Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 5 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Di«• Neuorientierung des deutschen Judentums. Sehlug nicht da* Tcmpelteuer in die schwülste Luft des Bruderhasses, i’cr Krijujkung der Thoraträger? Und - v״r allem! — hatten wir nicht verlernt, vornan die Thora zu segnen '( Und ־ und - ־ decken nicht heute wie damals die Leichen Tausender unserer Brüder die Felder des Entsetzens? Sind nicht im Ost. heute wie damals, viele Tausende unserer Teueren in Not und Elend verschleppt V Liegt nicht die Hand des Krieges in doppelter Schwere auf dem heiligen Boden der Heimat? I)ie Stätten der Lehre, sind sie nicht verödet? Die Zentren unserer Kraft nicht tätlich getroffen? — Drum auf, Brüder! Lasset uns nicht zaudern! Jochanan sei unser Führer! Keine Wehleidigkeit! Keine träge Verzagtheit! Kennt ihr die Stimmung der Nachmittagsstunde des neunten Aw? Schon geht der Tag zur Neige, der Tag des Seufzens und Wgnens, der Tag erschütterndster Klage - — : doch wenn die Stunde naht, in der der Tempel sank, da richten wir uns empor, da enttlort sich—unser Auge—und schaut—in dem Feuer—des Ham■ inenden Tempels das nämliche Feuer, das ihn einst wieder erbaut, und unsere hebende Lippe segnet Israels (Jott, der in freier Düte das Böse erst hallt.. um »las (!ute ' zu bilden. — — Der Nachmittag des neunten Aw ist gekommen! Lasset uns das F.ndc des Knisetzens nicht abwarten 1 Lasset uns zusamincntreten und lasset uns— gleich Jochanan mitten im Knisetzen den Mul der befreiender Tat tinden. - XI Als Trauernde des ueuulep Aw treten wir denn zusammen! Was uns einst alles war, ist in weite Ferne gerückt! Speise und Trank sind ulisercr Willkür entzogen. Der Staat verwaltet sie und misst sie uns nnrh eigenem Zweck in seinen Massen zu. Dentiss. in dem wir sonst schwelgten, ist uns vergällt und deucht uns schal und abgestanden. Das Spiel der Aesthetik. «las uns nur zu oft «In• Leere dt‘< Seins verhüllte, ist vor «lern Schicksalsiirama verstummt Die Orimdhedingungcu unserer nackten Existenz, ehedem nie angez.wcitelte Voraussetzung, der Boden, auf dem* wir sorglos hauten, in hüehsem Sinne in Frage gestellt, wankend unter unseren Füssen. Beruf, dem wir den 94