Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 7 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4900572-5964853-5964881--0261-4900821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
240 y eine gewaltige Volksmenge strömte den Pilgern entgegen, voran die Handwerkerzünfte. Das gab ein freudiges Wiedersehen, einen jubelnden Austausch von Gruss und Gegengruss und die Pilger sangen rSrrעוסדות היו ינלינו בשעריך ״ Immer weiter zogen sie, und als sie den Berg zam Tempel emporstiegen, da tönte ihr Lied הללדה הללו אל בקדי*ו. Der Levitencböre gewaltiger Sang bot ihnen den Willkommensgruss אמססך ד־ כי דליחד ולא ש5חד. ארבי לי. Da löste sich erdbezwingende Begeisterung in der Brust der Korninenden und ihrer Pilgerlieder Ausklang brauste durch die Tempelhalle כל משסה תהלל •ד, דללדה. Dürfen wir es wagen, diese Lieder eines opferbereiten Volkes zu deuten? In der Arbeit des Alltages scheiden sich die Menschen, jeder ״hat sein« Sorge, jeder seine Plage, jeder seine Not; man findet 4 sich nicht, man sucht sich kaum. Alles Sinnen und Denken wird durch das Eigenleben in Anspruch genommen; die wirtschaftlichen Ideen rufen zum Kampf, und wenn eine Gruppe der Menschen sich eint, ist ts wieder nur ein Zwang des Alltags; das ist die Sterbestunde der Volksseele. Doch in jenen alten jüdischen Bauern lebte eine leise Frage. Und doch gibt, es etwas, was uns mit den Bauern eint, die auf anderen Feldern pflügen fern von uns. Was verbündet uns? Als sie sich aber auf dem Wege trafen, alle mit gleichem Ziel, da hatten sie das Einigende gefunden; der erste Vers der Lieder der Volksseele war ein Bekenntnis zur nationalen Einheit, gleichzeitig aber auch eine niemals zu überwindene Wahrheit darüber, dass nur uns ausschliesslich בית ד׳ das Heiligtum des Allmächtigen das nationale Band war. — — Was die Alten die Wirklichkeit bot, ist uns der von Propheten im Namen des Ewigen gegebene Zukunftstraum. Dürfen wir'fragen, ob in all der nationalen Entfaltung unserer Tage dem כית וי die richtige Stelle eingeräumt wird? Daun wäre es eine סחה»•, denn dieser Wort bedeutet mehr, als den rascher schlagenden Puls eines Augenblickes; in dem Lied der alten jüdischen Bauern rauschte der Flügelschlag der Ewigkeit. Dabei wareu sie wahrhallig alles eher wie erdentrückte Träumer; sie sahen Jerusalem. Eine Stadt scheinbar, wie alle andereu, etwas grosser und schöner, aber doch von Menschenhand gefügt, Stein zu Stein gelegt in mühevoller Arbeit, trotzig umrahmt von gewaltigen Mauern; was also war das Besondere{*