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Jüdischer Volksbote · 1912-05-01 · 22 (5.1912) · p. Seite 295

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
22 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 295 (sequence 19)
Language
German
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295 Hand anlegeh an den Gesalbten Gottes, und zuletzt versündigte er sich an llrija, der doch ihm nur zugetan war. Würdest du sagen, ich darf fortan mir trauennachdem ich einer so schweren Versuchung widerstanden, fy> würdest du »ich reiner als Engel halten, ja würdest dich und deine Einsicht selbst über einen Schöpfer erheben, von dem es ja heißt »siehe selbst seinen Heiligen tr< at er nicht und findet an seinen Engeln Makel'. Würdest du bedanken, > sie selbst die Ansichten der Menschen wechseln und vom Gu ren zuitz Bösen schwanken, so würdest du gewiß nicht mit solcher Zuversicht vvu dir sprechen; vielmehr heißt es, glücklich der Mensch, der mmer fürchtet, daß er nicht sündige! > 73. (170). Es ist fromme Sitte für die Abgeschiedenen Almosen zu spenden. Darin gleicht Zdakah der Egla Arufa, von der es auch heißt, rS sei das eine Sühne, dir selbst noch den vergangenen Geschlechter bis zu den ersten aus Egypten Gewanderten hinauf zu Gute zu kommen vermöge. Aehnlich ist hier auch Zdakah dem freiwilligem Ganzopfer, das auch der Sohn dem verstorbenen Vater darbringrn kann, freilich aber nur, wenn es bereit» der Vater bei seinem Leben geheiligt. Fragst du aber was soll es dem in8 Jenseits Hinübergegangenen.nützen, wenn man für ihn hienieden eine Guttat übt, die er in seinem Leben weder geübt noch befohlen, so muß man wohl unterscheiden. Menschen, die in ihrem Leben nichts Gutes geübt, denen kann das Gute, das man nach ihrem Ableben für sie vollbringt, gewiß nicht zu Gute kommen. Allein wer Gutes getan, aber auch gefehlt, desien Gutes kann auch nach seinem Tode das Übergewicht über seine Fehler gewinnen, wenn man in seinem Angedenken nach seinem Ableben Gutes stiftet. Sonst freilich wäre es ein eitles Beginnen für Abgeschiedene Gutes tun zu wollen; es sei denn es geschehe in Folge seiner Anordnung oder als Fortsetzung eines bereits von ihm begonnenen Vorhabens Wie die Schrift, was Josua und Israel vollbracht, Moses, der es begonnen, anrechnet, und dem Tempelbau, den Salomo vollbracht, auf David zurückgeführt. 74. (m). Wenn jemand im Bewußtsein seiner Sünden fastet und weint, bekenne er seine Sünden und spreche: „Mögen meine Tränen die Flamme deines mir zugewendeten Zürnens löschen und mein wie Waffer zerfließendes Herz die Kohlen löschen, die in deinem Zürnen erklommen; die zum Bessern gerichtete Wendung meiner Lebensweise, die endlich möge dein Zürnen von mir wenden!" „Möge mein Fasten und Dulden dich mit Erbarmen für mich erfüllen. Möge der Tisch, den ich mir nicht gedeckt, der gedeckte Altar vor dir sein, der Topf, den ich mir nicht auf Kohlen stellen ließ, wie das Feuer vor dir geachtet sein, das auf deinem Altar ohne verlöschen brannte, die Speisegeräte, die man mir nicht gebracht, wie Israel» Söhne das Mincha brachten. Die Minderung meines FetteS wie die Fettstücke der Opferteile, meiner Augen Gußopfer, meines Weinens Töne wie die Gesänge in deinem Heiligtume, die Verdunklung meiner Augen wie das Leuchten der Tempellichter und meines Fastens Duft wie der Weihrauch dir sein! Und wenn ich Herz und Seele in meinen Träum dir ergieße lösche, o Gott mein Vergehen und achte meiner Glieder Schwäche wie des Opfers Glieder und meines Herzens Bruch wie die Steine deine» Altars, mein zerknirschtes Herz sei dein Opfer und eben

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