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Jüdische Monatshefte · 1916-01-01 · 8 (1916) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
3 (1916)
Issue
8 (1916)
Date
1916-01-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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964 Der Begriff de• Wunders im Judentum. III. Prophet und Wunder stehen in enger Beziehung. 'Nicht als ob de« Propheten eigentliche Aufgabe im Wirken von Wundern gipfelte. Der Prophet im Judeutum ist ganz allgemein Vollstrecker göttlicher Aufträge. Diese Aufträge sind mir ausnahmsweise gegen- Rtändliche Wunder. Aber das Innewcrden göttlicher Auttriige, di.• Gewissheit, die der Prophet haben muss, dass wirklich Gott zu ihm geredet, ist wahrlich nicht der Wunder kleinstes. In der na tiirlichen Ordnung «1 er Dinge, da jede Krseheinung durch eine andere kausiert ist und eine Kette ohne F.nde alles Seiende vorknüpft, ist kein Raun! für göttliche Mitteilung. Wer die Wunder auf .natürliche Weise“ erklärt, darf auch vor der Prophetie nicht Halt machen und muss sie notwendig leugnen, da hier nicht einmal die relative Durchbruchstheorie ausreicht. IV. Die Schwierigkeit, die «lern Begriffe des Wunders im Wege steht, ist aber noch keineswegs erschöpft, wenn man lediglieh auf unsere mangelhafte Kenntnis der .natürlichen Ordnung“ hinweisst. Weit bedeutender fällt ins Gewicht, was die Krkcnntivtsthe 1 >ti r dagegen Tnrzttrrageir hat. 1. Die natürliche Ordnung der Dinge gilt dem Philosophen nicht als einfach vorhanden, sodass sie nur wahrgenotnmen zu werden brauchte. Hirn• Kritik unserer Krkenntnismittel crgicht, dass diese zur Krfassuiig unabhängig von uns bestehender Dinge nicht geeignet sind, dass Ric sich vielmehr aut Sichtung und Ordnung von uns Gegebenem, aber nicht unabhängig von uns Bestehendem, beschränken müssen. Das Krgebnis dieser Sichtung und Ordnung ist eben das, was man den ״natürlichen Lauf der Dinge" zu nennen beliebt. Weil und insofern die Dinge gesichtet und geordnet sind, können wir sie erkennen. Hin Hauptsiebt, ungsmittel ist gerade der Kausalitätsbegriff. Ohne ihn ist uns Krkenntnis des Seienden unmöglich. 2. Hieraus folgt erkenntniskritiscb, dass ein Wunder, falls es sich vollzöge, tür uns, mit unseren Krkenntnismitteln, als solches überhaupt nicht erkennbar wäre. Die .Durchbrechung" der Kausalität ist zugleich die Durchbrechung unserer Krkcnntnisfühigkeit. da wir nur mittels des Kausalitätsbegriffs einer Krseheinung bewn»st zu werden \ern>ögen und sie als zu bestimmter Stunde und

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