Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 Zum Jahreswechsel. Zum Jahreswechsel. Das verflossene Jahr hat eine geschichtliche Katastrophe heranreifen sehen. <leren Grölte von keiner Katastr0|)l1e der Vergangenheit ühertroffon wird. Wie wir in unserer Jugend mit fassüngslosem Staunen vor dem Sturz der Weltreiche, vor des Korsen Untergang standen, so wird es unseren Nachfahren ergehen, wenn die ungeheuer(‘ Kunde an ihr Ohr dringt, dali das Deutsche Volk nach Siegen ohnegleichen, nach Erfolgen, die wi<* ein Märchen klingen, schlielllich Ins zur vollendeten Machtlosigkeit zusammengehroehen ist und den tiarten Friedensspruch argwöhnischer Gegner über sich hat entscheiden lassen müssen. Unter der Wucht dieser Katastrophe ist der stolze Hau des deutschen Kaiserreichs geborsten Mühsam kämpft der neue deutsche Freistaat um sein Dasein und niemand kennt das Schicksal seiner nächsten Zukunft. Friede ist wieder eingekehrt. Aber in den Gemütern ist nicht Friede. Der Weltkrieg ist durch keinen Frieden wirklich abzuschliellen Gleich einer finsteren Wolke wird er die• nächsten Jahrzehnte noch beschatten, und vielleicht wird di(* künftige Generation erst in der Lage sein, Soll und Haben des Weltkriegs endgültig zu buchen. Die Welt ist aus den Fugen. Gottes Schofar hallt noch immer in den Lüften. Wer kann wissen, wohin das Antlitz des Gottes der Geschichte schaut. — Groll wie das Meer ist nicht nur der Bruch des deutsehen Volks. Zitternd stellt auch das jüdische Volk vor einem jähen Abgrund. Solche Zeiten waren dem jüdischen Volk noch nicht gewesen, seit Rom ihm seinen Staat zerbrach. Wo M heule das Hand, von dem man sagen könnte, da 1.1 es ein zukunflfroh׳*s jüdisches Lehen grölieren Umfangs aufweisl!