Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 5 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Die Neuorientierung des deutschen Judentum*. Damals galt es, was die grosse Revolution katastrophal fort• geschwemmt hatte, mm aueh iunerlieh zu überwinden, was sie mit hastiger Hand an die »Stelle des Alten gesetzt, evolutionistiseh in F.igenart zu erwerben. _ _ Zeiten voll geistiger Unruhe, aber aueh Zeiten voll fruchtbarer Ideen. Iin deutschen Judentum begann, nachdem* praktisch bereits allenthalben die (Jeset/estreue geschwunden war oder sieh wesentlieh verflüchtigt hatte, begann damals erst die geistige Auseinan• der*et/ung zwischen Orthodoxie und Hefnrm. Noch lohnte sich eine solche Auseinandersetzung. (5esetz.es, künde fehlte auf beiden Seiten lucht, und damit war immerhin ein gemeinsamer Roden vorhanden, durch den die Krörtenmg Sinn und liedeiitung gewann. Das waren die Zeiten, in denen sich Orthodoxie und Reform Aug' in Auge gcgeuiihcrstundcu und um den heiligsten Kern des .ludenlimis, sein wahres und echtes Wesen, kümplton. Um Ideen handelt!׳ es sich damals, um nichts als Ideen. Wenu man von dem traurige!! Versuch gewisser Kreise der \eologie, das Zünglein der Wage mit Hille der Staatsgewalt zu ihren (iiinsten zu hoeinHussen. ahsicht. war es ein Kainpt. nicht unwürdig der grossen Vergällgenheit iles deutschen .l.mlentuius. weder nach l'orm noch nach (iegen-tand. I.ii'st man die neunzehn Rriefc. so spürt mau deutlich den Hauch jener Tage. Rci allem Kummer iil״r!len I hcrhnnd nehmenden Abfall doch auch eine unverhohlene Freude über das treie Spiel der sich messenden Kräfte, eine liefe und klare Krkcniitnis der historischen Notwendigkeit der im Fluss■ befindlichen Auseinandersetzung und ihres F.w igkeitwerts. ein /tu ersichtlicher Optimismus, dass der Ausgang di■* Kampfes die Wahrheit der verfochtenen Sache erweisen werde. F.ine Stimmung, wie etwa au* der Lessingschen Kiugfahel, ist nicht zu verkennen : mathematische beweise sind hüben wie drüben nicht müglii h. Also entwickle jeder 'feil in Klarheit seine Lehre und «tul/e sich auf ihr!• W'erbekralt. An iliicn Fruchten sollt ihr du■ rechte Lehre erkennen. Wäre es ‘nach diesen Männern gegangen, so hätten Ortho-