Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 9 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2(10 Vom lieben Gott. zu werden, im ״sittlichen Stahlbad" des Krieges kreuzfidel hernmplätschern. Diesen überklugen Gottesnörgleri). »ei die Talmudstelle Sahh&th 13a /.u erbaulichem Studium empfohlen. Dort wird von einem Thorajünger erzählt, der seine ganze Jugendzeit mit unermüdlichem Thorastudium bingchracht hatte. In der liliite seiner Jahre wurde er durch den Tod dahingcralTt. Ausser sich vor Schmerz irrte die tiattin wie wahnsinnig hei den tienossen ihres verstorbenen Mannes von Thür zu Tür. reherall schrie sie: warum musste mein Mann, der sein ganzes Lehen mit unermüdlichem Thoralernen ausgefiillt hatte, in der Hälfte seiner Tage sterben V Nirgendwo erhielt sie Antwort, bis ein Thorawciscr sie einem eingehendem Verhör darüber unterzog, oh sie und ihr (Litte in ihrem ehelichen Leben nicht irgend einmal die Heiligkeit der göttlichen Keinheitsgesetze!verletzt hätten. Da stellte sich heraus, dass sie einmal eine kleine Fahrlässigkeit sich hatten zu Schulden kommen Inssen. Da rief jener Thoraweise aus: Gesegnet sei Gott, der als strenger Hüter seines Gesetzes diesen Mann hat sterben lassen! Die Moral dieser Geschichte ist. dass der Kcchtsstandpunkt nicht der richtige ist, von dem aus wir zu einem richtigen Urteil über Gottes Walten im Weltkrieg kommen Wenn wir uns auf den Kechtsstnndpuukt stellen, dann stellt sich der liehe Gott auf den seinen, wenn wir auf unserem Schein bestehen, dann dürfen wir ans nicht wundern, wenn auch der liehe Gott auf dem seinen hesteht. Lasst nns um des Himmels willen nicht allzu \ iel auf unsere Frömmigkeit vertrauen. Gott ist allwissend. ־"• Hätten wir die Mängel unserer Frömmigkeit rechtzeitig er kannt, dann wären wir heim Ausbruch dieses Krieges nicht so masslos überrascht gewesen, dann hätten wir uns sofort gesagt, dass die Welt in ihrer Gesamtheit kein besseres Schicksal verdient, als einmal so recht gründlich zutiefst aufgewühlt zu werden. So aber hatten wir immerfort auf die Liehe des lielo-n Gottes spekuliert und fühlten uns plötzlich vor den Kopf gestossen, als wir merkten, das die Verwandlung der Knie in ein Tal des Weinens auch in uiisercn Tagen im Itcreich des Möglichen liegt. Wir hatten die Strafredcn der heiligen Schrift uicht wörtlich genommen. Uns waren die bitteren Verbeissungeu Gottes h ere Kedensnrten. Uns