Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 1 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Diplomatie. 17 erst die Mi/.wa sein zu lügen. wenn damit der Friede z.wiiu-lien ganzen Völkern, die Hielt im Kriegszustand befinden, gefördert werden kann! — Wir halten 110* unter dem l indnick der entsetzlichen l’.rleb- 11 isttc der letzten Jahre vieltarh daran gewöhnt, die Diplomatie für den Ausbund alles .Sehlechten, für die Quelle alles politiachen Weltüliels, für die llauptursarhc des gegenwärtigen Weltunglücks zu halten. Schafft die Diplomatie aus der Welt, und ihr ballt damit zugleich die Quelle aller Zwistigkeiten zwischen Staaten und Völkern verstopft! So leicht läast «ich aber die Diplomatie nicht au« der Welt schaffen und zwar einfach darum, weil aie die Menschen auch in ihren! Privatverkehr gar nicht entbehren könnten. Wo kämen wifr hin, was würde aus dem geselligen Zusammen• leiten der Menschen, wenn sich dieses Zusammenleben auf der Grundlage einer jeder Diplomatie ultlmlden und sie völlig aua schaltenden Verkehrslärm ahspielen müsste! Hin friedliches Zu stniniiensein. der Menschen wäre vollkommen ausgeschlossen, wenn sie das Prinzip einer konse1|uenten Khrliebkeit und Offenheit in ihrem gegenseitigen Verkehr anerkennen und betätigen würden. Wenn Jeder dem andern sagen wollte, wie er älter ihn denkt, wenn die Formen der llöllichkcit nicht wären, die ja nichts anderes als die traditionellen Kegeln einer diplomatisch hinterhältigen Verkehrssitte sind, dann hätte die Desellsehaft einen ewfgenInneren Krieg, den *ie gerade durch Abschaffung der Diplomatie vcrschnldet hätte. Wer mit seinen Nebenmensohen ul- מעורב עם וזכריות friedlich Zusammenleben will, wird gut daran tun, die konventinuellen Lügen der Kulturineiischheit genau einzuhalten und aurh solchen Menschen gegenüber, die er im Stillen verachtet, eine ״hoehachtungsvolle" Unterfartiguug der hrietlichen Korrespondenz nicht als Heuchelei, sondern als unausweichliche Konzession an den •׳eist der Diplomatie empfinden, der ein wichtiger Tiigcr und Krlialter des Friedens ist. Mag sein, dass nur die Diplomatie den Weltkrieg verschuldet hat. sicher ist, dass nur die Diplomatie uns den Weltfrieden bringen wird Hei den Friedensverhamllungen ist sie unentbehrlich. Wenn es gilt, zwischen entzweiten Völkern deu Frieden wiederherzustel-