Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 8 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Taschlich. sind es unserer Selbstachtung schuldig, wenn wir nicht erst aus nichtjüdischem Munde den ״Gesang der Geister über d<־n Wassern* vernehmen. Hs gehört unseres Erachtens viel weniger einfühlendes Naturverständnis dazu, dem Donner des majestätischen Wasserfalls das Ohr zu neigen, die Sprache des schäumenden Hcrgquells zu vernehmen, den unaufhaltsani sich wälzenden Stromwellen träumerisch nachz.usinnen, oder sein Auge in den ruhig spiegelnden See Seelenvoll zu tauchen, als bei jedem Schluck Wasser zu dem gedankenvoll aufzuschauen ״durch dessen Wort alles ward“. Uns aber hat der sterbende Führer.zugerufen: ,Höre Israel, heute durchziehst du den Jarden“, und die Weisen verslanden mit einemmal שמע ישראל וכי,, הלבה איה מישראל *שיהוו מים 1צמאי איומי ברוך שהכל :היה ביברי' weshalb es in Israel gesetzliehe Vorschrift sei, bei jedem Schluck Wasser der wunder tätigen, mit ihrem Schöpferwort die Weit beherrschenden Allmacht Gottes zu gedenken. ״Sieh, alle Wunder, die (Joll Israel erwiesen, vollzogen sich durchs Wasser*. Trink keinen Tropfen Wasser, ohne den Jarden zu durchschreiten. Mit jedem Tag durchziehst du den Jarden. Und das Alltägliche. Natürlichste wird dir zum unfassbaren Wunder. Dir hat di»• fürsorgende (iotleswaltung, die jedem menschlichen Iicdürtnis nahe ist, als ein grösseres Wunder dazustehen, als der Augenblick, da die Wogen des Meeres sich teilten Die Stimmt״ Gottes schwebt über derr Wassern. Wir zogen durchs Meer, zogen durch den Jordan, und die Wogen des Meeres teilten sich uns, und die hochgehenden Fluten des Jordans ־ traten-vor uns zurück. Das haben die anderen nicht erlebt. Deshalb sind uns Meere und Flüsse viel inniger vertraut, und wir fürchten ihre l iefen nicht. End hätten uns auch ״die Wasser bis ans Leben umfangen“, hätte ״die Erde ihre Eiegel für immer uns vorgeschoben“, ״schattige Me<,‘restiefen“ schleudern uns empor und geben uns dem Leben wieder Jon. ü). Das Meer hörte unsere Lieder. Diese Lieder leben fortan auf unserem Munde So wollte es Mosche. Deshalb