. Diese hatten keine Ahnung davon, daß Clemens sich zu ihrer Rettung geopfert hatte. — «Fortsetzung folgt.)

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