Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 3 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 liches empfinden wir alle bei dem jetzigen grossen Weltkrieg. Viele der Feinde Deutschlands hatten Schuld auf Schuld gehäuft. teils in Lieblosigkeit, teils in Abkehr von dem Willen d־׳s Allmächtigen, teils in^L'nsittlielikeit. Sie wissen ja. welch gross׳* Sünde bcispielsweise die Bewohner Frankieiehs dadurch begingen, dass sie nicht mehr, wie früher, »folz darauf waren, wenn eine Familie durch den Ewigen mit vielen Kindern gesegnet waren, sondern im Gegenteil fast keine Kinder wollten; unsere Feinde im Osten hab-n ilie Mensehen und Volker bedrückt, im Westen gab es wieder andere Siinden. Ja. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher Da nun der allgütige Seliiipfer diesen Krieg sandte, dürfen wir hoffen, dass es eine Tat der Vergeltung sein wird und Sie, Sie alle und Ihre Kameraden, sind Boten Gottes. Vor unser Auge tritt in diesen Tugen der leuchtende Blick der Eltern, die strahlenden Augen von Frau und Kind am Sederabeud. Erinnern Sie sieh noch, wie wir da vom Brot der Bescheidenheit beten, wie wir bitteres Kraut gemessen; und da möchte ich Ihnen sagen, wie wir alle gerne und treudig alle die Entbehrungen. welche die ernste Zeit uns auferlegt. gerne und willig auf uns nehmen und sie namenlos gering schätzen im Verhältnis zu der bewundernswerten Leistung, welche unsere unvergleichlichen Soldaten au den Tag legen, Fad wenn wir nach heiliger Vorschrift die 4 Becher Weines leeren, so erfüllt uns heilige Freude in der Hoffnung, dass der gute Vater im Himmel unserer guten Sache »len Sieg verleihen wird So gross ist Gott, so gut ist Gott Nicht wahr, da »lenken Sie auch daran, wie wir an diesen Sederabenden in »lunklcr Nacht weit die Türen unserer Zimmer und Hauser öffnen, um damit sinnenfallig zu zeigen, dass wir uns vor gar nichts fürchten; fällt Ihnen <la nicht »las grosse, fromme Wort ein: Wir Deutsehe fürchten G»»tt, sonst aber nichts aut »ler Welt. Diese Furchtlosigkeit ist »ler Stolz unserer Fahnen. Sehen Sie. mein lieber Freund, wenn Sie auch in diesem Jahre am PesachfcHte fern von. den Ihrigen weilen, so werden Sie in kommenden Jahren uny so freudiger, mn so heiliger an diesen Abenden sein, linil w»*nt1 es Ihnen »ler Dienst erlaubt, dann Icsimi Sie an den Sederabenden — sie sind in diesem Jahre Montag Abend zwischen ‘2‘.*. um! 30. März und Dteustag *Abend zwischen 30. und 31. März. — iliesc wenigen Zeilen, welche ich Ihnen als schlichten Gruss der Heimat sende;