Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 1 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Dm schlateade Gewissen S , Dm erklärt den dominirendcn Kinfluss von Bankleute• and Advokaten in Stiftungen und Vereinen neben den tonet nur in ertter Linie religiös b*- «trebteo wohlmeinenden Stiltern, Gönnern und!*tiegern auf dem Gebiete der Wohltätigkeit. I)u1 eine religiöse Wohltat eine soziale Missetat werden kann, wenn man gewisse Versteinerungen und WillkUrliehkeiten, die sich gebildet haben, und die dM Licht des Geistes, der die Guttat verlangt, verdunkeln, wenn man sie nicht aut dem Wege räumt, ist vielen Wohlmeinenden bis beute noch nicht ausreichend zum Bewusstsein gekommen. Dm erklärt innerhalb des jüdischen Gemeinschaftslebens an manchen Stellen das Vorhandensein grosser Opfer, d. h. Geldgebebereitscbaft und sugleich die gutherzige, kur!tichtige״Kegellnsigkeit und l'nditziplinittheit, an denen der gröute Teil der modernen jüdisch-sozialen Arbeit leidet. Hier ist das deutsche jüd'sche Gemeindelehen an einem deutlich erkeunbaren Punkte stehen geblieben: dort, wo für die Majorität der doutschen Juden der religiöse Gedanke nicht mehr stark genug ist, BekenntniswiUe und Lebenswille zugleich zu sein. Die l'ebertragung der Guttat (als Zwillingsgedanke dee religiösen Gebotes der Miswah) aut das Geleise der disziplinirten sozialen Handlung, dieser Weg, der in eine groMe, schönerbelebte jüdische Welt hinautftthren könnte, ist von den deutschen Juden nicht rechtzeitig erkannt und vertolgt worden. Der grosse, fortreissende Zug sozial-politischer (Entwicklung־,־ ticr sich in den deutschen, politischen Kommunen aufbaucnd bemerkbar macht, hat dM jüdische Gemeindeuntl Voreinsleben nicht, erlasst. Zwar sind Juden und besonders Jüdinnen an allen Aeusserungen dieser Zeitbestrebungen lebbalt öeteiligt: aber diese Beteiligung bedeutet für das jüdische Gemeinscbattslebea mehr einen Abtlass und Verlust an Kräften An verhältnismässig nur wenigen Stellen jüdischen Gemeinde- und Veroinslebens zeigt sich de' Wunsch und dM Verständnis, die (Erkenntnisse und Methoden der sogenannten unkontrssionolIeD oder interkonfessionellen sozialen Arbeit auch zur hrbaltung und zur Stärkung des jüdischen Geuieinsohaftsgedankens anzuwenden. Hier liegt der Keim der Schwäche, des ltückgatigcs, vielleicht aueh einer bevorstehenden Auflösung des Judentums, wobei natürlich niebt mit Jahrzehnten, aber docli, wenn keine Besinnung eintritt, mit wenigen Menschenaltern zu rechnen sein wird. Das Versickern der jüdischen Volkskratt wird aber noch derrh einen anderen Umstand im höchsten Grade gefördert und beschleunigt. Die furchtbare Zerrissenheit in der Judonshsft selbst, dar Klbogenkampf, der vom Agudah-Mitglied bis zum Ueforra-Jud״n im Sonntagstsuipel in Gemeinden, ' Vereinen und Vcbäuden, um Wert, Bedeutung. Herrsebslt und Vorherrschaft geführt wird, macht die Judenschaft innerlich verbluten. Das Kehlen vos Solidarität und edelem Selbsbewusstsein in Momenten, wo nur die hOchsta Anspannung von GcmeiascbaltagefUbl l^ebenswillcu and Abwobrkralt den